Quartiere

Vom Ort industrieller Pioniere zum grünen Stadtquartier

Auf historischem Industrie- und Bahnhofsgelände entsteht ein familienfreundliches Wohnquartier mit dem Lohsepark, der größten Grünfläche der HafenCity, in seiner Mitte

Das Foto zeigt das Areal der Quartiere Am Lohsepark und Elbtorquartier aus der Vogelperspektive

Der grüne "Central Park" der HafenCity wird von Wasserflächen eingerahmt sein. Zurzeit wird die Fläche des zukünftigen Lohseparks noch von einer Spedition genutzt. (© Kuhn / Fotofrizz) Bilderserie starten

Eingerahmt von Wasserflächen, entsteht in der zentralen HafenCity ein attraktiver Stadtraum mit dem Lohsepark als dessen „grüner Seele“. Indem sich sämtliche Gebäude westlich und östlich an die Grünanlage anschließen, wird die Tradition hanseatischer Stadtentwicklung weitergeführt, inmitten von Wohn- und Arbeitsquartieren ausgedehnte Parks zu schaffen. Ausgangspunkt der Quartiersentwicklung ist das zum Teil denkmalgeschützte Backstein-ensemble am Lohseplatz, u. a. Sitz des privat geführten Automuseums Prototyp. Das hervorragend sanierte architektonische Schmuckstück ist ein ehemaliges Firmengebäude der Harburger Gummi-Kamm-Compagnie, einem Pionier der Industrialisierung Hamburgs. In unmittelbarer Nachbarschaft wird es durch drei Neubauten ergänzt (67–69). Grundsätzlich werden in dem Quartier geschlossene Blockstrukturen mit fünf bis sieben Geschossen realisiert, die sich rund um den zentralen Lohsepark herum gruppieren. Alle Gebäude im Quartier auf Grundstücken des Sondervermögens sollen zudem nach den Standards des HafenCity Umweltzeichens in Gold errichtet werden.

Familienfreundliches Wohnen am Park

Lebendig und vielseitig wird die HafenCity auch am Lohsepark. In den zwei jeweils rund 20.000 m2 BGF umfassenden Entwicklungen zwischen Shanghaiallee und Yokohamastraße entsteht ein urbanes Areal aus insgesamt etwa 300 Miet-, Sozial-, Baugemeinschafts- und Eigentumswohnungen direkt am Park. Darüber hinaus umfassen die Projekte viele öffentliche Nutzungen.

Das von den Architekten APB und Böge Lindner K2 (Hamburg) sowie Haslob Kruse + Partner (Bremen) entworfene Gebäude auf dem nördlichen Grundstück (70) errichten zwei Vorreiter der HafenCity-Entwicklung: die gemeinnützige Baugenossenschaft Bergedorf-Bille und die Firma Otto Wulff. Hier entstehen seit 2013 vorwiegend geförderte und frei finanzierte Miet- und Genossenschaftswohnungen, aber auch Eigentumswohnungen. In Zusammenarbeit mit dem Verein Leben mit Behinderung Hamburg e. V. werden zudem integrative Wohnkonzepte für Menschen mit und ohne Handicap verwirklicht. Dazu kommen zwei Kitas, ein Ärztezentrum sowie Gewerbeflächen und eine Begegnungsstätte. Das noch 2014 in Bau gehende Wohngebäude auf dem Nachbargrundstück (71) errichtet ein von Stattbau Hamburg und der Conplan GmbH betreutes Konsortium, bestehend aus vier Baugemeinschaften mit etwa 75 einzelnen Bauherren sowie den Hamburger Unternehmen Behrendt Wohnungsbau und Frank Heimbau Nord. In dem von den Architekten Dinse Feest Zurl (Hamburg), Springer (Berlin) und Siebrecht Münzesheimer/BOF (Hamburg) entworfenen Ensemble entstehen Eigentumswohnungen, Lofts, geförderte Mietwohnungen, gewerbliche Erdgeschossnutzungen und eine Kita.

Das hieran südlich angrenzende, westlich des Parks gelegene Eckgrundstück zur Überseeallee (72) wurde im Mai 2013 an die Harmonia Immobilien GmbH anhandgegeben, der Architekturwettbewerb ist in Vorbereitung. Prädestiniert durch die besondere Lage direkt gegenüber der HafenCity Universität (HCU), entstehen hier auf ca. 19.000 m2 BGF öffentlich geförderte studentische Wohnungen, aber auch frei finanzierter Wohnungsbau, ein Hotel sowie publikumsbezogene Erdgeschossnutzungen

Das ehemalige Zollgrundstück im Norden (66), eines der wenigen nicht im Eigentum des Sondervermögens befindlichen Grundstücke, kann mit ca. 9.000 m2 BGF für eine gemischte Nutzung mit Wohnanteil bebaut werden. Östlich des Loheparks wird ab 2015/16 ein Schulzentrum mit Gymnasium errichtet, das auch als Nachbarschaftszentrum dienen soll. Darüber hinaus sind nicht nur weitere Wohnungen im Zusammenhang mit der Blockschließung beim Automuseum Prototyp vorgesehen, auch der Bereich östlich der Grünanlage ist für eine vielfältige Wohnnutzung, aber auch für gewerbliche Flächen vorgesehen.

Der größte Park der HafenCity

Basierend auf dem auf der Grundlage des städtebaulichen Masterplans entwickelten Freiraumkonzepts von Vogt Landschaftsarchitekten AG (Zürich) ist der in der Tradition der Hamburger Volksparks stehende Lohsepark mit seinen 4 ha Gesamtfläche die größte zusammenhängende Grünanlage der HafenCity mit weitreichenden stadträumlichen, sozialen und ökologischen Funktionen. Geprägt durch eine freie Sichtachse von der Ericusspitze bis zur Elbe, erstreckt er sich wie ein langes grünes Band von Wasser zu Wasser. Großzügige, von einem lockeren Wegenetz durchzogene Rasenflächen, Sitzgruppen und Spielmöglichkeiten laden künftig junge und alte Bewohner aber auch Besucher zum Verweilen ein.

Mit der Eröffnung des Lohseplatzes zum Evangelischen Kirchentag wurde im Frühjahr 2013 der erste Parkabschnitt fertiggestellt. War die weitere Entwicklung lange durch einen unkündbaren Mietvertrag mit dem Eigentümer der ehemaligen Lagerhalle blockiert, so wird der Park nun voraussichtlich bereits Ende 2015 komplett fertiggestellt sein – und damit vier Jahre früher als vorgesehen. Voraussichtlich noch im Frühjahr 2014 sind die Abrissarbeiten der Halle abgeschlossen, direkt im Anschluss beginnt die aufwendige Flächenvorbereitung. Die gestalterischen Arbeiten und Baumpflanzungen im ehemaligen Hallenbereich starten danach, im Frühjahr 2015.

Gedenkort im Zentrum des Parks

Dort, wo heute der Lohsepark in Abschnitten entsteht, stand einst das während des Kriegs stark beschädigte und im Jahr 1955 vollständig gesprengte Gebäude des Hannoverschen Bahnhofs. In Erinnerung an die Vergangenheit des Orts wird im Zuge der Parkgestaltung ein angemessen würdevoller Ort des Gedenkens an die Opfer der Deportationen von Juden, Roma und Sinti aus Hamburg errichtet – an einem authentischen Platz, der gleichzeitig Teil des öffentlichen Alltagsraums der zentralen Innenstadt ist. Eine diagonal den Lohsepark durchziehende Fuge nimmt den Verlauf der ehemaligen Gleisanlagen auf und verbindet die noch vorhandenen Überreste des Bahnsteigs 2 mit den Fragmenten des einstigen Bahnhofsvorplatzes am Lohseplatz. In unmittelbarer Nähe, in einem Dokumentationszentrum, findet zudem die Ausstellung „In den Tod geschickt“ mit der Darstellung der Deportationen von Juden sowie Roma und Sinti aus Hamburg von 1940 bis 1945 ihren endgültigen Ort.

Firmen komplettieren urbanen Stadtraum

Neben einem lebendigen Wohnmix und der Grünfläche werden – wie in der mischgenutzten HafenCity insgesamt üblich – auch Unternehmen das Quartiersleben mitprägen. An der Ecke Shanghaiallee/Koreastraße errichtet der Hamburger Mineralölkonzern Marquard & Bahls derzeit seine neue Unternehmenszentrale. Bis zu 700 Mitarbeiter finden Platz in dem ca. 18.000 m2 BGF umfassenden Gebäude (65) direkt am Brooktorhafen; im Erdgeschoss werden Einzelhandel und Gastronomie angesiedelt. Außergewöhnlich ist der vorgesehene dreistöckige Stadtbalkon entlang des Brooktorhafens, der das innere Atrium mit dem Stadtraum verbindet. Die Planung des markanten Neubaus stammt vom Büro Gewers & Pudewill (Berlin). Mit der Ansiedlung weiterer Unternehmen –das Grundstück östlich des Lohseparks (73) steht ebenfalls für Firmenansiedlungen zur Verfügung – entsteht auch am Brooktorhafen ein attraktiver Arbeitsort mit Unternehmen verschiedener Größe, die von der direkten Nachbarschaft zu den umliegenden Quartieren, mit Unternehmen wie den Gebr. Heinemann, dem Spiegel-Verlag oder DNV Germanischer Lloyd, profitieren.

Gleichzeitig nimmt die Shanghaiallee mit ihren breiten Bürgersteigen und einem vergleichsweise höheren Verkehrsaufkommen immer mehr den Charakter einer urbanen Wohn- und Geschäftsstraße an. Als hochwasser-sichere große Achse schon früh gebaut, verläuft dieser Straßenzug der zentralen HafenCity von der Speicherstadt im Norden bis zur HafenCity Universität im Süden. Den Eindruck eines großstädtischen Boulevards vermitteln schon jetzt die bereits fertigen Gebäude NIDUS und Ökumenisches Forum im gegenüberliegenden Elbtorquartier sowie das Automuseum Prototyp. Im Laufe der kommenden Monate und Jahre kommen mit der Entwicklung der weiteren Gebäude noch weitere Läden und andere publikumsbezogene Erdgeschossnutzungen mit urbanem Charakter hinzu.

Quartiersprofil

  • Größe 12,5 ha
    Gesamt BGF: 200.000 m²

  • Arbeitsplätze und gewerbliche Nutzungen
    Arbeitsplätze: ca. 3.000
    Nutzungen: Büro, Dienstleistung, Hotel, Gastronomie, Einzelhandel

  • Wohnungen
    750

  • Besondere Einrichtungen
    Dokumentationszentrum und Gedenkort Hannoverscher Bahnhof, Automuseum Prototyp, Gymnasium und Kindergärten

  • Entwicklungszeitraum
    2012 bis 2020

 



Der ehemalige Hannoversche Bahnhof