Quartier Baakenhafen

Wohnen, Freizeit und Arbeiten in doppelter Wasserlage: Am größten Hafenbecken der HafenCity entsteht eine dichte Mischung aus intensiver Wohn- und Freizeitnutzung, grünen Freiräumen und Arbeitsplätzen

Das Foto zeigt einen Lastkran am Baakenhafen. Im Hintergrund sieht man die Baustellen der westlichen HafenCity.

Aus ehemaligem Hafenareal wird ein urbaner Lebensraum: das Quartier Baakenhafen (© ELBE&FLUT) Bilderserie starten

In den kommenden Jahren entsteht  auf beiden Seiten des längsten Hafenbeckens der HafenCity ein urbaner und lebenswerter Ort am Wasser: Wohnen mit unterschiedlichsten Konzepten für Menschen aller Generationen und Einkommens-klassen, Freizeitnutzungen in grünen Freiräumen mit vielfältigen Erholungs- und Sportangeboten sowie Arbeiten in kleinen und mittelgroßen Strukturen – das alles bei guter Nahversorgung in einem außergewöhnlich nachhaltigen Umfeld. Baulich wird das Quartier mit seinem hohen Wohnungsanteil dem Dalmannkai ähneln, und dabei dennoch einen ganz eigenen Charakter he-rausbilden. Topografisches Zentrum wird der Baakenpark, eine 1,6 ha -große, künstlich angelegte Halbinsel im Wasser, die weitreichende Funktionen erfüllt: einerseits als Grünfläche und Erholungsgebiet, andererseits als Verbindung zwischen dem nördlichen und südlichen Teil des Quartiers. Voraussichtlich bis 2021 wird das gesamte Quartier bis auf Einzelvorhaben im Nordosten fertiggestellt sein. 

GROSSE HÖFE ZUM WASSER

Den städtebaulichen Wettbewerb für das Quartier entschied im August 2011 das Büro APB Architekten (Hamburg) für sich. Der Entwurf überzeugt insbesondere mit der moderaten Höhenstaffelung der geplanten Gebäude. Durchweg sind vier bis sieben Geschosse, halboffene Blockstrukturen sowie einige kleinere, offene Varianten vorgesehen. Das südliche Teil-areal erhält zur Elbseite hin eine Bebauungsstruktur mit großzügigen Höfen, die sich zur Elbe hin öffnen und dennoch eine prägnante Stadtkante ausbilden.

Die rhythmisierte Blockbebauung der nördlich, zwischen Hafen und Versmannstraße, gelegenen Grundstücke mit ihren unterschiedlich genutzten Gebäuden gewährleistet einen deutlichen Schutz vor den Lärmemissionen der Versmannstraße und der Bahntrasse: Zur Straße einen Riegel bildend, öffnen sich die Gebäude rückwärtig hin zum Baakenhafen. Dank dieser städtebaulichen Konzeption werden die zum Wasser ausgerichteten Höfe vom Lärm abgeschirmt. Zudem erhalten die an der Straße gelegenen Wohnungen als durchgestochene Wohnungen eine lärmgeschützte Seite im Süden. Kleine, nur nach Norden ausgerichtete Wohnungen sind nicht möglich.

ERSTER BAUBEGINN

Einen wichtigen Schritt in der Quartiersentwicklung markierte die Eröffnung der vielfach prämierten Baakenhafenbrücke im August 2013. Die 170 m lange Querung ist weit mehr als eine Quartiersbrücke. Sie sichert die Erschließung der östlichen HafenCity und zeitweise – während des Neubaus der Versmannstraße und der Verlängerung der U4 – die Verkehrsführung von und nach Hamburgs Süden. Das Mittelstück der Brücke ist mittels Tidekraft aushebbar, damit beispielsweise ein großes Museumsschiff weiterhin in den Baakenhafen gelangen kann.

Für die beiden Grundstücke am nordwestlichen „Eingang“ des Quartiers schreiten die Entwicklungen derweil weiter vo-ran.  An der Kreuzung Versmannstraße/Grandeswerderstraße, direkt gegenüber der HafenCity Universität, wurde im Dezember 2014 der Architekturwettbewerb für das Projekt „Campustower“ entschieden (80). Es entstehen ein 15-geschossiger Büroturm mit Riegel sowie ein südlicher, ruhig am Wasser gelegener Baukörper, in dem ein Drittel geförderte Mietwohnungen und Eigentumswohnungen entstehen. Nach Entwürfen von Delugan Meissl Associated Architects (Wien) und sop architekten (Düsseldorf) entwickelt die GARBE Immobilien-Projekte GmbH rd. 22.000 m2 Geschossfläche.

Gleich nebenan rollen 2015 die ersten Baumaschinen. DS-Bauconcept baut hier ein Familienhotel für die Jufa-Gruppe mit 220 Zimmern und gezielten Angeboten für Kinder und Jugendliche sowie rund 150 öffentlich geförderte und frei finanzierte Wohnungen zwischen Versmannstraße und Hafenbecken (81a/b). Die Planungen stammen von KBNK Architekten und PFP Architekten (beide Hamburg). Das anschließende Grundstück 83a kann für eine besondere Sportnutzung im Sommer 2015 anhandgegeben werden.

URBANES DORF

Auf der südlich gelegenen Halbinsel stehen seit Ende 2014 die ersten elf Anhandnehmer für insgesamt acht Grundstücke fest (siehe Grafik S. 41), darunter vier der sechs Wasserhäuser. Konzeptionell erhält das Quartier rund um den Lola-Rogge-Platz einen eigenen „urbanen Dorfkern“, einen attraktiven Markplatz mit allen wichtigen Funktionen für die östliche HafenCity. Neben einem Frischemarkt entstehen in den Lauflagen kleinere Läden, eine Drogerie und weitere Dienstleistungen, darunter Ärzte und eine Apotheke. Östlich anschließend, zwischen Baakenallee und Baakenpark, werden zudem eine Grundschule und eine Kita mit 200 Plätzen gebaut.

Mit 75 Prozent ist der Flächenanteil der Wohnungen im Quartier etwa so hoch wie am Dalmannkai, doch bereits in den ersten Gebäuden des südlichen Quartierteils zeichnet sich eine erheblich größere Vielfalt und stärkere Durchmischung ab: 44 Prozent der Wohnflächen entstehen im Segment des geförderten Wohnungsbaus (1. und 2. Förderweg). Rund um den Lola-Rogge-Platz übernimmt ein Wohnungsbauunternehmen überdies die konzeptionell vielfältige Bebauung mit Mietangeboten unter anderem für Menschen mit Behinderung, für Pflegebedürftige und für Studierende.

Während das Kerngebiet des Areals nun architektonisch bestimmt wird, soll bis zum Sommer 2015 die nächste Angebotseinheit des Quartiers Baakenhafen ausgeschrieben werden.

GRÜNE INSEL IM HAFENBECKEN

Im April 2012 entschied das Atelier Loidl (Berlin) den international ausgelobten Freiraumwettbewerb für sich. Der Siegerentwurf verbindet die abwechslungsreich geplanten Freizeitnutzungen geschickt mit der besonderen Hafen-atmosphäre des Baakenhafenquartiers. Herzstück ist die 1,6 ha große Halbinsel Baakenpark, die ab 2017 mit Spielplatz, Spiel- und Gemeinschaftshaus, Bäumen und Wiesen zur aktiven Freizeitgestaltung und zum Erholen einlädt. Im September 2014 wurde mit dem Bau begonnen. Eine Fußgängerbrücke nach Norden nach dem Siegerentwurf der Hamburger Architekten von Gerkan, Marg und Partner (gmp) sowie Knippers Helbig Advanced Engineering aus Stuttgart schafft zukünftig eine weitere räumliche Integration zwischen den beiden Landlagen.

An der Elbe entsteht darüber hinaus nach Nutzungsaufnahme der Versmannstraße ab 2018 schrittweise eine 30 m breite Elbpromenade, die entlang des Stroms bis nach Entenwerder führt und den Elberadweg integriert.

Häuser im Wasser

Wegweisend für den anspruchsvollen Gesamtcharakter des Quartiers ist die Architektur der im Hafenbecken entstehenden nachhaltigen Wohntürme „Wasserhäuser HafenCity“. Die Jury des Wettbewerbs, bestehend u. a. aus politischen Vertretern und Bewohnern der HafenCity, vergab im Juli 2012 insgesamt drei Preise. Während der 1. Preis an Shigeru Ban Architects Europe (Paris) ging, erhielt das Studio Gang Architects (Chicago) den 2. Preis. Szyszkowitz-Kowalski + Partner (Graz) wurde mit dem 3. Preis ausgezeichnet. Vier Wasserhäuser werden im zentralen Baakenhafenbecken nach den Shigeru-Ban-Entwürfen entstehen und wurden bereits anhandgegeben. An der Baakenhafenbrücke ist hingegen der Entwurf von Szyszkowitz-Kowalski + Partner für zwei Gebäude vorgesehen. Ein Wasserhaus soll schließlich nach dem Entwurf von Studio Gang an der Nordseite des Beckens im Osten des Quartiers am Übergang zum Elbbrückenquartier gebaut werden.


VERKEHRLICH PERFEKT ANGEBUNDEN

Verkehrlich wird das Quartier Baakenhafen hervorragend erschlossen sein. Bereits 2011 wurde mit dem Bau der Erschließungsstraßen und mit der Sanierung der historischen Kaimauern begonnen. Bis 2017 wird die zentrale Versmannstraße auf das flutgeschützte Niveau von mehr als 8 m ü. NN. aufgehöht und für zukünftige Verkehrsanforderungen ausgelegt. Zeitgleich zum Straßenbau erfolgt derzeit die Verlängerung der U4 von der Haltestelle HafenCity Universität bis zur Haltestelle Elbbrücken. Geplant ist die Fertigstellung der Strecke bis Ende 2018. Dann soll die U4 auch die östlichen Quartiere der HafenCity an das Hamburger U-Bahnnetz anbinden und einen Übergang zur S-Bahn bieten. Die Strecke zwischen den Haltestellen HafenCity Universität und Elbbrücken ist etwa 1,3 Kilometer lang, die Fahrzeit dauert rund zwei Minuten. Bis zur Baakenwerder Straße befindet sich die Bahn unterhalb der dann hochgelegten Versmannstraße und taucht in Richtung der Elbbrücken bis auf Brückenhöhe auf.

NACHHALTIGE MOBILITÄT

Eine zukunftsweisende Verkehrsinfrastruktur soll den hoch verdichteten urbanen Raum der östlichen HafenCity prägen. Daher entsteht in den Quartieren Baakenhafen und Elbbrücken nicht nur ein attraktives ÖPNV-Angebot aus U-Bahn und Bussen, die Areale werden überdies zu einem flächendeckenden Labor für emissionsarme Mobilität. Hierfür erfüllen die Bauherren ein umfassendes Bündel nachhaltiger Kriterien: Sie verpflichten sich unter anderem, in allen Tiefgaragen 30 Prozent der Stellplätze mit Ladeinfrastrukturen für Elektromobile auszustatten und sich an der Entwicklung von Carsharing-Systemen mit hohem Elektrofahrzeuganteil zu beteiligen. Dabei sollen auch E-Bikes, Pedelecs und andere elektrische Kleinstfahrzeuge integriert werden. Während die Stadt Hamburg den bisher geltenden Stellplatzschlüssel von 0,6 Plätzen pro Wohneinheit abgeschafft hat, wird den Bauherren im Baakenhafen von vornherein eine neue Herangehensweise vorgegeben: Es wird nicht nach der Mindestanzahl von Stellplätzen gefragt, sondern nach möglichen Formen einer sehr flexiblen und bedarfsgerechten Mobilitätsversorgung, basierend auf einer reduzierten Zahl an Stellplätzen (0,4 pro Wohnung), um u. a. die Kosten des Wohnungsbaus zu reduzieren.

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