Wohnen

Nachbarschaftliches Wohnen am Wasser

Mehr als nur ein Wohnort: Viele Menschen mit unterschiedlichen Lebensentwürfen sind in die HafenCity gezogen. Trotz – oder gerade wegen – ihrer verschiedenen Hintergründe haben sie in dem neuen Stadtteil zahlreiche Verbindungen untereinander geknüpft

Nachbarschaftliche Zusammenkünfte in der HafenCity

Nachbarschaftliche Zusammenkünfte in der HafenCity (© Bina Engel) Bilderserie starten

Von der Vielfältigkeit ihrer Nachbarschaft sind die Plöns immer noch begeistert: In einer der Wohnungen in ihrer unmittelbaren Nachbarschaft lebt eine Familie mit kleinen Kindern, in eine andere ist ein 80-jähriger Herr eingezogen. "Abwechslungsreich, bunt und überraschend" – so erlebt das Paar den Stadtteil nicht nur wegen seiner Ästhetik, sondern auch wegen seiner sozialen und demografischen Mischung. Seit Dezember 2007 wohnen Gernot und Ute Plön in der HafenCity, zuvor hatten sie in der Nordheide gelebt. Sie sind sicher, genau den richtigen Wohnort für ihren Ruhestand gefunden zu haben: "Wir genießen es, in unserem Umfeld auf interessante Menschen jeden Alters zu treffen."

Am Kaiserkai bewohnen die Plöns eine Dreizimmer-Wohnung mit Loggia und Ausblick auf die Elbe, auf vorbeifahrende Kreuzfahrtschiffe, auf promenierende Touristen und mit Fernblick auf die Köhlbrandbrücke. "Viele Nachbarn sind hier ganz besonders aufgeschlossen", erzählen sie. Regelmäßig spielt das Paar Boule auf der Boule-Bahn bei den Marco-Polo-Terrassen: "Dabei sind schon zahlreiche neue Kontakte entstanden", erklärt das Paar unisono, "inzwischen trifft man sich auch außerhalb der Sportstunde."

Auch Tanja und Michael Heine fühlen sich in der HafenCity seit knapp sechs Jahren ausgesprochen wohl: "Wir haben noch nie so vernetzt mit der unmittelbaren Nachbarschaft gelebt", sagt das aus Winterhude zugezogene Paar. Am Kaiserkai wohnen die beiden in einer Maisonettewohnung mit Elbblick und Gartenanteil. Einen Teil der Wohnung nutzt der selbstständige IT-Berater Heine als Büro. Und der Zufall bescherte jüngst auch seiner Frau einen besonders kurzen Arbeitsweg: Als Architektin betreut Tanja Heine bei ihrem Arbeitgeber Hochtief die Baustelle neben dem König-der-Löwen-Zelt und kann somit an einigen Tagen in der Woche mit der Fähre zur Arbeit fahren. Im Garten freut sich das Ehepaar über eine Spatzenkolonie und Meisen, in einer Gemeinschaftsaktion mit den Nachbarn hat es eine junge Elster gerettet, die aus dem Nest gefallen war.

"Am Einzugstag", so erinnern sie sich noch immer gern, "fuhr abends der Ozeanriese Queen Victoria an unserer Terrasse vorbei, es gab ein großes Feuerwerk." Auch nach diesem ersten Höhepunkt entdeckte das Ehepaar kontinuierlich weitere Qualitäten des Stadtteils: "Die Nähe zur Innenstadt, bei Sonnenschein auf der Terrasse sitzen, dort mit Elbblick frühstücken – das ist wie Urlaub!" Mittlerweile fährt hier auch eine Erinnerung an ihre Hochzeit vor 1,5 Jahren immer wieder vorbei: Das Kreuzfahrtschiff "Mein Schiff", mit dem das Paar unterwegs war, als es sich auf der Karabikinsel St. Lucia das Ja-Wort gab.

Vor allem aber schätzen beide, dass "unter uns Bewohnern ein ganz besonderer Zusammenhalt entstanden ist." Und das geht auch bei den Heines weit über nachbarschaftliche Gespräche über den Zaun hinaus. So kommen zu ihren Essenseinladungen mittlerweile bis zu 20 Nachbarn und auch die Trauzeugen, die mit ihnen auf dem Kreuzfahrtschiff unterwegs waren, haben sie in der HafenCity kennengelernt. Gemeinsam mit Nachbarn sind sie auch bereits vor der Haustür mit der Queen Mary in See gestochen und nach Dubai gereist. Tanja Heine geht mit befreundeten Nachbarinnen in der Marthastiftung zum Yoga und zum Zumbakurs in der Katharinenschule. "Wenn das Netzwerk erst einmal gestartet ist, ergeben sich immer wieder Kontakte", freut sie sich.

Bei Dorothea Heintze hat das nachbarschaftliche Netzwerken bereits vor dem Einzug in die HafenCity begonnen. Die Journalistin wird mit ihrer Familie künftig in der Baugemeinschaft Dock 71 im Quartier Am Lohsepark wohnen. Das bedeutet für sie viele Sitzungen mit ihren neuen Nachbarn und zugleich auch viel Pionierarbeit für den Stadtteil. Das liegt unter anderem an den besonderen Rahmenbedingungen für das Bauprojekt: Aufgrund der derzeitigen Baubestimmungen verfolgt die Baugemeinschaft ein besonders zukunftsweisendes Mobilitätskonzept, das auf gemeinsam verwaltete Stellplätze, Carsharing und Anwohnertickets für den öffentlichen Nahverkehr baut. "Um dieses Konzept durchzusetzen, war und ist viel Verhandlungsarbeit notwendig", erklärt Dorothea Heintze, die diese neue Aufgabe herausfordernd und spannend zugleich findet.

Das große Engagement in ihrem neuen Stadtteil passt zur Motivation der Journalistin, aus dem Grindelviertel in die HafenCity zu ziehen: "Ich wollte die Chance nutzen, in Hamburg noch einmal etwas Neues zu machen." Sie bewarb sich mit ihrem Mann Andreas Honert bei der Baugemeinschaft Dock 71. Drei Parteien aus dem Freundes- und Bekanntenkreis schlossen sich an. Außerdem ziehen in die Baugemeinschaft Lehrer, Architekten, Gärtner und Freiberufler, Paare mittleren Alters, aber auch Familien mit kleinen Kindern, die sich über die Kitas auf dem Baufeld freuen. Über die Baugemeinschaft hinaus pflegt Heintze den Kontakt zu den Stadtteilbewohnern im Netzwerk HafenCity und in der Genossenschaft Elbfaire, die das Weltcafé Elbfaire im Ökumenischen Forum in der Shanghaiallee betreibt.

Ganz am Anfang, so berichtet Dorothea Heintze, fand sie die HafenCity wie viele Kritiker zu teuer, zu schick und zu kalt. Als Autorin des Reiseführers Marco Polo Hamburg hat sie jedoch immer wieder intensiv im Viertel recherchiert und realisiert: Es gibt viele Vorurteile: "Auf Besucher wirkt die HafenCity oft kühl und abweisend. Ich aber habe Menschen kennengelernt, die hier leben und unheimlich aktiv sind. Das begeistert mich. Ich hab nie in einem Dorf gelebt, aber ein bisschen was hat es glaube ich davon – und liegt trotzdem mitten im Herzen einer urbanen Metropole."

Den neuen Lebensabschnitt in der HafenCity wollte das Paar Heintze/Honert eigentlich noch gemeinsam mit den beiden Söhnen beginnen. Doch der Einzugstermin hat sich immer weiter verschoben. So wie es derzeit aussieht, wird nur noch einer der Söhne mitkommen. Ein Zimmer sollen sie aber sollen beide nach wie vor in der neuen Wohnung bekommen. Dorothea Heintze: "Ich bin überzeugt, dass es auch ihnen hier gefallen wird." Erfolgen wird der Einzug voraussichtlich Mitte 2015. Dann wünscht sich Heintze eine große Party auf der Dachterrasse, die als Treffpunkt für die Bewohner der Baugemeinschaft konzipiert wird. Denn natürlich soll der nachbarschaftliche Zusammenhalt auch nach Fertigstellung des Dock 71 weitergepflegt werden.