Konzepte
Stadt des 21. Jahrhunderts
Die HafenCity setzt zukunftsweisende Standards durch nachhaltige Stadtentwicklung. Ehemaliges Hafen- und Industriegebiet wird intensiv genutzt und die Hamburger City so um 40 Prozent erweitert
Als Stadtteil der kurzen Wege lädt die HafenCity zur nachhaltigen Verkehrsteilnahme – beispielsweise mit dem Fahrrad oder zu Fuß – ein (© Daniel Barthmann) Bilderserie starten
Hamburg wächst nicht mehr auf Grünflächen in seiner Peripherie. Stattdessen wird ehemaliges Hafengebiet wiederverwertet. Die nachhaltige Entwicklung der HafenCity beinhaltet primär ökologische, aber auch ökonomische und soziale Aspekte. Die HafenCity wird mittel- und langfristig durch ihre nachhaltige Stadtstruktur auch einen bedeutenden Anteil an der Erfüllung der Hamburger Klimaschutzziele haben, die eine Reduktion des CO2-Austoßes um 20 Prozent bis zum Jahr 2020 vorsieht. In der HafenCity sollen, insbesondere durch eine innovative Energie- und Wärmeversorgung, sogar 40 Prozent Emissionen eingespart werden.
Effiziente Bodennutzung
Die HafenCity entsteht auf 157 ha ehemaligem Hafen- und Industriegelände in zentraler Lage. An kontaminierten Lagen wie dem Standort des alten Gaswerks (heute südliches Überseequartier) wurde der ökologische Wert dieses einstigen Industriegebiets durch die Bodensanierung gesteigert und die Versiegelung des Bodens erheblich reduziert. Boden wird zudem effizient genutzt – die Bebauungsdichte ist je nach Quartier mit 3,7–5,6 GFZ hoch: Das entspricht der Dichte anderer europäischer Stadtzentren. In der HafenCity werden 94 Menschen und 355 Beschäftigte pro ha leben und arbeiten. Auf nur 25 Prozent der Landflächen erstrecken sich die Flächen für Straßen (zum Vergleich Hamburger City: 40 Prozent). Für öffentlich zugängliche Freiflächen stehen 37 Prozent der Landflächen zur Verfügung, einschließlich der 3,1 km langen „Riverfront“ entlang der Elbe. Damit schafft die HafenCity hohe Nutzungsdichte bei hohem Anteil öffentlicher Räume und geringem Anteil notwendiger Erschließung.
Stadtstruktur
Die HafenCity zeichnet sich durch eine feinkörnige horizontale und vertikale Mischung der verschiedenen Stadtnutzungen aus – Wohnen, Arbeiten, Kultur, Freizeit und Shoppen liegen dicht beieinander und verkürzen die Wege. Das dichte Wegenetz bezieht auch private Flächen ein. In der HafenCity sorgen die großen Wasserflächen und die offene Bauweise für eine Reduktion des sogenannten Hitzeinseleffektes der Stadt im Sommer, dadurch sinkt der Bedarf an Klimatisierung und der Wohn- und Arbeitskomfort steigt.
Gebäude und Infrastruktur müssen Schutzanforderungen gegen den Lärm genügen, der durch den Hafenbetrieb auf der südlichen Elbseite und durch starken Verkehr in der östlichen HafenCity erzeugt wird. Die Anordnung der Gebäude, die Orientierung der Aufenthaltsräume und spezielle Fensterlaibungen tragen zur Reduktion von Lärmwirkungen bei. Die Hafenplanungsverordnung begrenzt den Lärm aus dem Hafen, der südlich der Elbe weiterhin in Betrieb ist.
Ein wichtiger Aspekt der Nachhaltigkeit ist die Erfüllung langfristiger Anforderungen an den Hochwasserschutz. Dieser wird durch die auf 8,00–8,50 m ü. NN höher gelegenen Warften gewährleistet. Parkende Autos finden in den Warften unter den Gebäuden in Tiefgaragen Platz. Der ruhende Verkehr verbraucht daher wenig Raum.
Mobilität
Die HafenCity ist auch ohne Auto sehr gut erreichbar. Der Anteil des motorisierten Individualverkehrs (MIV) soll durch ein intelligentes Verkehrskonzept und einen hervorragenden Anschluss an den öffentlichen Nahverkehr deutlich unter 30 Prozent reduziert werden (Hamburger Durchschnitt: 47 Prozent). Eine neue U-Bahnlinie wird ab 2012 täglich bis zu 23.000 Menschen befördern. Nach Eröffnung der dritten neuen Haltestelle der U4 an den Elbbrücken sollen sogar täglich ca. 35.000 Menschen die U-Bahn benutzen. Öffentliche Busse werden ab 2011 an einer neuen Wasserstofftankstelle klimafreundlich betankt. Aus der bestehenden Innenstadt gelangen Fahrradfahrer und Fußgänger binnen weniger Minuten über ein attraktives und dichtes Wegenetz und zahlreiche Brücken in den neuen Stadtteil oder umgekehrt. Zu 70 Prozent verlaufen die Fuß- und Fahrradwege abseits des Autoverkehrs auf Promenaden, Stegen und Plätzen, zu rund 30 Prozent direkt am Wasser. Mehrere Fahrradleihstationen ermöglichen die CO2-freie Rundfahrt. Die HafenCity ist zudem in die Modellregion Elektromobilität Hamburg einbezogen.
Wärmeenergie
In der westlichen HafenCity sind sämtliche Gebäude an ein Fernwärmenetz angeschlossen. Dezentrale Wärmeerzeugung kombiniert mit Brennstoffzellentechnik, Solarthermie und geothermischen Anlagen ermöglicht einen effizienten Energiemix mit einer CO2-Emission von 175 g/kWh (zum Vergleich: Die herkömmliche gasbasierte Wärmeversorgung produziert durchschnittlich eine CO2-Emission von 240 g/kWh). Gegenüber einer weit verbreiteten gasbetriebenen Wärmeversorgung stellt dies eine Reduktion um 27 Prozent dar. Nach einem europaweiten Ausschreibungsverfahren wurde 2003 der Auftrag für die Wärmeversorgung der westlichen HafenCity an den Energieversorger Vattenfall vergeben. In der östlichen HafenCity wird die CO2-Emission mit 89 g/kWh noch einmal deutlich unterschritten. Den ebenso europaweit ausgeschriebenen Wettbewerb entschied 2009 Dalkia Energie Services für sich. Das Konzept sieht ein Nahwärmeversorgungsnetz vor, das durch verschiedene Erzeugungseinheiten innerhalb und außerhalb der HafenCity gespeist wird. Zum Einsatz kommen mit einer Holzverbrennungsanlage, einer Biomethan-Brennstoffzelle sowie einer Wärmepumpe überwiegend regenerative Energieträger. Die Holzverbrennungsanlage soll als eine von drei Heizzentralen auf dem Gelände des angrenzenden Hamburger Großmarkts am Standort einer bereits bestehenden Verbrennungsanlage installiert werden. Aufgrund seiner dezentralen Struktur kann das System gemeinsam mit dem Stadtteil wachsen. Diese Flexibilität galt als wichtiges Vergabekriterium: Da die HafenCity erst in den 2020er Jahren fertiggestellt wird, kann ihr künftiger Energiebedarf noch nicht exakt bestimmt werden.
Gebäude
2007 wurde von der HafenCity Hamburg GmbH das erste Zertifizierungssystem für nachhaltiges Bauen in Deutschland entwickelt. Die HafenCity Hamburg GmbH vergibt ein Umweltzeichen in Gold für außergewöhnliche und in Silber für besondere Leistungen bei der Realisierung nachhaltiger Hochbauten. Die Auszeichnung soll Bauherren zum verantwortungsvollen Umgang mit Ressourcen motivieren. Bewertet werden die ökologische, die ökonomische und die soziale Nachhaltigkeit eines Bauvorhabens. Anfangs galt das Umweltzeichen für Wohn-, Büro- und Sonderbauten. Da in der zentralen und östlichen HafenCity vermehrt Gebäude mit Einzelhandels- oder Hotelnutzung sowie gemischtgenutzte Gebäude entstehen, können seit 2010 auch -diese Bautypologien zertifiziert werden. Mindestens 50 Prozent der Gebäude in der zentralen und östlichen HafenCity sollen den sehr hohen und stetig wachsenden Anforderungen des Nachhaltigkeitssiegels in Gold genügen.
Das Umweltzeichen in Gold und Silber
Bereits vor Baubeginn kann das Umweltzeichen HafenCity vorläufig verliehen werden. Den Antrag stellt der Bauherr, indem er technische Planungsunterlagen vorlegt, aus denen die besondere oder außergewöhnliche Nachhaltigkeit seines Gebäudes hervorgeht. Nach der positiven Prüfung durch ein unabhängiges Büro wird das Projekt vorzertifiziert. So können Projektentwickler und Bauherren schon während der Vermarktungsphase potenzielle Käufer oder Mieter von der Nachhaltigkeit ihrer Wunschimmobilie überzeugen. Ein endgültiges Zertifikat wird erst nach Fertigstellung des Bauvorhabens verliehen, wenn die Umsetzung der Nachhaltigkeitsstandards überprüft wurde.
Der Zertifizierung liegen fünf Kategorien zugrunde:
- die Reduzierung des im Gebäudebetrieb entstehenden Primärenergiebedarfs weit über die gesetzlichen Vorgaben hinausder nachhaltige Umgang mit öffentlichen Gütern (z. B. durch wassersparende Sanitäranlagen), die effiziente Nutzung öffentlich zugänglicher Flächen oder auch die Familienfreundlichkeit von Hotel- und Einzelhandelsbauten
- der Einsatz umweltschonender Baustoffe, etwa der Verzicht auf halogenhaltige Stoffe, flüchtige Lösungsmittel oder Biozide; honoriert wird die Verwendung zertifizierter Tropenhölzer
- die besondere Berücksichtigung von Gesundheit und Behaglichkeit, etwa der Raumtemperatur, einer allergikergerechten Ausstattung sowie Hall- und Schallschutz, Blendschutz und Luftaustausch in klimatisierten Räumen
- die durchgehende Barrierefreiheit und ein nachhaltiger Betrieb des Gebäudes durch geringen Wartungsaufwand bzw. den Einsatz langlebiger Materialien
Das Umweltzeichen HafenCity hat sich als großer Erfolg erwiesen: Innerhalb von vier Jahren wurden 305.000 qm BGF nach dem strengen Gold-Standard vorzertifiziert oder sind für die Zertifizierung vorgesehen, dazu gehören die Katharinenschule, das Unilever-Haus, das Verlagshaus der Spiegel-Gruppe, die HafenCity Universität, das Commercial Center, die NIDUS-Baugemeinschaft sowie ein Ensemble im Elbtorquartier, das u. a. die Zentrale von Greenpeace Deutschland sowie das Designzentrum designxport beziehen. Immer häufiger ist die Einhaltung der strengen Gold-Standards bereits Teil der Flächenausschreibungen. Ziel für die östliche HafenCity ist es, mehr als 50 Prozent der Gebäude nach den Vorgaben des Umweltzeichens in Gold zu entwickeln. In Zukunft wird die Realisierung von Wohngebäuden nur noch nach dem Gold-Standard möglich sein.
Mit Forschung in die Zukunft
Die HafenCity ist Standort mehrerer Forschungs- und Zukunftsprojekte: So wird auf dem Großen Grasbrook getes-tet, wie Raumluft durch den Einsatz von Geothermie entfeuchtet werden kann. Am Heizwerk der westlichen HafenCity kam eine Brennstoffzelle im Pilotbetrieb zum Einsatz. An der Oberbaumbrücke entsteht die europaweit größte Wasserstoff-Tankstelle. Mit ihrer Eröffnung im Herbst wird hier künftig die Wasserstoffbus-Flotte der Hamburger Hochbahn AG betankt.
Osaka 9 – der Nachhaltigkeitspavillon
Einen Überblick über das Nachhaltigkeitskonzept der HafenCity bietet der neue NachhaltigkeitsPavillon an der Uferpromenade des Magdeburger Hafens. Im Hamburger „European Green Capital“-Jahr 2011 – und darüber hinaus – gibt es hier auf 120 qm Ausstellungsfläche ausführliche Informationen über die nachhaltige Entwicklung der HafenCity.







