Leben

Vorhang auf: Die HafenCity als Bühne für Kultur

Kunst- sowie Kulturschaffende erschließen sich die HafenCity und werden dabei vielfältig unterstützt. An prägnanten Orten der HafenCity entstehen Institutionen mit internationaler Strahlkraft

Das Foto zeigt einen Musiker auf einer Bühne am Magdeburger Hafen

Die vielfältigen Stadträume der HafenCity wurden auch für kulturelle Veranstaltungen konzipiert (© ELBE&FLUT) Bilderserie starten

Bis ins Jahr 2003 war das heutige Areal der HafenCity ein großer weißer Fleck auf Hamburgs künstlerisch-kultureller Landkarte: So lange unterbanden das Hafenentwicklungsgesetz und der Freihafenstatus jede Nutzung, die sich nicht auf den Hafen bezog. Kunst und Kultur konnten hier erst allmählich im ehemaligen Freihafen einen Ort finden. Im Entwicklungsprozess des Stadtteils spielen kulturelle sowie künstlerische Nutzungen jedoch eine wichtige Rolle als Impulsgeber.

Wegweisend für eine besondere kulturelle Vorprägung des Gebiets war schon die Entscheidung, hafentypische Strukturen weitgehend zu erhalten: Historische Hafenbecken und Kaimauern, Kräne und Speichergebäude wurden saniert – neue Schauplätze für Kunst und Kultur entstehen, darunter auch die großen institutionalisierten Kultureinrichtungen wie die Elbphilharmonie, das Internationale Maritime Museum Hamburg oder möglicherweise auch das Science Center.

Standen freigemachte Flächen zunächst nur temporär für kulturelle Initiativen zur Verfügung, so wird ab Ende 2014 am südlichen Ufer des Oberhafens ein dauerhaftes Kultur- und Kreativquartier entwickelt. Auch bei der Gestaltung der Freiflächen werden stets die Anforderungen von Kunst und Kultur berücksichtigt.

Kulturszene mit zahlreichen Akteuren

Noch ist die junge Kunst- und Kulturlandschaft in der HafenCity in besonderer Weise unterstützungsbedürftig. Dafür sind im Laufe der Zeit wichtige Kooperationen und Organisationsstrukturen entstanden. Neben Initiativen wie der Musikalischen LandArt war die Kooperation von Hamburgischer Kulturstiftung, Körber-Stiftung und HafenCity Hamburg GmbH mit ihrer Auslobung eines ersten Künstlerwettbewerbs 2004/2005 der Startpunkt der kulturellen Entwicklung des Stadtteils.

Später folgten auch Theateraufführungen, darunter eigens inszenierte Sommerprogramme des Thalia Theaters. Zu Beginn des Jahres 2010 haben die Kooperationspartner ihre Zusammenarbeit auf neue Grundlagen gestellt und sie um weitere drei Jahre verlängert. Zusammen mit Kampnagel, dem Hamburger Kunstverein und den Deichtorhallen sind 2011 Kunstprojekte initiiert worden, die ein neuer gemeinsamer Ansatz eint: der Diskurs über die Möglichkeiten des Zusammenlebens und der neu zu konstituierenden Stadtöffentlichkeit in der HafenCity.

Sommer in der HafenCity

Für viele regelmäßig stattfindende Veranstaltungen ist die HafenCity als Standort oder Spielstätte bereits etabliert. Dazu gehören der „Sommer in der HafenCity“ mit Open-Air-Tango, Lesungen in abendlicher Hafenatmosphäre, einer Kinderbaustelle unter freiem Himmel und vielem mehr. Mehrere Plätze und Promenaden dienen als Freilichtbühne oder als Tanzparkett. Des Weiteren locken der Hamburger Architektur Sommer und die Lange Nacht der Museen regelmäßig viele Besucher in die HafenCity.

Seit 2009 findet das stetig wachsende Harbour Front Literaturfestival auch in der HafenCity spannende Orte am Wasser für Lesungen mit prominenten Autoren. Das ebenso längst über Hamburg hinaus wahrgenommene Musikevent ELBJAZZ Festival begeistert nunmehr seit Jahren mit der kulturellen Nutzung ungewöhnlicher maritimer Orte und nicht zuletzt mit internationalen Stars und Dutzenden Konzerten. Die HafenCity ist eine der elbnahen Bühnen, und auch in Zukunft werden hier immer neue Orte entdeckt werden können. Der erste Designmarkt Hamburgs „Der.Die.Sein Markt“ findet mit großem Erfolg seit August 2010 im Atrium des Unilever-Gebäudes statt.

Privat getragene Projekte, wie das Automuseum Prototyp, das im denkmalgeschützten Gebäude der Harburger Gummi-Kamm-Compagnie historische Rennautos und Sportwagen zeigt, erweitern das kulturelle Angebot. Mit der neuen gemeinsamen Veranstaltungsreihe „Der Montag an der Spitze“ laden der Spiegel-Verlag und die Körber-Stiftung regelmäßig zu spannenden Diskussionen mit prominenten Gästen in die HafenCity ein.

Neue Impulse für die Kreativwirtschaft

Durch den Koordinierungskreis Kultur HafenCity werden die zahlreichen Akteure und Aktionen gebündelt. Im Mai 2005 hatte die Behörde für Kultur, Sport und Medien dieses Expertengremium einberufen, das regelmäßig mit Vertretern der HafenCity Hamburg GmbH zusammenkommt, um die kulturelle Entwicklung der HafenCity voranzutreiben. Das Gremium entwickelt Konzepte und übernimmt so eine Mitverantwortung für die Gestaltung des kulturellen Angebots in der HafenCity.

Neue Impulse wird künftig das Quartier Oberhafen liefern. Als geplantes Kreativ- und Kulturquartier ergänzt es das Elbtorquartier in der zentralen HafenCity, das sich bereits als Wissensstandort entwickelt. Im Oberhafenquartier wird das übliche Vorgehen bei der Entwicklung der HafenCity „auf den Kopf“ gestellt. Grundstücke werden nicht veräußert, sondern verbleiben im Sondervermögen; Ausgangspunkt der Entwicklung ist die Bestandsbebauung.

Auch in unmittelbarer Nähe der historischen Speicherstadt haben sich kreative und kulturelle Nutzungen bereits etabliert: Mehrere Museen erzählen hier von der Vergangenheit des denkmalgeschützten Ensembles. Jetzt zieht der Ort immer mehr Kreative an, unter ihnen sind Künstler und Galeristen. Eine bedeutende Rolle als kultureller Pionier spielt der „Hamburger Jedermann“ von Michael Batz. Lange bevor das Gebiet der HafenCity zu einem Ort der Kultur werden konnte, etablierte sich dieses Theatererlebnis in den 1990er Jahren vor spektakulärer Speicherstadt-Kulisse als fester Bestandteil der Hamburger Kulturszene.