Nachhaltigkeit
Ausgezeichnete Hochbauten – das Umweltzeichen HafenCity
Außergewöhnliche und besondere Leistungen beim Bau nachhaltiger Hochbauten werden im neuen Stadtteil seit 2007 mit dem Umweltzeichen HafenCity zertifiziert. Bereits zwei Jahre vor der Etablierung einer vergleichbaren Auszeichnung mit deutschlandweiter Gültigkeit hat die HafenCity so eine Vorreiterrolle übernommen
Als erster privater Bauherr erhielt die Robert Vogel KG eine Vorzertifizierung nach dem Umweltzeichen HafenCity in Gold für das zurzeit entstehende SPIEGEL-Medienhaus (© ELBE&FLUT) Bilderserie starten
Ein Bündel ehrgeiziger Maßnahmen stellt die beispielhafte Nachhaltigkeit der HafenCity sicher; immerhin entsteht mit ihr ein Stadtteil, der im gesamten 21. Jahrhundert – und sogar weit darüber hinaus – Bestand haben soll. Bereits seit 2007 vergibt die HafenCity Hamburg GmbH ein Umweltzeichen in Gold für außergewöhnliche und in Silber für besondere Leistungen bei der Realisierung nachhaltiger Hochbauten. Die Auszeichnung soll private wie öffentliche Bauherren zum verantwortungsvollen Umgang mit Ressourcen motivieren. Neben der ökologischen bewertet sie die ökonomische und die soziale Nachhaltigkeit eines Bauvorhabens. Die HafenCity Hamburg GmbH nimmt hier eine Vorreiterrolle ein: Eine deutschlandweit gültige Umweltzertifizierung wurde erst im Januar 2009 durch die Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB) eingeführt.
Bereits vor Baubeginn kann das Umweltzeichen HafenCity vorläufig verliehen werden. Den entsprechenden Antrag stellt der Bauherr, indem er technische Planungsunterlagen vorlegt, aus denen die besondere oder außergewöhnliche Nachhaltigkeit seines Gebäudes hervorgeht. Nach der positiven Prüfung dieser Pläne durch ein unabhängiges Prüfbüro wird das Projekt vorzertifiziert. Diese Vorzertifizierung können Projektentwickler und Bauherren schon während der Vermarktungsphase nutzen: Potenziellen Käufern oder Mietern wird die Nachhaltigkeit ihrer Wunschimmobilie von unabhängiger Seite bestätigt. Ein endgültiges Zertifikat wird allerdings erst verliehen, wenn das Bauvorhaben fertiggestellt und die Umsetzung der Nachhaltigkeitsstandards überprüfbar ist.
Anfangs galt das Umweltzeichen für Wohn- und Bürobauten sowie Sonderbauten. Da in der zentralen und östlichen HafenCity vermehrt Gebäude mit Einzelhandels- oder Hotelnutzung sowie gemischtgenutzte Gebäude entstehen, können seit 2010 auch diese Bautypologien zertifiziert werden. Das erweiterte Umweltzeichen geht differenzierter auf die unterschiedlichen Nutzungsanforderungen ein; es greift somit für alle wesentlichen Gebäudetypologien einer inneren Stadt.
Zur Zertifizierung werden fünf Kategorien angewendet, die teilweise verfeinert und ergänzt wurden oder denen noch mal strengere Richtwerte auferlegt wurden.
Zu dem Kriterienkatalog zählt als Erstes die Reduzierung des im Gebäudebetrieb entstehenden Primärenergiebedarfs weit über die gesetzlichen Vorgaben hinaus. Bei Wohnbauten muss der strenge Passivhaus-Standard erreicht werden.
In der zweiten Kategorie punkten Bauvorhaben, die nachhaltig mit öffentlichen Gütern umgehen, also z. B. durch fortschrittliche Sanitäranlagen Wasser sparen. Gewürdigt wird zudem die effiziente Nutzung von öffentlich zugänglichen Flächen, etwa durch die Einrichtung von Cafés in Erdgeschossen oder von Dachgärten. Die Familienfreundlichkeit von Hotel- und Einzelhandelsbauten wird ebenfalls positiv bewertet.
In der dritten Kategorie zeichnet die HafenCity den Einsatz umweltschonender Baustoffe aus. Gebäude müssen ohne halogenhaltige Baustoffe, flüchtige Lösungsmittel oder Biozide gebaut werden und Tropenhölzer aus zertifiziert nachhaltigem Anbau stammen.
Die besondere Berücksichtigung von Gesundheit und Behaglichkeit gehört zur vierten Kategorie. Ausschlaggebend sind hierbei Parameter wie behagliche Raumtemperatur, eine allergikergerechte Ausstattung sowie ein Hall- und Schallschutz. Mit der Überarbeitung der Kriterien wurde ein nochmals höherer Einfluss der Nutzer auf Blendschutz und Luftaustausch in automatisch klimatisierten Räumen gefordert.
Durchgehende Barrierefreiheit stellt ein Kriterium der fünften Kategorie dar. Gebäude sollen für Menschen mit Mobilitätseinschränkung gut zugänglich sein und ihnen z. B. im Sanitärbereich ausreichend große Flächen bieten. Ein nachhaltiger Betrieb des Gebäudes durch geringen Wartungsaufwand und den Einsatz langlebiger Materialien ist darüber hinaus Gegenstand dieser Kategorie. Ein Monitoring-Nachweis der tatsächlichen Energieverbrauche ist in den ersten beiden Betriebsjahren des Gebäudes zu erbringen.
Binnen kurzer Zeit hat sich das Umweltzeichen HafenCity als großer Erfolg erwiesen: Innerhalb von nur zwei Jahren wurden rund 293.000 qm Bruttogeschossfläche (BGF) vorzertifiziert oder für die Zertifizierung ausgeschrieben bzw. anhandgegeben (Stand: Frühjahr 2010). Immer häufiger wird bereits bei der Ausschreibung neuer Flächen zur Auflage gemacht, dass entstehende Gebäude den strengen Standards des Umweltzeichens in Gold gerecht werden müssen; auch künftige Mieter drängen teilweise verstärkt darauf. Für die gesamte zentrale und östliche HafenCity soll so allein mit dem Gold-Standard ein Zertifizierungsstand von mindestens 30 Prozent erreicht werden, die Erwartungen liegen sogar noch einmal deutlich höher. In Zukunft wird die Realisierung von Wohngebäuden nur noch nach dem Gold-Standard möglich sein. Nachhaltigkeit ist also in der HafenCity zwar ein zeitloses Konzept, die Kriterien werden aber kontinuierlich weiterentwickelt, um ein möglichst effektives Resultat zu erzielen.
Ausgezeichnete Gebäude im Gold-Standard:
Unilever-Bürogebäude
Vorzertifizierte Gebäude im Gold-Standard:
SPIEGEL-Gebäude
HafenCity Universität
Grundschule mit KITA und Wohnen (Am Sandtorpark)
DC Commercial / Wölbern
NIDUS-Baugemeinschaft
Elbtorarkaden (Am Magdeburger Hafen)
Ökumenisches Forum
Garbe
Für die Vorzertifizierung im Gold-Standard vorgesehen:
Baufeld 42
Musikerhaus
Und weitere Gebäude in der zentralen HafenCity
Vorzertifizierte Gebäude im SILBER-Standard:
Sumatra-Kontor (Überseequartier)







