Konzepte

Die Stadt der Plätze, Parks und Promenaden

Die HafenCity bereichert Hamburg um spannende Stadträume am und auf dem Wasser. Plätze, Promenaden und Parks sind nicht nur städtebauliche Klammer, sondern auch eigenständige, das Stadtbild prägende Elemente

Das Foto zeigt Besucher auf den Magellan-Terassen bei Sonnenschein.

Die Magellan-Terrassen sind ein beliebtes Ausflugsziel in der HafenCity (© ELBE&FLUT) Bilderserie starten

Eindrucksvoll lässt sich die hohe Bedeutung der Freiräume für die HafenCity schon an wenigen Eckdaten ablesen: 25 Prozent ihrer Landflächen, immerhin 28 ha, werden zu öffentlichen Freiflächen. Die Freiflächen liegen durchweg als Parks oder Promenaden am Wasser; 10,5 km öffentliche Uferlinie entstehen. Die Wasserräume der Hafenbecken und der Elbe sind zudem große Frischluftinseln und Sichträume. Zu den öffentlichen Freiräumen, die gut vernetzt und untereinander verbunden sind, kommen noch 13 Prozent private öffentlich nutzbare Freiflächen hinzu. Lediglich sieben Prozent der gesamten Freiflächen sind nicht öffentlich. Damit sind 45 Prozent der gesamten HafenCity Freifläche – bei 31 Prozent Gebäudegrundfläche und 24 Prozent Verkehrsfläche.

Mediterrane Leichtigkeit mit Hafenstrenge

Die großenteils fertiggestellten Stadträume der westlichen HafenCity wurden überwiegend vom Architekturbüro EMBT Arquitectes Associats (Barcelona) entworfen. Kunstvoll gestalteten die Planer das Wechselspiel von Wasser und Land, hafentypisch strengere Formen kontrastieren mit mediterranen, leichten Einflüssen. Zwei große, terrassierte Platzanlagen entstanden am Sandtorhafen und Grasbrookhafen. Die 2005 fertiggestellten Magellan-Terrassen (5.600 m2) treppen sich auf mehreren Ebenen zum Wasser hinab. Mit eher harten Oberflächen besitzt dieser einem Amphitheater ähnliche Platz einen urbanen Charakter mit vielen Nutzungsoptionen. Von ihm schweift der Blick über den 2008 eröffneten Traditionsschiffhafen im Sandtorhafen. Dessen 5.800 m2 große schwimmende Ponton-anlage hebt und senkt sich mit den Gezeiten und bietet einen festen Liegeplatz für bis zu 30 historische Wasserfahrzeuge.

Die 2007 eröffneten Marco-Polo-Terrassen (7.800 m2) werden von Grasinseln, Holzdecks und Bäumen kleinteilig strukturiert, sie wirken geschützt, grün und weich. Kaipromenaden verbinden diese abwechslungsreichen Stadträume miteinander. Der ebenfalls an einer Promenade liegende Vasco-da-Gama-Platz ist mit Basketballspielfläche und Außengastronomie ein beliebter Treffpunkt. Südlich der Marco-Polo-Terrassen erreicht man über den Großen Grasbrook und die öffentliche Passage im Unilever-Gebäude die Elbterrassen.

Großzügige Grün- und Spielflächen

Im Westen schafft der mit Hügeln, Bäumen und einer Spielwiese gestaltete, ca. 6.000 m2 große Sandtorpark eine städtebauliche Klammer für verschiedenartige Nutzungen, indem sich die Materialien und die Bodengestaltung der Magellan-Terrassen auch auf den Freiflächen rund um den Park fortsetzen. Die seit April 2011 nutzbare Grünfläche wird auch von der angrenzenden Katharinenschule genutzt.

Im Sommer 2013 eröffnete der an der südlichen Schnittstelle zum Quartier Strandkai gelegene Grasbrookpark. Als großer grüner Spielpark mit vielen, von Grundschülern mitgestalteten Spiel- und Freizeitmöglichkeiten für Kinder und Erwachsene sowie dem Spielschiff in seiner Mitte ist er weit über die Grenzen der HafenCity hinaus bekannt und schon jetzt ein beliebter Treffpunkt.

Zu Fuß von der Binnenalster zum Magdeburger Hafen

Den Freiraumwettbewerb zur Gestaltung der zentralen HafenCity (Überseequartier und Magdeburger Hafen) gewannen die Architektin Beth Galí und ihr Büro BB + GG Arquitectes (Barcelona). Nach ihrem Entwurf sind die Promenade an der Osakaallee, der Dar-es-Salaam-Platz und der Vorplatz des Internationalen Maritimen Museums mit Granit-Natursteinplatten und Streifen aus Pflastersteinen belegt, die aus alten Kaiflächen recycelt wurden. Mit dem neuen Areal rund um den Magdeburger Hafen wachsen HafenCity und bestehende City zusammen. Binnenalster und Magdeburger Hafen sind lediglich 900 m und damit nur wenige Gehminuten voneinander entfernt und über die zentrale Domplatz-Achse verbunden. Innerhalb der HafenCity werden Überseequartier, Elbtorquartier und Brooktorquartier eng miteinander verknüpft – z. B. über die Ende 2010 neu gestaltete Busanbrücke. An der Westseite des Magdeburger Hafens, entlang der Osakaallee, erstreckt sich eine bis zu 10 m breite Uferpromenade. Rampen, Treppen und grüne Böschungen führen vom Straßenniveau auf die historische Kai-ebene. In den Höhensprung ist der NachhaltigkeitsPavillon Osaka 9 integriert, der seit 2011 einen Überblick über das Nachhaltigkeitskonzept der HafenCity bietet.

Am Kopf des Magdeburger Hafens ist als wichtigstes Entree zur zentralen HafenCity der Dar-es-Salaam-Platz entstanden – ein attraktiver Ort mit Südausrichtung zum Hafenbecken und mit weiten Blicken bis zur Elbe. Die León-Brücke verbindet den Platz mit der Brooktorkai-Promenade, die seit 2010 entlang des Germanischen Lloyd bis zur Ericusspitze mit dem Spiegel-Gebäude führt. Besonderheit ist hier ein 30 m langes Steinsofa. WES & Partner Landschaftsarchitekten (Hamburg) gestalteten einen Großteil dieser Freiräume.

Die Promenade Ericusspitze lädt als Fortsetzung der Brooktorkai-Promenade seit Herbst 2011 mit einer großzügigen Stufenanlage zum Wechsel der Ebenen ein. Am Ostufer des Magdeburger Hafens führt die Promenade seit Herbst 2013 auf zwei Ebenen entlang der neuen Elbarkaden – auf dem Wasser und auf hochwassergeschütztem Warftniveau – am Hafenbecken weiter bis zur neuen HafenCity Universität und verbindet damit den Platz vor dem Kaispeicher B mit den Freiräumen an der HCU, da die Pier unter der Magdeburger Brücke ab August 2014 nach Süden weiterführt und so eine Verbindung ohne Straßenquerung zum Lohsepark und zum Baaken-hafen ermöglicht.

Der Lohsepark im Zentrum

Basierend auf dem auf der Grundlage des städtebaulichen Masterplans entwickelten Freiraumkonzepts von Vogt Landschaftsarchitekten AG (Zürich) ist der zentral gelegene Lohsepark mit über 4 ha Gesamtfläche die größte zusammenhängende Grünanlage der HafenCity mit weitreichenden stadträumlichen, sozialen und ökologischen Funktionen. Großzügige, von einem lockeren Wegenetz durchzogene Rasenflächen, Sitzgruppen und Spielmöglichkeiten laden künftig junge und alte Bewohner aber auch Besucher zum Verweilen ein. An den Längsseiten schließen Terrassen zur Straße auf und schaffen eine barrierefreie Verbindung der Grünfläche mit den umgebenden städtischen Quartieren und vermitteln so zwischen den bebauten Strukturen und dem Freiraum. Zum Evangelischen Kirchentag 2013 wurde der erste Parkabschnitt eröffnet. Durch den Abriss der großen Lagerhalle bis Anfang 2014 wird der gesamte Park bis Ende 2015 vollständig fertiggestellt sein.

Grüner Osten der HafenCity

Entlang der Elbe knüpft der Park an eine 30 m breite Elbpromenade an, die entlang des Stroms bis nach Entenwerder führt, den Elberadweg integriert und dabei die neuen Quartiere Baakenhafen und Elbbrücken durchquert. Die Freiräume des grünen Quartiers Baakenhafen, mit seinem Schwerpunkt auf Wohnen für Familien mit Kindern und den vielen integrierten Sport- und Freizeitnutzungen, wurden vom Berliner Atelier Loidl geplant. Deren Entwurf überzeugte unter anderem durch den rund 1,5 ha großen, neu angelegten Baakenpark im Zentrum des Hafenbeckens mit einer Fußgängerbrücke zwischen den beiden Quartiersteilen. Den Auftakt für die Quartiersentwicklung bildete die Eröffnung der Baakenhafenbrücke im August 2013. Die vom Londoner Architekturbüro WilkinsonEyre. Architects zusammen mit dem Berliner Ingenieurbüro Happold entworfene Querung lässt auf beiden Seiten der Fahrbahn viel Platz für Radfahrer, die somit bequem den südlichen Baakenhafen erreichen.

Letzter städtebaulicher Wettbewerb

Weiter im Osten kommt noch 2014 das Quartier Elbbrücken stärker in den Fokus der Entwicklung. Bis Jahresende fällt die Entscheidung für den letzten städtebaulichen Wettbewerb für die HafenCity, so dass deren Entwicklung auf der Ebene der städtebaulichen Gestaltung zu Ende gedacht wird.

Neben den öffentlichen Stadträumen können in der HafenCity auch viele Privatflächen von Bewohnern, Beschäftigten und Besuchern genutzt werden. Öffentlicher und privater Grund sind eng miteinander verzahnt, für viele in Privatbesitz befindliche Flächen bestehen Gehrechte, oder – wie im Überseequartier – Rechte, vergleichbar denen auf öffentlichen Wegeflächen. So wird u. a. sichergestellt, dass Privatflächen zwischen einzelnen Gebäuden für Fußgänger sowie Radfahrer passierbar bleiben, die so ein engmaschiges Wegenetz und gut vernetzte Aufenthaltsflächen nutzen können.