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Standort HafenCity – Vorteil für kleine und mittlere Firmen

Neben großen Unternehmenszentralen werden vor allem kleinere, oft ebenso kreative wie innovative Firmen die HafenCity prägen. Viele von ihnen haben sich bereits im neuen Stadtteil niedergelassen

Das Foto zeigt den Grasbrookhafen und die Dalmannkai-Promenade

Ein Standort, der sowohl bei Kunden als auch bei Mitarbeitern "gut ankommt": Die HafenCity lockt mit ebenso maritimem wie urbanem Flair (© ELBE&FLUT)

Oft beherrschen vor allem große Unternehmen die Schlagzeilen, wenn sich Medien des neuen Unternehmensstandorts HafenCity annehmen. So hat im Sommer 2009 der Konsumgüterkonzern Unilever seine neue Zentrale für die deutschsprachigen Länder auf dem Strandkai bezogen. 2010 folgte der Germanische Lloyd auf dem Brooktorkai, 2011 zieht die SPIEGEL-Gruppe auf die Ericusspitze; alle drei Unternehmen kamen beziehungsweise kommen mit jeweils deutlich mehr als 1.000 Angestellten in die HafenCity. Entsprechend große Gebäude mit bis zu 30.000 qm Bruttogeschossfläche und mehr lassen sich hier in ebenso attraktiver wie zentraler Lage entwickeln. Außerdem öffnen sich die Unternehmen dem gesamten Stadtteil, beispielsweise mit Passagen, Geschäften und Gastronomie in den Erdgeschossen ihrer Zentralen.

Viele kleine Firmen sind ihnen allerdings schon weit voraus und haben ihre Geschäftstätigkeit im Stadtteil längst aufgenommen. Mehr als 270 Firmen arbeiten in der neuen HafenCity. Eine Erhebung der HafenCity Hamburg GmbH aus dem Herbst 2008 hat gezeigt: Von den 191 Unternehmen im Jahr 2008 beschäftigten 69 % weniger als 50 Mitarbeiter.

Zu den Pionieren gehört die Hahlbrock & Cie Personalberatung KG: Mitte 2005 zogen ihre fünf Mitarbeiter auf den Großen Grasbrook. Einzig SAP und Pantaenius hatten sich hier bereits niedergelassen. Die Magellan-Terrassen wurden gerade angelegt und auf dem Dalmannkai befanden sich nur Freiflächen und Baustellen. "Trotzdem habe ich bei der Standortwahl keinen Moment gezögert", berichtet Uwe Hahlbrock.

Auch später hat er seine Entscheidung nie in Frage gestellt, denn "alles ist genau so geworden, wie ich es erwartet habe", sagt der Firmengründer. "In der Nachbarschaft gibt es jetzt gute gastronomische Angebote, die Infrastruktur hat sich inzwischen ausgezeichnet entwickelt und die Adresse ist schon zu einem echten Image-Faktor geworden", findet Hahlbrock, der jetzt sogar selbst mit seiner Familie am Kaiserkai wohnt.

Seine Firma kann als charakteristisch für den Standort westliche HafenCity gelten: Neben Unternehmen aus der Baubranche (deren hoher Anteil für einen im Bau befindlichen Stadtteil nicht verwundert) haben sich viele moderne Dienstleister angesiedelt. Führend ist dabei die Medien- und Logistikbranche, gefolgt von Handel, Finanzdienstleistern, IT-Dienstleistern und Unternehmensberatungen wie Molthan van Loon Communications Consultants GmbH.

"Es entspricht genau unserer Philosophie, wie sich hier Tradition und Innovation verbinden", sagt Mitinhaber Dietrich Schulze van Loon. 2005 ist seine Firma an den Sandtorkai gezogen. Damals "konnten wir noch bis zu den Elbbrücken blicken, jetzt freue ich mich über den Traditionsschiffhafen direkt unter meinem Büro." Auch er schwärmt von der Energie einer Nachbarschaft, "die sich schon verändert hat, wenn Sie zwei Wochen lang im Urlaub waren". 35 Mitarbeiter beschäftigt Schulze van Loon an diesem "idealen Kommunikationsstandort"; seine Büroflächen sind auf bis zu 50 Angestellte ausgelegt und die Chancen für weiteres Wachstum stehen gut: "Sowohl bei Kunden als auch bei Bewerbern kommt die HafenCity hervorragend an."

Seine Einschätzung bestätigt die Ergebnisse der HafenCity Erhebung: Unter anderem werden die zentrale Lage und die Qualität der HafenCity als Gründe für die Standortwahl benannt. Entscheidend seien auch die Nähe zu Kunden und Geschäftspartnern, das Prestige des Projekts und die Aussicht, mit dem Stadtteil wachsen zu können.

Eines der jüngeren Unternehmen im Stadtteil ist die Funk & TV Akademie – Hamburg GmbH im denkmalgeschützten und modernisierten Gebäude der ehemaligen Harburger Gummi-Kamm-Compagnie. "Wichtig war uns, dass wir hier eine 400 qm große Studiolandschaft aufbauen konnten", sagt Geschäftsführer Andreas Jansen.

Seit Ende 2008 werden die ersten 20 Nachwuchsjournalisten im Studiengang "New TV Journalist" von 35 Profis ausgebildet – die Absolventen arbeiten später für Rundfunk, Fernsehen und Internet. Vom Standort ist Jansen ebenso begeistert wie vom Firmensitz: "Die Medienbranche hat hier eine große Zukunft, wir freuen uns auf die SPIEGEL-Gruppe, das ZDF und viele andere kreative Nutzer in der Nachbarschaft."

Drei Beispiele, die zeigen, dass das grundlegende Konzept der HafenCity aufgeht: Durch differenzierte Gebäudegrößen wurden Büroflächen für unterschiedlichste Unternehmen geschaffen, eine feinkörnige Nutzungsmischung sowie eine breite Branchenstruktur konnten bereits hergestellt werden. Und Chancen für kleinere Unternehmen wird es weiterhin geben: Entsprechende Gebäude sind beispielsweise gerade am Sandtorpark und im Überseequartier entstanden.