Kreativ- und Kulturquartier Oberhafen

Südlich des Oberhafens entsteht in zentraler Lage ein dynamisches Kreativ- und Kulturquartier mit neuen Potenzialen für die Stadt Hamburg

Das Foto zeigt ein Graffito an einer Wand

Im Quartier Oberhafen entsteht ein dauerhaftes Kreativquartier in zentraler Lage Hamburgs (© ELBE&FLUT) Bilderserie starten

Die Atmosphäre am Oberhafen wirkt auf ganz andere Weise inspirierend. Obwohl das Quartier bis vor Kurzem überwiegend aus gewidmeter Bahnfläche bestand und die Lagerhallen größtenteils Logistikzwecken dienten, gibt es hier schon seit über zehn Jahren auch  abwechslungsreiche Kreativnutzungen. Immer wieder finden zudem kulturelle Veranstaltungen in unterschiedlichen Formaten statt. Beste Voraussetzungen also für einen lebendigen Kunst- und Kulturstandort mit Impulswirkung, bestens vernetzt mit der übrigen HafenCity, aber auch mit Rothenburgsort, der City Süd und dort neu entwickelten Kulturaktivitäten sowie der Museumsmeile.

Hierfür wird der „normale“ Entwicklungsprozess der HafenCity „auf den Kopf“ gestellt: Statt einer städtebaulichen Neukonzeption ist die neue und intensivierte Nutzung der Bestandsgebäude Ausgangspunkt einer Neupositionierung mit Mitverantwortung, die schrittweise durch einen Transformationsprozess erfolgt. Dabei wird an die überwiegend eingeschossigen Güterhallen angeknüpft, die Grundstücke nicht verkauft. Diese bleiben dauerhaftes Eigentum des Sondervermögens Stadt und Hafen (HafenCity Hamburg GmbH), auch, um die Entwicklung im Interesse Hamburgs gestalten zu können.

Dialogorientierte Entwicklung

Die möglichen Entwicklungsoptionen für das Quartier werden im Laufe eines intensiven Dialogprozesses erarbeitet. Ein langer zeitlicher Entwicklungsrahmen von bis zu einem Jahrzehnt bildet dafür die Grundlage. Während der gesamten Entwicklungsphase kooperiert die HafenCity Hamburg GmbH eng mit der Hamburg Kreativ Gesellschaft mbH und es findet ein reger Ideenaustausch mit Kreativunternehmen, Kulturschaffenden und unterschiedlichen anderen Beteiligten statt. Seit den ersten Impulsen eines internationalen Auftaktsymposiums im Frühjahr 2011 sind bis heute viele weitere Veranstaltungen und Diskussionen gefolgt, in deren Rahmen sich auch der Oberhafen e. V. für die behutsame und nachhaltige Entwicklung des Quartiers zu einem lebendigen Kunst-, Kultur- und Kreativstandort einsetzt.

Chancen für Kultur und Kreativwirtschaft

Lang gestreckte Lagergebäude und mehrstöckige Kopfbauten prägen bis heute das Erscheinungsbild. Durch die Umnutzung der bislang überwiegend durch Logistiker genutzten Bauten erhalten diese einen stark öffentlichen Charakter. Allerdings sind dafür neue Nutzungsgenehmigungen und erhebliche Modernisierungen ebenso erforderlich wie ein objektbezogener Hochwasserschutz. Generell können privatwirtschaftliche oder genossenschaftliche Bauvorhaben die bestehenden Altbauten mittelfristig nur ergänzen, sofern sie kulturellen und kreativwirtschaftlichen Zwecken dienen und wie die Altbauten relativ preisgünstig weitervermietet werden.

Durch die Mischung von Neu und Alt könnten langfristig bis zu 500 Arbeitsplätze in verschiedenen Kultur- und Kreativwirtschaftsbranchen geschaffen werden. Darauf aufbauend soll ein dauerhaftes kreatives Milieu entstehen, das später auch das östlich gelegene Großmarktareal mit einbezieht. Gleichzeitig stärken kleine gastronomische sowie Ausstellungs- und Präsentationsflächen die öffentliche Funktion des Quartiers und befördern dessen Integration in die weitere HafenCity. Wegen der komplexen Ausgangsbedingungen wurde erstmals Anfang 2012 mit einem Interessenbekundungsverfahren ein Nutzungskonzept für eine frei gewordene Fläche gesucht. Aus den 15 eingereichten Konzeptvorschlägen wählte eine interdisziplinäre Jury die „Hanseatische Materialverwaltung“ aus. Das erfolgreiche Konzept stattet Hamburger Kultureinrichtungen, öffentliche Schulen, Universitäten, Vereine, aber auch engagierte Bürger mit Requisiten und Kulissen für soziale, ökologische oder kreative Projekte aus.

Im Herbst 2013 wurden zusätzliche 6.000 m2 Fläche für unterschiedliche Kreativnutzer ausgelobt. Nachdem eine unabhängige Jury eine Auswahl an Konzepten für eine Realisierung empfohlen hat, läuft derzeit ein Dialogverfahren mit den ausgewählten Interessenten. Die Nutzungsaufnahme der Konzepte ist für das Jahr 2015 vorgesehen. Weiterhin werden derzeit mehr als 1.000 m2 für eine Nutzung durch die HafenCity Universität vorbereitet. Die HCU richtet hier studentische Studios und Ateliers sowie Experimentier-, Kreativ- und Begegnungsflächen ein. Darüber hinaus sind seit August 2014 die Akteure des Hamburger Gängeviertel e. V. temporär für eineinhalb Jahre mit offenen Programmen und Projekten präsent.

Sportplatz direkt am Wasser

Neben der schwerpunktmäßigen kulturellen und kreativen Nutzung bietet das Quartier dort, wo es nicht bebaut ist, zudem Möglichkeiten für Sport- und Freizeitaktivitäten. Direkt am Ufer des Oberhafens auf ehemaligen Gleisflächen werden daher auf mittlere Sicht öffentliche Sportanlagen für verschiedene Sportarten angelegt, unter anderem ein Fußballplatz. Die Anlagen sollen insbesondere Kindern und Jugendlichen aus der Innenstadt und der HafenCity zur Verfügung stehen und können auch von Vereinen genutzt werden. Dem Gymnasium und den beiden Grundschulen der HafenCity steht das Areal zudem für den Schulsport zur Verfügung.

Energiezentrale Oberhafen

Auch bei der Energieversorgung der östlichen HafenCity spielt das Areal eine große Rolle. Von außen lediglich durch einen Schornstein erkennbar, wird in einem Teilbereich der Güterhalle 4 die Wärmeenergie für die gesamte östliche HafenCity durch das Unternehmen Enercity erzeugt. Hinter der Backsteinfassade produziert eine Kraft-Wärme-Kopplungsanlage eine Gesamtwärmeleistung von 10 Megawatt. Auf kleinstem Raum befindet sich modernste Technik: u. a. ein Blockheizkraftwerk, zwei mit Erdgas (bilanzielles Biomethan) betriebene Heizkessel, eine Wärmespeicheranlage sowie eine Umspannstation für die Stromeinspeisung in das örtliche Stromnetz.