Management

Stadtentwicklung aus einer Hand: die HafenCity Hamburg GmbH

Nur durch ein integriertes Entwicklungsmanagement kann die Realisierung eines vollkommen neuen Stadtteils gelingen. Die meisten Verantwortlichkeiten für die Stadtteilentwicklung sind daher bei der HafenCity Hamburg GmbH gebündelt

Das Foto zeigt die Außenansicht des Gebäudes der Hafencity Hamburg GmbH

An der Osakaallee gegenüber dem Überseequartier befindet sich das Gebäude der HafenCity Hamburg GmbH im Herzen des neuen Stadtteils (© ELBE&FLUT)

Schon in seiner Komplexität sucht das Projekt seinesgleichen: Einen 157 Hektar großen Stadtteil gilt es zu entwickeln, wobei voraussichtlich mehr als 2 Millionen Quadratmeter Bruttogeschossfläche zu realisieren und ebenso vielfältige wie attraktive Freiräume zu gestalten sind. Eine vollkommen neue Infrastruktur soll geschaffen sowie an die bestehende Innenstadt angeschlossen werden – und bei all dem müssen Qualitätsstandards für die zukünftige Stadtentwicklung gesetzt werden.

Ein integriertes, diesen komplexen Anforderungen gerecht werdendes Entwicklungsmanagement für die gesamte HafenCity sichert daher die HafenCity Hamburg GmbH. Sie bündelt die Verantwortungen für die meisten Aufgaben der Entwicklung, somit steht Grundstückssuchenden, Nutzern, Bewohnern und Behörden eine einheitliche Anlaufstelle zur Verfügung.

Die HafenCity Hamburg GmbH befindet sich zu 100% im Besitz der Freien und Hansestadt Hamburg und vertritt treuhänderisch das ‚Sondervermögen Stadt und Hafen‘: Im Sondervermögen sind nahezu 100% der noch nicht verkauften Grundstücke des Projektgebiets zusammengefasst, ihre Aktivitäten finanziert die HafenCity Hamburg GmbH durch den Verkauf dieser Grundstücke. Voraussichtlich über 800 Mio. Euro werden so generiert und in der HafenCity investiert.

Eine Regelfinanzierung über den städtischen Haushalt findet nicht statt; Ausnahmen hierzu stellen lediglich Projekte der externen Verkehrsanbindung (z.B. die neue U-Bahnlinie U4 mit ihren beiden Haltestellen in der HafenCity) sowie öffentliche Institutionen (wie Elbphilharmonie, HafenCity Universität oder die Schulen des Stadtteils) mit einem Bundesanteil dar. Von privater Seite werden zusätzlich 5,5 Milliarden Euro investiert.

Im Wesentlichen bestehen die Aufgaben der HafenCity Hamburg GmbH in der Freimachung, Entwicklung, Vermarktung und im Verkauf von Grundstücksflächen. Darüber hinaus verantwortet sie die Kommunikation, den Bürgerdialog, das Veranstaltungsmanagement, die Öffentlichkeitsarbeit sowie die Kunst- und Kulturförderung im Stadtteil. Die Bearbeitung von Bebauungsplänen und Bauunterlagen ist in der Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt (BSU) gebündelt, weil die HafenCity seit 2006 ein so genanntes Vorranggebiet ist.

Für den öffentlichen Stadtraum tritt die HafenCity Hamburg GmbH als Bauherrin auf: Sie entwickelt die Infrastruktur des Stadtteils (z. B. hochwassersichere Straßen und Brücken) und legt Plätze, Parks, Sport- sowie Spielflächen an. Qualitätsvolle Stadtentwicklung gewährleistet das Unternehmen durch die Wahrnehmung umfassender Steuerungsfunktionen, z. B. durch Städtebau- und Architekturwettbewerbe in Abstimmung mit der Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt sowie den Bauherren.

So verkauft sie bspw. Grundstücke für den Wohnungsbau üblicherweise nicht meistbietend. Maßgeblich für die Vergabe zu einem vorab fixierten Festpreis ist vielmehr die Konzeptidee und –qualität sowie die unterschiedliche Diversität. Auch Marktrahmenbedingungen setzt die HafenCity Hamburg GmbH. Mit dem Umweltzeichen HafenCity wurde z.B. eine noch anspruchsvolle vermarktungsfähige Zertifizierungsmöglichkeit für nachhaltiges Bauen geschaffen, die von privaten Investoren intensiv genutzt wird.

Trotz seiner Organisationsform als privatrechtliche GmbH ist das Unternehmen optimal geeignet, öffentliche Interessen zu vertreten. So setzt sich sein Aufsichtsrat überwiegend aus Senatsmitgliedern zusammen. Grundstücksverkäufen muss die mehrheitlich durch die Bürgerschaftsparteien besetzte Kommission für Bodenordnung zustimmen, über Bebauungspläne entscheidet die Kommission für Stadtentwicklung. Und Großprojekte, die Haushaltsmittel erfordern oder nicht zum normalen Geschäftsgang gehören (etwa die Elbphilharmonie, das Internationale Maritime Museum Hamburg oder die HafenCity Universität), werden direkt durch Senat oder Bürgerschaft beschlossen. Gleichzeitig besitzt sie die Flexibilität, auf Märkte zu reagieren und diese zu beeinflussen, private Innovationen anzustoßen und Rahmenbedingungen für erfolgreiche private Investitionen ohne Subventionen zu setzen.