Leben

Vorhang auf: Die HafenCity als Bühne für Kultur

Kunst- sowie Kulturschaffende erschließen sich die HafenCity und werden dabei vielfältig unterstützt. An prägnanten Orten der HafenCity entstehen Institutionen mit internationaler Strahlkraft

Das Foto zeigt einen Musiker auf einer Bühne am Magdeburger Hafen

Die vielfältigen Stadträume der HafenCity wurden auch für kulturelle Veranstaltungen konzipiert (© ELBE&FLUT) Bilderserie starten

Bis ins Jahr 2003 war das heutige Areal der HafenCity ein großer weißer Fleck auf Hamburgs künstlerisch-kultureller Landkarte: So lange unterbanden das Hafenentwicklungsgesetz und der Freihafenstatus jede Nutzung, die sich nicht auf den Hafen bezog. Kunst und Kultur konnten hier erst allmählich einen Ort finden. Im Entwicklungsprozess des Stadtteils spielen kulturelle sowie künstlerische Nutzungen jedoch mittlerweile eine wichtige Rolle als Impulsgeber. Wegweisend für eine besondere kulturelle Vorprägung des Gebiets war schon die Entscheidung, hafentypische Strukturen weitgehend zu erhalten: Hafenbecken und Kaimauern, Kräne und Speichergebäude wurden saniert – neue Schauplätze für Kunst und Kultur entstehen, darunter auch die großen institutionellen Kultureinrichtungen wie die Elbphilharmonie und das bereits eröffnete Internationale Maritime Museum Hamburg.

Standen freigemachte Flächen zunächst nur temporär für kulturelle Initiativen zur Verfügung, so wird nun am südlichen Ufer des Oberhafens ein dauerhaftes Kultur- und Kreativquartier entwickelt. Auch bei der Gestaltung der Freiflächen werden stets die Anforderungen von Kunst und Kultur berücksichtigt.

Kulturszene mit zahlreichen Akteuren

Mittlerweile ist die HafenCity ein beliebter Ort für Veranstaltungen nahezu jeder Größenordnung, von der spontanen kleinen Street-Art-Performance bis hin zur großen Literaturveranstaltung. Im Laufe der Zeit sind immer wieder besondere Kooperationen und Organisationsstrukturen entstanden. Neben Initiativen wie der „Musikalischen LandArt“ war dabei die Kooperation von Hamburgischer Kulturstiftung, Körber-Stiftung und Hafen- City Hamburg GmbH mit ihrer Auslobung eines ersten Künstlerwettbewerbs 2004/2005 ein wichtige Etappe der kulturellen Entwicklung der HafenCity. Später folgten unter anderem Theateraufführungen, darunter eigens inszenierte Sommerprogramme des Thalia Theaters. Auch die erfolgreiche Kooperation „Kunst und Kultur in der HafenCity“ fördert neue Projekte in der HafenCity. Drei institutionelle Akteure der Kulturszene konnten dafür gewonnen werden: Zusammen mit der Kulturfabrik Kampnagel, dem Hamburger Kunstverein und den Deichtorhallen sind seit 2011 Kunstprojekte initiiert worden, die der den Diskurs über die Möglichkeiten des Zusammenlebens und der neu zu konstituierenden Stadtöffentlichkeit in der HafenCity weiter befördern.

Sommer in der HafenCity

Für viele regelmäßig stattfindende Veranstaltungen ist die HafenCity als Standort oder Spielstätte bereits etabliert. Die lange Nacht der Museen, der Hamburger Architektur Sommer, das Harbour Front Literaturfestival, das Elbjazz-Festival, der ExtremWetterKongress – die Liste der Veranstaltungen ist lang, und die Plätze und Promenaden der HafenCity dienen den Veranstaltern häufig als Freilichtbühne, Auditorium oder als Tanzparkett. Sehr beliebt bei Besuchern und Bewohnern ist der jährliche „Sommer in der HafenCity“ mit Tango und Swing unter freiem Himmel, Lesungen in abendlicher Hafenatmosphäre, Kinderbaustellen und vielem mehr. Mit der gemeinsamen Veranstaltungsreihe „Der Montag an der Spitze“ laden Spiegel-Verlag und Körber- Stiftung zudem regelmäßig zu spannenden Diskussionen mit bedeutenden Gästen in die HafenCity.

Neue Impulse für die Kreativwirtschaft

Durch den Koordinierungskreis Kultur HafenCity werden die zahlreichen Akteure und Aktionen gebündelt. Im Mai 2005 hatte die Kulturbehörde dieses Expertengremium einberufen, das regelmäßig mit Vertretern der HafenCity Hamburg GmbH zusammenkommt, um die kulturelle Entwicklung der HafenCity voranzutreiben. Das Gremium entwickelt Konzepte und übernimmt so eine Mitverantwortung für die Entwicklung des kulturellen Angebots in der HafenCity.

Es gibt bereits viele Kulturnutzungen

Neue Impulse liefert auch das Quartier Oberhafen. Als Kreativ- und Kulturquartier ergänzt es das Elbtorquartier in der zentralen HafenCity, das sich bereits als Wissensstandort entwickelt. Derzeit ist das Areal zwar noch gewidmete Bahnfläche, und die Gebäude werden bis mindestens 2014 überwiegend für Logistikzwecke genutzt, dennoch wurden bereits einige freigewordene Flächen an kreativwirtschaftliche Mieter vermittelt und es finden regelmäßig kulturelle Veranstaltungen statt. Im Oberhafen wird das übliche Vorgehen bei der Entwicklung der HafenCity "auf den Kopf" gestellt, da die Grundstücke nicht veräußert werden, sondern im Sondervermögen verbleiben. Statt einer städtebaulichen Neukonzeption ist die neue Nutzung der Bestandsgebäude Ausgangspunkt der Entwicklung, die durch einen schrittweisen Transformationsprozess erfolgt. Dabei wird an die überwiegend eingeschossigen Güterhallen angeknüpft.

Das gesamte Quartier ist der Nukleus eines Kreativ- und Kulturstandortes, das mit der übrigen HafenCity, aber auch mit Rothenburgsort, der City Süd und den dort neu entwickelten Kulturaktivitätensowie der Museumsmeile gut vernetzt ist. Die möglichen Entwicklungsoptionen werden im Laufe eines intensiven Dialogprozesses erarbeitet. Erstes Projekt ist hier seit Anfang 2013 mit der "Hanseatischen Materialverwaltung" ein Konzept, das Kultureinrichtungen, Schulen, Vereine aber auch engagierte Bürger mit Requisiten und Kulissen für soziale, ökologische oder kreative Projekte ausstattet.

Auch in unmittelbarer Nähe der historischen Speicherstadt haben sich kreative und kulturelle Nutzungen bereits etabliert: Mehrere Museen erzählen hier von der Vergangenheit des denkmalgeschützten Ensembles. Jetzt zieht der Ort immer mehr Kreative an, unter ihnen Künstler und Galeristen. Eine bedeutende Rolle als kultureller Pionier spielt der "Hamburger Jedermann" von Michael Batz. Lange bevor das Gebiet der Hafen- City zu einem Ort der Kultur werden konnte, etablierte sich dieses Theatererlebnis in den 1990er Jahren vor spektakulärer Speicherstadt-Kulisse als fester Bestandteil der Hamburger Kulturszene.

Internationales Maritimes Museum Hamburg

Schon im Sommer 2008 wurde das Internationale Maritime Museum Hamburg eröffnet. Es entstand im 1879 fertiggestellten Kaispeicher B (Architekten: Wilhelm Emil Meerwein, Bernhard Hanssen), dem ältesten Speichergebäude in der HafenCity und der Speicherstadt. Seit Mitte 2005 wurde der Speicher im Elbtorquartier unter Federführung von Architektin Mirjana Markovic aufwendig saniert und zum Museum umgebaut, wobei die charakteristische Architektur des denkmalgeschützten Speichergebäudes unangetastet blieb. Die zehn Decks des Museums zeigen auf 11.500 m2 Nutzfläche eine Ausstellung der privaten maritimen Sammlung von Peter Tamm. Auch das Institut für Schifffahrtsund Marinegeschichte sowie eine Bibliothek mit Archiv sind hier und in einem Nachbargebäude untergekommen.

Elbphilharmonie

Ein unvergleichliches Wahrzeichen gewinnt die HafenCity mit der Elbphilharmonie. Nach Plänen des Architekten Werner Kallmorgen war der mächtige Kaispeicher A von 1963 bis 1966 als Kakaospeicher gebaut worden. Auf diesem Gebäude wird mit Plänen der Schweizer Architekten Herzog & de Meuron bis zum Jahr 2016 ein spektakuläres Konzerthaus errichtet. Kubatur und Fassade des Bestandsbaus bleiben erhalten. Es entsteht ein weltweit einmaliger architektonischer Hybrid, in dem auch ein Hotel, Wohnungen und ein Parkhaus entstehen. Den ehemaligen Speicher krönt eine wellenförmig geschwungene, geneigte bis zu 110 m hohe Glaskonstruktion. Auf diese Weise verbinden sich historische Hafenarchitektur und zeitgenössische Architektur, Hafentradition und die neue Identität des Stadtteils. Zwischen Bestandsgebäude und neuer Wellenkrone entsteht auf 37 m Höhe eine öffentliche Plaza mit fantastischem Ausblick auf den Hafen, die HafenCity, die Elbe und die weitere Stadt.

Das entkernte Speichergebäude wird als Parkhaus sowie als Backstage-Bereich und als Raum für musikpädagogische Angebote genutzt. Im gläsernen Neubau entstehen zwei Konzertsäle für 2.150 und für 550 Besucher. Schon mit ihren ersten Entwürfen für das Konzerthaus hatten die Architekten Herzog & de Meuron 2003 international Aufsehen erregt. Beispiellos ist das Engagement der Hamburger Bürger: über 7.500 Spender und Stifter wurden bisher für die Unterstützung des Baus mobilisiert. Allerdings wird der städtische Finanzierungsanteil aufgrund von dramatischen Kostensteigerungen erheblich sein.