Wohnen
Nachbarschaftliches Wohnen am Wasser
Mehr als nur ein Wohnort: Viele Menschen mit unterschiedlichen Lebensumständen und -entwürfen sind bereits in die HafenCity gezogen; und trotz – oder gerade wegen – ihrer verschiedenen Hintergründe haben sie zahlreiche Verbindungen untereinander geknüpft. Drei Bewohner erzählen von ihren Erfahrungen im und mit dem Stadtteil
Begegnungen an der Boule-Bahn: Für Ute und Gernot Plön nicht nur sportliches Vergnügen sondern auch Ort nachbarschaftlicher Zusammenkünfte (© Bina Engel) Bilderserie starten
Von der Vielfältigkeit ihrer Nachbarschaft sind die Plöns immer noch begeistert: In einer der Wohnungen in unserer unmittelbaren Nachbarschaft lebt eine Familie mit einem wenige Wochen alten Säugling, in eine andere ist ein 80-jähriger Herr eingezogen. "Abwechslungsreich, bunt und überraschend – so erlebt das Paar den Stadtteil nicht nur wegen seiner Ästhetik, sondern auch wegen seiner sozialen und demografischen Mischung. Seit Dezember 2007 wohnen Gernot und Ute Plön in der HafenCity, zuvor hatten sie in der Nordheide gelebt. Jetzt sind sie sicher, genau den richtigen Wohnort für ihren Ruhestand gefunden zu haben: "Wir genießen es, in unserem Umfeld auf interessante Menschen jeden Alters zu treffen."
Am Kaiserkai bewohnen die Plöns eine Dreizimmer-Wohnung mit Loggia und Ausblicken auf die Elbe, auf vorbeifahrende Kreuzfahrtschiffe, auf promenierende Touristen und mit Fernblick auf die Köhlbrandbrücke. "Viele Nachbarn sind hier ganz besonders aufgeschlossen", erzählen sie. "Mit den meisten kommen wir sehr schnell ins Gespräch." Seit 2008 spielen die Plöns regelmäßig Boule auf der Boule-Bahn bei den Marco-Polo-Terrassen: "Dabei sind schon zahlreiche neue Kontakte entstanden", erklärt das Paar unisono, "inzwischen trifft man sich sogar außerhalb der Sportstunde."
Auch Tanja Haase und ihr Lebensgefährte Michael Heine fühlen sich an ihrem neuen Wohnort ausgesprochen wohl: "Wir haben noch nie so vernetzt mit der unmittelbaren Nachbarschaft gelebt", sagt das aus Winterhude zugezogene Paar. Am Kaiserkai leben die beiden seit 2007 in einer Maisonettewohnung mit Elbblick und Gartenanteil. Einen Teil der Wohnung nutzt der selbstständige IT-Berater Heine als Büro.
"Am Einzugstag", so erinnern sie sich heute, "fuhr abends der Ozeanriese Queen Victoria an unserer Terrasse vorbei, es gab ein großes Feuerwerk." Auch nach diesem ersten Höhepunkt entdeckte das Paar kontinuierlich weitere Qualitäten des Stadtteils: "Die Nähe zur Innenstadt, die Nachbarn. Immer wieder die großen Schiffe. Und bei Sonnenschein auf der Terrasse sitzen, dort mit Elbblick frühstücken – das ist wie Urlaub!"
Vor allem aber schätzen beide, dass "unter uns Bewohnern ein ganz besonderer Zusammenhalt entstanden ist." Tanja Haase, die als Projektleiterin bei einem internationalen Baudienstleister arbeitet, hat sogar schon Stadtteil-Führungen für Nachbarn und andere Interessierte organisiert. "In den Medien wird so viel Unsinn über uns HafenCity-Bewohner geschrieben", erklärt sie ihr Engagement. "Ich wollte zeigen, dass hier ganz normale Menschen leben."
Die HafenCity sei, so stimmt auch Tobias Gloger zu, kein elitärer und teurer Stadtteil mit auf sich selbst bezogenen Bewohnern, "ihr oft stark pauschalisiertes öffentliches Image ist unzutreffend". Seit 2006 wohnt er am Sandtorkai – und ärgert sich jetzt über Vorurteile, die schon seine Alltagsbeobachtungen regelmäßig widerlegen: "Es gibt hier eine große Zahl engagierter, interessierter und weltoffener Menschen."
Er selbst gehört zu jenen, die sich durch eigenes Engagement auszeichnen. Als Vorsitzender des im Stadtteil entstandenen Vereins Kunstkompanie e.V. hat er gemeinsam mit einigen Nachbarn verschiedene Kunst- und Kulturprojekte initiiert, zum Beispiel Treppenhauskonzerte, eine Opernmatinée und eine Schwimmskulptur.
"Im kulturellen Bereich halte ich die HafenCity für weiter entwicklungsfähig", so Gloger. "Es liegt mir aber nicht, nur zu fordern; ich ergreife gerne die Initiative. Und es bereitet mir Freude, Ergebnisse zu sehen, Wandel zu initiieren oder auch nur zu merken, dass andere sich an den angestoßenen Projekten reiben." Für die Zukunft der HafenCity wünscht sich Gloger vor allem eines: "Dass der Stadtteil nicht nur als städtebauliches Vorzeigeprojekt verstanden, sondern auch für sein basis-kulturelles Angebot jenseits der Prestigeobjekte bekannt wird."







