Leben

Reiseziel: Urbanität – Tourismus in der HafenCity

Als eine der wichtigsten Attraktionen Hamburgs zieht der neue Stadtteil Touristen aus aller Welt an. Museen, Veranstaltungen, Geschäfte, Erkundungstouren und die Nähe zum Wasser machen die HafenCity zu einem spannenden Ort

Das Foto zeigt die Dalmannkai-Promenade und ein vorbeifahrendes Kreuzfahrtschiff

Wie kaum eine andere Metropole intergriert Hamburg den Kreuzfahrttourismus in die innere Stadt und ermöglicht Kreuzfahrttouristen die Teilnahme an einer besonders urbanen Erfahrung (© Martin Kohler)

Mit bis zu 80.000 Besuchern täglich wird in der fertiggestellten HafenCity gerechnet. Unter ihnen sind viele Menschen aus Hamburg oder der weiteren Metropolregion sowie Touristen aus ganz Deutschland und sogar aus aller Welt. Neben den Bewohnern und den Beschäftigten ansässiger Unternehmen machen Besucher die dritte – und zahlenmäßig sogar die größte – Nutzergruppe der HafenCity aus.

Genau darin besteht auch die Besonderheit ihrer touristischen Nutzung: Mit der HafenCity entsteht keine Touristenattraktion im engeren Sinne, keine künstliche, vom städtischen Zusammenleben separierte Touristenwelt. Stattdessen erfahren Touristen einen besonders großstädtischen Stadtteil in seinem aufregenden Alltag und prägen dessen neue Urbanität selbst mit.

Die HafenCity weist – vielleicht mit Ausnahme des Kreuzfahrtterminals – keinen einzigen ausschließlich touristisch genutzten Ort auf. Viele öffentliche Orte werden von Bewohnern, Beschäftigten und Besuchern gleichermaßen aufgesucht. Sie dienen als Treffpunkte für die verschiedenen Nutzer der HafenCity und führen Menschen zusammen, die sich unter anderen Umständen niemals begegnet wären.

Schon heute ist die entstehende HafenCity von hoher touristischer Anziehungskraft. Als temporäres Phänomen kann der sogenannte Baustellentourismus gelten; viele Menschen begreifen es als einmalige Möglichkeit, die Entwicklung eines vollkommen neuen Stadtteils vor Ort miterleben zu können.

Auch die entstehende Architektur rückt – mit den Fortschritten im Hochbau – zunehmend in den Fokus. Sowohl Laien als auch Fachleute interessieren sich verstärkt für das wachsende städtebauliche Ensemble im Westen der HafenCity; entsprechende Stadt- oder Stadtteilführungen werden inzwischen in großer Zahl angeboten.

Ebenfalls von hohem Interesse ist für zahlreiche Touristen die maritime Identität der HafenCity sowie der gesamten Hansestadt. Oft wird ein Besuch des Stadtteils daher mit einem Ausflug in die Speicherstadt verknüpft. Für den HafenCity-Tourismus stellt das historische Ensemble – wie der Hafen – einen wichtigen Impulsgeber dar.

Inzwischen sind zahlreiche eigene Attraktionen auch innerhalb der HafenCity entstanden. Plätze und Promenaden laden direkt am Wasser zum Flanieren und Verweilen ein, der Traditionsschiffhafen begeistert mit seinen historischen Wasserfahrzeugen, ortsbezogene Konzepte wie das Tee-Erlebnisgastronomie Meßmer Momentum knüpfen an die Geschichte des Orts als Handelsplatz mit weltweiten Verbindungen an, dazu kommen zahlreiche Geschäfte, Restaurants, Cafés, Bistros und Bars.

Die Anzahl der gastronomischen Angebote und Geschäfte hat schnell zugenommen und im gesamten Stadtteil werden weitere großzügige Erdgeschossflächen für solche Nutzungen zur Verfügung gestellt. Neben Projekten mit Ortsbezug lassen sich hier auch innovative Konzepte realisieren, die bisher in Hamburg oder sogar in ganz Deutschland einzigartig sind. Außerdem ziehen internationale Labels mit ihren Flagshipstores oder Filialen sowie zahlreiche Boutiquen in die HafenCity.

Vor allem im zentralen Überseequartier sind Einzelhandel und Gastronomie konzentriert, wobei hier allerdings bewusst auf die Entwicklung einer Shopping Mall verzichtet wurde. Einkaufserlebnisse finden also im großstädtischen Raum und unter freiem Himmel statt. Allein im Überseequartier mit seiner gleichnamigen U-Bahn-Haltestelle und weiteren kulturellen sowie Freizeitangeboten wird mit 40.000 Tagesbesuchern gerechnet. Im Herbst 2010 haben hier die ersten Geschafte eröffnet.

Auch die Fläche öffentlicher Stadträume wächst kontinuierlich weiter. Aus Gründen des Hochwasserschutzes entstehen die Quartiere der HafenCity auf künstlich erhöhten Warftsockeln 8 m Meter über Normalnull. An den Kaikanten verbleiben bis zu 15 m breite Uferstreifen allerdings auf historischem Niveau von 4 bis 5,5 m über Normalnull.

Sie werden als Promenaden und Plätze mit unmittelbaren Wasserbezügen gestaltet, erweitern also die für öffentlichen Stadtraum zur Verfügung stehende Fläche und ermöglichen erst so eine Aufnahme von 80.000 Besuchern pro Tag. Bei manchen Veranstaltungen strömen sogar noch viel mehr Menschen in den Stadtteil: Zu den Cruise Days oder einzelnen Anläufen des Kreuzfahrtriesen Queen Mary 2 kamen jeweils Hunderttausende.

Publikumsmagneten entstehen beziehungsweise entstanden außerdem mit dem Internationalen Maritimen Museum Hamburg im Elbtorquartier, dem Science Center im Überseequartier sowie der Elbphilharmonie auf dem Dalmannkai. Letztere entfaltet schon allein wegen ihrer spektakulären Architektur und ihrer Rolle als neues Hamburger Wahrzeichen eine starke Anziehungskraft. Die drei Leuchtturmprojekte zeigen: auch Kultur ist in der HafenCity von touristischem Interesse. Weitere Museen und zahlreiche kleinere Projekte locken ihre Besucher in den Stadtteil, darunter sind beispielsweise temporäre Konzepte oder Festivals.

Hinzu kommen zahlreiche innovative Institutionen wie die HafenCity Universität, das Designzentrum designxport, die Umweltorganisation Greenpeace Deutschland oder das ökumenische Forum Brücke. Die spannenden Ergebnisse ihrer Arbeit stellen diese Einrichtungen einer interessierten Öffentlichkeit vor; für Ausstellungen, Vorträge sowie weitere Veranstaltungen und Events nutzen sie insbesondere die Erdgeschossflächen ihrer Gebäude.

Der gesamte Stadtteil besteht somit aus einer Vielzahl spannender Möglichkeiten, die allerdings nicht eigens oder ausschließlich für Besucher geschaffen werden. Touristen erleben die HafenCity auf ähnliche Art und Weise wie die Bewohner oder die Beschäftigten des Stadtteils: Tourismus ist hier gleichbedeutend mit der Teilhabe an einer besonderen urbanen Erfahrung.