Konzepte

Stadt des 21. Jahrhunderts

Die HafenCity setzt zukunftsweisende Standards durch nachhaltige Stadtentwicklung. Das ehemalige Hafen- und Industriegebiet wird intensiv genutzt und die Hamburger City so um 40 Prozent erweitert

Das Foto zeigt ein Gebäude der HafenCity in der Abenddämmerung

Die HafenCity setzt zukunftsweisende Standards durch nachhaltige Stadtentwicklung. Das ehemalige Hafen- und Industriegebiet wird intensiv genutzt und die Hamburger City so um 40 Prozent erweitert (© ELBE&FLUT) Bilderserie starten

Schon vom Grundsatz her entspricht die Entwicklung der HafenCity einem wichtigen Nachhaltigkeitskriterium, da sie das Hamburger Stadtgebiet nicht auf landwirtschaftlichen Flächen in der Peripherie erweitert, sondern stattdessen ehemaliges innerstädtisches Hafengebiet wiederverwertet. Neben einem Flächenrecycling findet somit eine erfolgreiche Innenverdichtung statt. Darüber hinaus umfasst die nachhaltige Entwicklung zahlreiche weitere primär ökologische, aber auch ökonomische und soziale Einzelaspekte. Nachhaltigkeit wird auf vielen Ebenen initiiert, beispielsweise für Gebäude, Wärmeenergieversorgung und Mobilität. Die HafenCity wird dadurch mittel- und langfristig einen bedeutenden Anteil an der Erfüllung der Hamburger Klimaschutzziele haben, die eine Reduktion des CO2-Austoßes um 40 Prozent bis zum Jahr 2020 gegenüber 1990 vorsieht. Konkret sollen hier, z. B. durch eine innovative Energie- und Wärmeversorgung, sogar 50 Prozent der Emissionen eingespart werden.

Effiziente Bodennutzung

Die HafenCity entsteht auf 157 ha ehemaligem Hafen- und Industriegelände in zentraler Lage. An kontaminierten Lagen wie dem Standort des alten Gaswerks (heute südliches Überseequartier) wurde der ökologische Wert dieses einstigen Industriegebiets durch die Bodensanierung gesteigert und die Versiegelung des Bodens erheblich reduziert. Boden wird zudem effizient genutzt: Die Bebauungsdichte ist je nach Quartier mit 3,7–5,6 GFZ hoch, sie entspricht damit etwa der Dichte gewachsener europäischer Stadtzentren. Hoch ist entsprechend auch die Nutzungsdichte – in der HafenCity werden durchschnittlich 94 Bewohner und 355 Beschäftigte pro Hektar (Landfläche) leben und arbeiten.

Neue Maßstäbe setzt die Verteilung der Flächen. Auf nur 24 Prozent der Landflächen erstrecken sich die Flächen für Straßen (zum Vergleich Hamburger City: rund 40 Prozent, inklusive Straßennebenflächen). Für öffentlich zugängliche Freiflächen stehen 38 Prozent der Landflächen zur Verfügung, einschließlich der 3,1 km langen „Riverfront“ entlang der Elbe. Damit schafft die HafenCity eine hohe Nutzungsdichte bei hohem Anteil öffentlicher Räume und geringem Anteil notwendiger Erschließung.

Stadt der kurzen, attraktiven Wege

Die HafenCity zeichnet sich durch eine feinkörnige horizontale und vertikale Mischung der verschiedenen Stadtnutzungen aus – Wohnen, Arbeiten, Kultur, Freizeit und Handel liegen dicht beieinander und verkürzen so die Wege. Das dichte Wegenetz bezieht auch private Flächen ein. Klimaschonend wirkt sich die offene Bauweise in der Nähe zu großen Wasserflächen aus. Die daraus resultierende Reduktion des sogenannten Hitzeinseleffektes der Stadt im Sommer mindert den Bedarf an Klimatisierung – der Wohn- und Arbeitskomfort hingegen steigt.

Die Lage am Wasser und damit die Nähe zum bestehenden Hafen auf der südlichen Elbseite, aber auch Verkehrslärm in der östlichen HafenCity machen besonders hohe Schutzanforderungen für Gebäude und Infrastruktur erforderlich. Die Anordnung der Gebäude, die Orientierung der Aufenthaltsräume und spezielle Fensterlaibungen tragen zur Reduktion von Lärmwirkungen bei. Die Hafenplanungsverordnung deckelt zudem Emissionen aus dem Hafen, der südlich der Elbe weiterhin in Betrieb ist, auf das vorhandene Niveau.

Ein wichtiger Aspekt der Nachhaltigkeit ist die Erfüllung langfristiger Anforderungen an den Hochwasserschutz. Dieser wird durch die auf 8–9 m ü. NN aufgeschütteten Straßen gewährleistet. Parkende Autos finden in den hochwassergeschützten Tiefgaragen der Gebäudesockel Platz. Oberirdische Stellplätze in Gebäuden sind nicht zulässig. Der ruhende Verkehr verbraucht daher wenig öffentlichen Raum.

Um langen Parksuchverkehr und „wildes“ Parken zu verhindern, wurde die HafenCity Ende 2012 an das zentral gesteuerte Parkleitsystem der Stadt Hamburg angeschlossen. Gleichzeitig wird schrittweise eine flächendeckende Parkraumbewirtschaftung eingeführt.

Nachhaltige Mobilität

Die HafenCity ist auch ohne Pkw sehr gut erreichbar. Die neue, Ende 2012 in Betrieb genommene U-Bahn-Linie U4 ist hierbei ein zentraler Baustein. Spätestens mit der Eröffnung der dritten Haltestelle an den Elbbrücken und der baulich weitgehenden Fertigstellung der HafenCity sollen täglich rund 35.000 Menschen die U4 nutzen. Weiterhin gibt es ein dichtes Netz an Busstationen, und es wurde ein erster Fähranleger nahe der Elbphilharmonie in Betrieb genommen (zwei weitere an der HafenCity Universität und den Elbbrücken sollen folgen). Aus der bestehenden Innenstadt gelangen Fahrradfahrer und Fußgänger zudem binnen weniger Minuten über ein attraktives und dichtes Wegenetz und zahlreiche Brücken in den neuen Stadtteil und umgekehrt. Zu 70 Prozent verlaufen die Fuß- und Fahrradwege in der HafenCity abseits des Autoverkehrs auf Promenaden, Stegen und Plätzen, zu rund 30 Prozent direkt am Wasser. Fahrradleihstationen ermöglichen die emmissionsfreie Rundfahrt.

Zukünftig soll der Anteil des motorisierten Individualverkehrs sogar auf etwa 20 bis 25 Prozent reduziert werden (Hamburger Durchschnitt: 47 Prozent). Dazu werden in der zentralen und östlichen HafenCity integrierte flexible Mobilitätsstrukturen aufgebaut. Mit der neuen U-Bahn-Linie U4 entsteht somit ein nachhaltiges System aus wasserstoffbasierten Bussen, Fahrradstationen, Car-Pools und Elektromobilität bei gleichzeitig drastisch reduzierten Stellplatzflächen.

Die HafenCity ist darüber hinaus in die Modellregion Elektromobilität Hamburg miteinbezogen. Nach der ersten Ladestation an der Osakaallee und weiteren, die in private Gebäude integriert werden, wurde im Dezember 2012 am Heizwerk HafenCity die erste Schnell-Ladesäule (DC) Hamburgs in Betrieb genommen. Für Elektrofahrzeuge verkürzt sich damit die Ladedauer einer halben Akkuladung von vier auf eine halbe Stunde. Öffentliche Busse und Pkw tanken seit Februar 2012 zudem klimafreundlich an einer großen Wasserstofftankstelle.

Modellquartier Baakenhafen

In der östlichen HafenCity gehen die Nachhaltigkeitsbestrebungen den nächsten Schritt. Hier entsteht ein Modell-areal für nachhaltige Mobilität, in dem die Umsetzung nachhaltiger Mobilitätskriterien für alle Bauherren obligatorisch ist und für die schon in der Anhandgabephase Konzepte und Organisationsformen entwickelt werden müssen. Die Kriterien sehen unter anderem einen unterdurchschnittlichen Stellplatzschlüssel (bei gleichzeitig geringer Zahl an Stellplätzen im öffentlichen Raum) vor, die Ausstattung von 30 Prozent der Stellplätze mit Ladeinfrastrukturen für Elektromobile sowie die Integration in ein quartiersumgreifendes Carsharing-Konzept – mit einem hohen Flottenanteil von Elektrofahrzeugen. Deren Strombedarf soll durch regenerative, zentral (im Gebäude) und dezentral (vom Energieversorgungsunternehmen) erzeugte Energien gedeckt werden. Durch die Verbindung von Gebäude- und Fahrzeugtechnik entsteht so eine neue Schnittstelle, die auch bei zukünftigem technologischen Fortschritt genutzt werden soll. Smart-Grid-Lösungen, die eine Nutzung der Fahrzeuge als Energiespeicher vorsehen („Vehicle-to-Grid“) und so den Energiekreislauf innerhalb eines Gebäudes optimieren, können gemäß dem zukünftigen Stand der Technik Beachtung finden.

Auch dem Fahrradverkehr kommt eine besondere Rolle zu. Komfortable Zu- und Abgänge der Tiefgaragen sind genauso vorgesehen wie eine sinnvolle Integration von E-Bikes, Pedelecs und anderen elektrischen Kleinstfahrzeugen. Gemeinsam mit dem hervorragend integrierten ÖPNV (U-Bahn-Linie U4 und Buslinie 111) sowie der hohen Qualität der Fahrrad- und Fußwegeverbindungen wird der Bedarf an motorisiertem Individualverkehr damit zukünftig deutlich reduziert.

Emissionsarme Wärmeenergie

In der westlichen HafenCity sind sämtliche Gebäude an ein durch Kraft-Wärme-Kopplung betriebenes Fernwärmenetz angeschlossen. Dezentrale Wärmeerzeugung, kombiniert mit Brennstoffzellentechnik, Solarthermie und geothermischen Anlagen, ermöglicht einen effizienten Energiemix mit einer CO2-Emission von 175 g/kWh (zum Vergleich: Die herkömmliche gebäudebezogene Wärmeversorgung produziert durchschnittlich eine CO2-Emission von 240 g/kWh). Nach einem europaweiten Ausschreibungsverfahren wurde 2003 der Auftrag für die Wärmeversorgung der westlichen HafenCity an den Energieversorger Vattenfall vergeben.

In der östlichen HafenCity wird die CO2-Emission mit 89 g/kWh noch einmal deutlich unterschritten. Im Herbst 2009 erhielt Dalkia (heute: enercity) nach einem europaweiten Wettbewerb den Zuschlag für die dortige Wärmeversorgung. Das Konzept sieht ein dezentrales nachhaltiges Nahwärmeversorgungsnetz für die gesamte östliche HafenCity vor.

Durch den hohen Anteil an erneuerbaren Energien und den Einsatz von Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen (BHKW) wird ein äußerst niedriger Primärenergiefaktor von 0,21 erzielt. Aufgrund seiner dezentralen Struktur kann das Versorgungssystem gemeinsam mit dem Stadtteil wachsen. Diese modulare Konzeption galt als wichtiges Vergabekriterium: Da die HafenCity voraussichtlich erst 2025 fertiggestellt wird, kann ihr künftiger Energiebedarf noch nicht exakt bestimmt werden.

Ressourcensparende Gebäude

2007 wurde von der HafenCity Hamburg GmbH das erste Zertifizierungssystem für nachhaltiges Bauen in Deutschland vorgestellt. Die HafenCity Hamburg GmbH vergibt ein Umweltzeichen in Gold für außergewöhnliche und in Silber für besondere Leistungen bei der Realisierung nachhaltiger Hochbauten. Die Auszeichnung soll Bauherren zum verantwortungsvollen Umgang mit Ressourcen motivieren. Bewertet werden die ökologische, die ökonomische und die soziale Nachhaltigkeit eines Bauvorhabens. Anfangs galt das Umweltzeichen für Wohn-, Büro- und Sonderbauten. Da in der zentralen und östlichen HafenCity vermehrt Gebäude mit Einzelhandels- oder Hotelnutzung sowie gemischt genutzte Gebäude entstehen, können seit 2010 auch diese Gebäudetypen zertifiziert werden.