Konzepte
Die Stadt der Plätze, Parks und Promenaden
Die HafenCity bereichert Hamburg um spannende Stadträume am und auf dem Wasser. Plätze, Promenaden und Parks sind nicht nur städtebauliche Klammer, sondern auch eigenständige, das Stadtbild prägende Elemente
Der Sandtorpark bietet die erste größere Grünfläche in der HafenCity (© ELBE&FLUT)
Eindrucksvoll lässt sich die hohe Bedeutung der Freiräume für die HafenCity schon an wenigen Eckdaten ablesen: 24 Prozent ihrer Landflächen, immerhin 26 ha, werden zu öffentlichen Freiflächen. Die Freiflächen liegen durchweg als Parks oder Promenaden am Wasser; 10,5 km öffentliche Uferlinie entstehen. Die Wasserräume der Hafenbecken und Elbe sind zudem große Frischluftinseln und Sichträume. Zu den öffentlichen Freiräumen, die gut vernetzt und untereinander verbunden sind, kommen noch 13 % private, öffentlich nutzbare Freiflächen hinzu.
Mediterrane Leichtigkeit mit Hafenstrenge
Die großenteils fertiggestellten Stadträume der westlichen HafenCity wurden vom Architekturbüro EMBT-Arquitectes Associats (Barcelona) entworfen. Kunstvoll gestalteten die Planer das Wechselspiel von Wasser und Land, hafentypisch strengere Formen kontrastieren mit mediterranen, leichten Einflüssen. Zwei große terrassierte Platzanlagen entstanden am Sandtorhafen und Grasbrookhafen. Die 2005 fertiggestellten Magellan-Terrassen (5.600 qm) treppen sich auf mehreren Ebenen zum Wasser hinab. Mit eher harten Oberflächen besitzt dieser Amphitheater-ähnliche Platz einen urbanen Charakter mit vielen Nutzungsoptionen. Von ihm schweift der Blick über den 2008 eröffneten Traditionsschiffhafen im Sandtorhafen. Dessen 5.800 qm große schwimmende Promenade hebt und senkt sich mit den Gezeiten und bietet einen festen Liegeplatz für bis zu 30 historische Wasserfahrzeuge. Nachdem 2011 im benachbarten Quartier der 6.000 qm große Sandtorpark als erster grüner Park der HafenCity eröffnet wurde, ist dieses Freiraumensemble nun vollendet.
Die 2007 eröffneten Marco-Polo-Terrassen (7.800 qm) werden von Grasinseln, Holzdecks und Bäumen kleinteilig strukturiert, sie wirken geschützt, grün und weich. Am Grasbrookhafen soll künftig eine Sportbootmarina in privater Regie entstehen.
Kaipromenaden verbinden diese abwechslungsreichen Stadträume miteinander. Von der Sandtorkai-Promenade etwa gelangen Spaziergänger und Radfahrer über die Magellan-Terrassen zur Kaiserkai-Promenade. Sie führt an historischen Hafenkränen vorbei zum Vorplatz der Elbphilharmonie, welcher in die Dalmannkai-Promenade übergeht. Dort neigen sich die Dalmannkai-Treppen in grünen, baumbestandenen Stufen zum Grasbrookhafen hin. Der ebenfalls an der Promenade liegende Vasco-da-Gama-Platz ist mit Basketballspielfläche und Außengastronomie ein beliebter Treffpunkt. Südlich der Marco-Polo-Terrassen erreicht man über den Großen Grasbrook und die öffentliche Passage im Unilever-Gebäude die neuen Elbterrassen.
Zu Fuß von Binnenalster zum Magdeburger Hafen
Den Freiraumwettbewerb zur Gestaltung der zentralen HafenCity (Überseequartier und Magdeburger Hafen) gewannen die Architektin Beth Galí und ihr Büro BB + GG Arquitectes (Barcelona). Nach ihrem Entwurf sind die Promenade an der Osakaallee und der neue Dar-es-Salaam-Platz mit Granit-Natursteinplatten und Streifen aus Pflastersteinen belegt, die aus alten Kaiflächen recycelt wurden. Eine ähnliche Kombination findet sich im Überseequartier und auf dem 2008 fertiggestellten Vorplatz des Internationalen Maritimen Museums. Gestalterisch fügen sich somit die unterschiedlichen Freiräume zu einem großen Stadtraum zusammen, dessen Komplettierung im Juni 2011 mit einem Bürgerfest gefeiert wurde.
Mit dem neuen Areal rund um den Magdeburger Hafen wachsen HafenCity und bestehende City zusammen. Binnenalster und Magdeburger Hafen sind nur 900 m und damit nur wenige Gehminuten voneinander entfernt und über die zentrale „Domplatz-Achse“ verbunden. Innerhalb der HafenCity werden Überseequartier, Elbtorquartier und Brooktorquartier eng miteinander verknüpft – z. B. über die im Dezember 2010 neu eingeweihte Busanbrücke. An der Westseite des Magdeburger Hafens, entlang der Osakaallee, erstreckt sich eine bis zu 12 m breite Uferpromenade. Rampen, Treppen und grüne Böschungen führen vom Straßenniveau auf die historische Kaiebene. In den Höhensprung ist ein Uferpavillon integriert, der seit Mai 2011 eine Ausstellung über die Nachhaltigkeitsthemen der HafenCity präsentiert.
Ein „Steinsofa“ zum Verweilen
Am Kopf des Magdeburger Hafens ist als wichtigstes Entree zur zentralen HafenCity der Dar-es-Salaam-Platz entstanden – ein attraktiver Ort mit Südausrichtung zum Hafenbecken und mit weiten Blicken bis zur Elbe. Die neue Leonbrücke verbindet den Platz mit der Brooktorkai-Promenade, die seit 2010 entlang des Germanischen Lloyd bis zur Ericusspitze mit dem Spiegel-Gebäude führt. Als gestalterische Besonderheit lädt ein 30 m langes „Steinsofa“ zum Verweilen ein. WES & Partner Landschaftsarchitekten (Hamburg) gestalteten einen Großteil dieser Freiräume.
Die Promenade Ericusspitze lädt als Fortsetzung der Brooktorkai-Promenade seit Herbst 2011 mit einer großzügigen Stufenanlage zum Wechsel der Ebenen ein. Flaneure gelangen auch zu Fuß zum Spiegel-Gebäude sowie zu einer trichterförmigen Plaza mit Blick auf den Ericusgraben und den Oberhafen und zukünftig den Lohsepark.
Am Ostufer des Magdeburger Hafens entsteht seit Frühjahr 2011 ein Gebäudeensemble mit einer Stadtloggia. Dieser zwei Stockwerke hohe Arkadenraum steht in enger Beziehung zu der vor ihm entstehenden Pierpromenade, die auf einer Überbauung der Wasserkante auf der Ostseite des Magdeburger Hafens beruht. Sie verbindet den Platz vor dem Kaispeicher B mit den Freiräumen an der HafenCity Universität, da die Pier unter der Baakenbrücke nach Süden weitergeführt wird und so eine unterbrechungsfreie Verbindung ohne Straßenquerung zum Lohsepark, dem Baakenhafen und der Elbe ermöglicht.
Großzügige Grün- und Spielflächen
Im Westen schafft der mit Hügeln, Bäumen und einer Spielwiese gestaltete Sandtorpark eine städtebauliche Klammer für verschiedenartige Nutzungen, indem sich die Materialien und die Bodengestaltung der Magellan-Terrassen auch auf den Freiflächen rund um den Park fortsetzen. Die seit April 2011 nutzbare Grünfläche wird auch von der angrenzenden Katharinenschule genutzt.
Der 850 qm große Schatzinsel-Spielplatz am nahe gelegenen View Point ist bereits seit 2008 für Kinder zugänglich. Nach der für 2013 geplanten Fertigstellung des Grasbrookparks wird er dort durch eine wesentlich größere Spielfläche ersetzt.
Der Lohsepark im Zentrum
Der Lohsepark wird die mit 4 ha größte zusammenhängende Grünfläche der HafenCity. Wie ein grünes Band wird sich dieser „Central Park“ von Wasser zu Wasser ziehen: Die vom Büro Vogt Landschaftsarchitekten AG (Zürich) gestaltete Anlage erstreckt sich in Teilen schon ab 2013 vom Ericusgraben bis zur Elbe, insgesamt fertiggestellt wird der Park 2018/19. Großzügige Rasenflächen, über 500 neu gepflanzte Bäume und seitlich angeordnete Stadtterrassen, die die Erschließungsstraßen mit dem Park verbinden, werden den zentralen Park prägen. Ein integrierter Gedenkort erinnert an die vom ehemaligen Hannoverschen Bahnhof deportierten Juden, Sinti und Roma.
Entlang der Elbe wird der Park an eine 30 m breite Elbpromenade anknüpfen, die später bis nach Entenwerder führt. Im Baakenhafen wird überdies ein künstliches 1,5 ha großes Spiel- und Freizeitareal angelegt. Der Freiraumwettbewerb für das Quartier Baakenhafen wurde 2011 ausgelobt.
Neben diesen öffentlichen Stadträumen können in der HafenCity auch viele Privatflächen von Bewohnern, Beschäftigten und Besuchern genutzt werden. Denn öffentlicher und privater Grund sind eng miteinander verzahnt, für viele in Privatbesitz befindliche Flächen bestehen Gehrechte durchweg, oder – wie im Überseequartier – Rechte, vergleichbar denen auf öffentlichen Wegeflächen. So wird u. a. sichergestellt, dass Privatflächen zwischen einzelnen Gebäuden für Fußgänger sowie Radfahrer passierbar bleiben, die so ein engmaschiges Wegenetz und gut vernetzte Aufenthaltsflächen nutzen können.







