Quartiere

Vom Ort industrieller Pioniere zum grünen Stadtquartier

Historisches Industrie- und Bahnhofsgelände prägt das Quartier. Mit dem Lohsepark entsteht der "Central Park" der HafenCity

Das Foto zeigt das Areal der Quartiere Am Lohsepark und Elbtorquartier aus der Vogelperspektive

Der grüne "Central Park" der HafenCity wird von Wasserflächen eingerahmt sein. Zurzeit wird die Fläche des zukünftigen Lohseparks noch von einer Spedition genutzt. (© Kuhn / Fotofrizz) Bilderserie starten

Eingerahmt von Wasserflächen entsteht in der zentralen HafenCity ein attraktiver Stadtraum mit dem Lohsepark als dessen „grüner Seele“. Indem sich sämtliche Gebäude westlich und östlich an die Grünanlage anschließen, wird die Tradition hanseatischer Stadtentwicklung weitergeführt, inmitten von Wohn- und Arbeitsquartieren ausgedehnte Parks zu schaffen. Ausgangspunkt der Quartiersentwicklung ist das zum Teil denkmalgeschützte Backsteinensemble am Lohseplatz, u. a. Sitz des privat geführten Automuseums Prototyp. Das hervorragend sanierte architektonische Schmuckstück ist ein ehemaliges Firmengebäude der Harburger Gummi-Kamm-Compagnie, einem Pionier der Industrialisierung Hamburgs. In unmittelbarer Nachbarschaft wird es von drei Neubauten ergänzt (67–69).

Familienfreundliches Wohnen am Park

Lebendig und vielseitig wird die HafenCity am Lohsepark. Auf rund 40.000 m2 Bruttogeschossfläche (BGF) entsteht ab 2013 zwischen Shanghaiallee und Yokohamastraße auf einem großen Quarree ein urbaner Mix aus insgesamt etwa 300 Miet-, Sozial-, Baugemeinschafts- und Eigentumswohnungen. Sämtliche Architektenwettbewerbe hierfür sind bereits entschieden, auch Bauanträge sind gestellt.

Auf dem nördlichen Grundstück (70) errichten zwei Vorreiter der HafenCity-Entwicklung, die gemeinnützige Baugenossenschaft Bergedorf-Bille und die Firma Otto Wulff, ein von den Architekten APB und Böge Lindner K2 (Hamburg) sowie Haslob Kruse + Partner (Bremen) entworfenes Wohngebäude. Vorgesehen sind vorwiegend geförderte und frei finanzierte Mietwohnungen, genossenschaftliche Mietwohnungen, geförderte genossenschaftliche Mietwohnungen aber auch Eigentumswohnungen. In Zusammenarbeit mit dem Verein Leben mit Behinderung Hamburg e. V. werden zudem integrative Wohnkonzepte für Menschen mit und ohne Handicap verwirklicht. Abgerundet wird das Quartier durch zwei Kitas, ein Ärztezentrum sowie weitere Gewerbeflächen und eine Begegnungsstätte.

Auf dem Nachbargrundstück (71) errichten ein von Stattbau Hamburg und der Conplan GmbH betreutes Konsortium (bestehend aus vier Baugemeinschaften mit etwa 75 einzelnen Bauherren) sowie die Hamburger Wohnungsunternehmen Behrendt Wohnungsbau und Frank Heimbau Nord ein weiteres Wohngebäude. Mit dem von den Architekten Dinse Feest Zurl (Hamburg), Springer (Berlin) und Siebrecht Münzesheimer/BOF (Hamburg) entworfenen Ensemble entstehen Eigentumswohnungen und Baugemeinschaftsprojekte, Loft-Konzepte sowie geförderte Mietwohnungen auf niedrigem Preisniveau. Geplant sind ebenfalls differenzierte gewerbliche Erdgeschossnutzungen, eine Kita und publikumsbezogene Nutzungen. Das Projekt hat den Namen „Green Belt House“, was durch eine von außen wahrnehmbare Innenhofgestaltung, eine ökologische Bauweise sowie urbane Gärten auf den Gebäudedächern zum Ausdruck kommen wird.

Das hieran südlich angrenzende und ebenfalls westlich des Parks gelegene Eckgrundstück zur Überseeallee (72) wird mit einer Hotel- und Wohnnutzung mit publikumsbezogener Erdgeschossnutzung entwickelt. Hier können an der dem Park und der Nebenstraße zugewandten Seite weitere Wohnungen u. a. als geförderte Wohnungen für Studenten entstehen. Insgesamt sollen auf dem ca. 3.750 m2 großen Grundstück bis 2015 17.000 m2 BGF entwickelt werden. Auch die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben hat ihr Grundstück (66) zum Verkauf angeboten. Das ehemalige Zollgrundstück kann mit ca. 9.000 m2 BGF für eine gemischte Nutzung mit Wohnanteil bebaut werden.

Östlich des Loheparks wird ab 2015/16 ein Gymnasium, das auch als Nachbarschaftszentrum dienen soll, eingerichtet. Darüber hinaus sind dort weitere Wohnungen im Zusammenhang mit der Blockschließung beim Automuseum Prototyp sowie östlich der Grünanlage vorgesehen. Grundsätzlich werden in dem Quartier geschlossene Blockstrukturen mit sechs bis sieben Geschossen realisiert, die sich rund um den zentralen Lohsepark herum gruppieren.

Der größte Park in der HafenCity

Der neue 4 ha große Lohsepark, der „Central Park“ der HafenCity, wird sich wie ein langes grünes Band vom Ericusgraben im Norden bis zum südlich gelegenen Quartier Baakenhafen ziehen, wo er an die 30 m  breite Elbpromenade anknüpft. Zur Gestaltung des Stadtteilparks wurde 2010 ein internationaler Freiraumwettbewerb durchgeführt. Die Vogt Landschaftsarchitekten AG (Zürich) überzeugte mit der Konzeption, den Park als einen Bewegungsraum „von Gebäudekante zu Gebäudekante“ und „von Wasser zu Wasser“ zu gestalten: Geschwungene Wege führen durch Rasen- und Wiesenflächen mit über 500 Bäumen. Bänke und Wasserspiele laden ebenso zum Verweilen ein, wie ein Gemeinschaftshaus samt Kinderspielplatz. An den Längsseiten schließen Terrassen zur Straße auf, was eine barrierefreie Verzahnung der Grünfläche mit dem Stadtraum schafft. Insgesamt staffelt sich der Lohsepark über drei Höhenniveaus – ca. 5,5 m, 6,5 m und 8 m ü. NN. Zur Entwicklung wurde zudem ein Beteiligungsworkshop mit Schülern eingerichtet. Wie schon beim Grasbrookpark beschäftigt sich der Schülerbeirat in Form einer Zukunftswerkstatt aktiv mit den konkreten Anforderungen von Kindern und Jugendlichen an einen öffentlichen Stadtraum. In lebhaften Diskussionen werden Ideen gesammelt, diskutiert und über die Realisierungsphase bis hin zur Umsetzung begleitet.

Gedenkort im Zentrum des Parks

Auf dem Areal befand sich auch einst der Hannoversche Bahnhof, von dem aus während des Zweiten Weltkriegs mindestens 7.692 Menschen – Juden, Sinti und Roma – aus Hamburg und Umgebung deportiert wurden. Das während des Krieges stark beschädigte Bahnhofsgebäude wurde 1955 gesprengt. Im Zuge der Parkgestaltung entsteht jetzt erstmals an zentraler Stelle in Hamburg ein derartiger Ort des Erinnerns, dessen besondere Herausforderung auch darin besteht, Ideen für den integrierenden Charakter  zu entwickeln. Das Konzept sieht für den Gedenkort eine diagonal das Parkareal durchziehende Fuge vor, die die Relikte des einstigen Bahnhofsvorplatzes mit den vorhandenen Resten des Bahnsteigs 2 verbindet. Außerdem soll die 2009 temporär im Kunsthaus gezeigte Ausstellung „In den Tod geschickt“ in einem Dokumentationszentrum hier ihren endgültigen Ort finden.

Die für die gesamte Realisierung des Lohseparks benötigten Flächen werden derzeit noch teilweise von einer Spedition genutzt. Erste Abschnitte sind aber bereits im Bau und werden 2013/14 fertiggestellt. Spätestens 2019 steht der Park dann vollständig zur Verfügung.

Firmen komplettieren urbanen Stadtraum

Neben einem lebendigen Wohnmix und der Grünfläche werden – wie in der mischgenutzten HafenCity insgesamt üblich – auch Unternehmen das Quartiersleben mitprägen. Ab Mitte 2013 errichtet der Hamburger Mineralölkonzern Marquard & Bahls an der Ecke Shanghaiallee/Koreastraße seine neue Unternehmenszentrale. 700 Mitarbeiter sollen in dem Gebäude (65) Platz finden, das direkt am Brooktorhafen im Norden des Quartiers entstehen und den Nachhaltigkeitsstandard des HafenCity Umweltzeichens in Gold erfüllen wird. Im Erdgeschoss werden Einzelhandel und Gastronomie angesiedelt. Hervorzuheben ist ein dreistöckiger, öffentlicher „Stadtbalkon“ entlang des Brooktorhafens, der das innere Atrium mit dem Stadtraum verbindet. Den Entwurf des markanten Neubaus lieferte das Büro Gewers & Pudewill (Berlin), das Ende Juni 2012 den Architekturwettbewerb gewann. Auch das Baufeld 73 am Brooktorhafen östlich des Lohseparks steht für Firmenansiedlungen zur Verfügung.

Mit der Ansiedlung weiterer Unternehmen entsteht am Brooktorhafen somit ein neuer Arbeitsort mit großen und kleinen Firmen – teilweise im Quartier Lohsepark, hauptsächlich aber in direkter Nachbarschaft, wo bereits die Gebrüder Heinemann, der Spiegel-Verlag, der Germanische Lloyd u. a. ansässig sind.

Die Shanghaiallee nimmt dadurch immer mehr den Charakter eines urbanen Straßenzugs an, mit breiten Bürgersteigen und einem vergleichsweise höheren Verkehrsaufkommen. Als hochwassersichere große Achse schon früh gebaut, verläuft dieser Straßenzug der zentralen HafenCity von der Speicherstadt im Norden bis zur HafenCity Universität im Süden. Den Eindruck eines großstädtischen Boulevards vermitteln schon jetzt die bereits fertigen Gebäude NIDUS und Ökumenisches Forum, später kommen u. a. mit der Entwicklung der weiteren Baufelder noch Läden und andere publikumsbezogene Erdgeschossnutzungen hinzu.


Quartiersprofil

  • Größe 12,5 ha
    Gesamt BGF: 200.000 m2

  • Arbeitsplätze und gewerbliche Nutzungen
    Arbeitsplätze: ca. 3.000
    Nutzungen: Büro, Dienstleistung, Hotel, Gastronomie, Einzelhandel

  • Wohnungen
    750

  • Besondere Einrichtungen
    Dokumentationszentrum und Gedenkort Hannoverscher Bahnhof, Automuseum Prototyp, Gymnasium und Kindergärten

  • Entwicklungszeitraum
    2012 bis 2020

Der ehemalige Hannoversche Bahnhof