Quartiere

Vom Ort industrieller Pioniere zum zentralen grünen Stadtquartier

Auf historischem Industrie- und Bahnhofsgelände entsteht ein familienfreundliches Wohnquartier mit der größten Grünfläche der HafenCity in seiner Mitte – dem Lohsepark

Bilderserie starten

Mit dem Quartier Am Lohsepark entsteht in der zentralen HafenCity ein überaus attraktiver Stadtraum mit dem Lohsepark als grünem Zentrum. Indem sich sämtliche Gebäude westlich und östlich an die Grünanlage anschließen, wird die Tradition hanseatischer Stadtentwicklung weitergeführt, inmitten von Wohn- und Arbeitsquartieren ausgedehnte Parks zu schaffen. Ausgangspunkt der Quartiersentwicklung war das z. T. denkmalgeschützte Backsteinensemble zwischen Lohseplatz und Shanghaiallee, u. a. Sitz des privat geführten Automuseums Prototyp und der gemeinnützigen DO School. Das hervorragend renovierte architektonische Schmuckstück ist ein ehemaliges Firmengebäude der Harburger Gummi-Kamm-Compagnie, einem Pionier der Industrialisierung Hamburgs. Grundsätzlich werden in dem Quartier geschlossene Blockstrukturen mit fünf bis sieben Geschossen realisiert, die sich rund um den zentralen Lohsepark herum gruppieren. Die direkte Verbindung über den Brooktorhafen nach Norden sichert die seit Juni 2014 fertig sanierte Ericusbrücke – eine 1870 erbaute, ehemalige Eisenbahn-Drehbrücke.

Familienfreundliches Wohnen am Park

Das Thema Wohnen nimmt am Lohsepark immer konkretere Formen an. Das erste der drei direkt am Park zwischen Steinschanze im Norden und Überseeallee im Süden sowie der Shanghaiallee im Westen gelegenen, jeweils rund 20.000 m2 BGF umfassenden Gebäude eines urbanen Areals aus insgesamt fast 500 Miet-, Sozial-, Baugemeinschafts- und Eigentumswohnungen sowie studentischem Wohnen und einem Hotel wurde Ende 2015 erfolgreich fertiggestellt. In dem gemeinsam von der Baugenossenschaft Bergedorf-Bille eG, der KOS Wulff Immobilien GmbH und der Otto Wulff Projektentwicklung GmbH entwickelten Gebäudekomplex auf dem rund 5.000 m2 großen nördlichen Grundstück (70) befinden sich Büro-, Praxis- und Gewerbeflächen sowie soziale Einrichtungen, Kindertagesstätten und 159 zum Teil öffentlich geförderte Wohneinheiten – darunter die erste inklusive Hausgemeinschaft in der HafenCity, in der 19 Menschen mit Behinderung und zehn Studenten in sieben Wohngemeinschaften unter einem Dach leben. In den Erdgeschossflächen zur Shanghaiallee betreibt u. a. Deutschlands jüngster Drei-Sterne-Koch Kevin Fehling das Spitzen-Restaurant „The Table“ unmittelbar neben den Einrichtungen der pme Familienservice GmbH. Gleichzeitig gehen die Bauarbeiten für das Wohngebäude auf dem südlichen Nachbargrundstück (71) erfolgreich weiter. In dem von den Architekten Dinse Feest Zurl (Hamburg), Springer (Berlin) und Siebrecht Münzesheimer/BOF (Hamburg) entworfenen Ensemble errichtet eine von Stattbau Hamburg und der Conplan GmbH betreute Baugemeinschaftsgruppe aus insgesamt 70 Bauherren („Dock 71“) sowie die Behrendt Wohneigentum GmbH und die Baugenossenschaft Hamburger Wohnen eG Eigentumswohnungen, geförderte Mietwohnungen, gewerbliche Erdgeschossnutzungen und eine Kita. Besonderheiten des Projekts sind u. a. die Dachlandschaft mit Terrassen, Gartenlauben, Gewächshäusern und Aussichtspunkten sowie der als grüner Erholungs- und Begegnungsort genutzte Innenhof. Der nördliche Gebäudekomplex der Baugemeinschaft wird 2016 bezugsfertig sein, für den südlichen Teil haben die Bauarbeiten begonnen. Die Fertigstellung ist für 2017 vorgesehen.

Eine Projektgemeinschaft aus ECE, Harmonia Immobilien GmbH und dem Studierendenwerk Hamburg entwickelt auf dem südlich angrenzenden Grundstück (72) zwischen Lohsepark und HCU eine Nutzungsmischung aus Hotel, öffentlich gefördertem studentischen Wohnen (125 Apartments) und frei finanziertem Wohnungsbau (45 hochwertige Wohneinheiten) mit insgesamt ca. 21.000 m2 BGF. Während die Wohnanteile nach den Entwürfen von KSP Jürgen Engel Architekten (Braunschweig) entstehen, wurde der Hotelbereich von Kister Scheithauer Gross Architekten und Stadtplaner (Köln) entworfen. Die Bauarbeiten beginnen Mitte 2016.

Das ehemalige Zollgrundstück im Norden (66) ist eines der wenigen nicht im Eigentum des Sondervermögens befindlichen Grundstücke und bietet ca. 9.000 m2 BGF Nutzfläche. Darüber hinaus sind nicht nur weitere Wohnungen im Zusammenhang mit der Blockschließung beim Automuseum Prototyp vorgesehen, auch der Bereich östlich der Grünanlage ist für eine vielfältige Nutzung (74–76) bestimmt. Denkbar sind Büroflächen, Wohnungen und kulturelle Angebote. Seit Juli 2015 ist ein kleiner Teil der Fläche im Norden neuer Standort des beliebten temporären HafenCity-Bolzplatzes. Eine engagierte Initiativgruppe hat unter hohem Eigenaufwand und mit Unterstützung u. a. der HafenCity Hamburg GmbH, der Gemeinde St. Katharinen sowie des Spielhaus HafenCity e. V. die Kunstrasenanlage mit Freiflächen für Nachbarschaftsaktivitäten gemeinsam errichtet. Für das Schulzentrum mit Gymnasium und Stadtteilschule (77) erfolgt der Architekturwettbewerb 2016/2017.

Der größte Park in der HafenCity

Basierend auf dem auf der Grundlage des städtebaulichen Masterplans entwickelten Freiraumkonzepts von Vogt Landschaftsarchitekten AG (Zürich) ist der in der Tradition der Hamburger Volksparks stehende Lohsepark mit seinen 4,4 ha Gesamtfläche die größte zusammenhängende Grünanlage der HafenCity mit weitreichenden stadträumlichen, sozialen und ökologischen Funktionen. Geprägt durch eine freie Sichtachse von der Ericusspitze bis zum Baakenhafen, erstreckt sich der 600 m lange und 80 m breite Park wie ein langes grünes Band von Wasser zu Wasser. Großzügige, von einem lockeren Wegenetz durchzogene Rasenflächen mit Sitzgruppen und Spielmöglichkeiten, eingefasst von rund 530 Bäumen, laden zum Verweilen ein.

Baulich geht es im Lohsepark zügig voran. Während der Park im Norden und Süden bereits seit 2013 grün ist, wurde zum HSH Nordbank Run in der HafenCity 2015 ein großer Teil der zentralen Flächen, u. a. mit Spielanlagen für Kinder, einer steinernen Grotte sowie einer Streetball-Anlage, für die Öffentlichkeit freigegeben. Im Gegensatz zu diesem urbanen Ambiente wird sich der Park an seiner nördlichen Grenze am Ufer des Ericusgrabens von seiner weichen Seite zeigen: Mithilfe von Unterwasserspundwänden entsteht dort eine sanft abfallende Böschung aus Kräutern, Stauden, Röhricht und Schilf. Gleichzeitig werden nach und nach im zentralen Park-abschnitt die Bäume gepflanzt, sodass nach den letzten Bodenmaßnahmen und dem Anwachsen des Rasens im Juli 2016 das offizielle Eröffnungsfest stattfindet.

Gedenkort im Zentrum des Parks

Wo sich heute der Lohsepark der Fertigstellung nähert, standen einst auch Teile des Hannoverschen Bahnhofs. Von hier aus wurden zwischen 1940 und 1945 mindestens 7.692 Juden, Sinti und Roma deportiert. Als Ort des Gedenkens an dieses dunkle Kapitel der Hamburger Stadtgeschichte entsteht im und am Lohsepark der aus drei Elementen bestehende Gedenkort „denk.mal Hannoverscher Bahnhof“. Neben dem zentralen Gedenk-ort des unter Denkmalschutz stehenden Relikts des Bahnsteigs 2 im östlichen Anschluss an den Park umfasst dieser die sogenannte „Fuge“, die vom ehemaligen Bahnhofsvorplatz durch den Park entlang dem historischen Gleisverlauf bis hin zum Bahnsteig führt, sowie ein neu zu errichtendes Dokumentationszentrum, das in direkter visueller Beziehung zum historischen Gedenkort auf der Westseite des Parks an der Straße Steinschanze entsteht. Vorgesehen ist ein siebengeschossiger Neubau nach Entwurf von Wandel Lorch Architekten (Frankfurt/Saarbrücken) mit ca. 6.100 m2 BGF und einer Fläche von ca. 700 m2 im Erdgeschoss für Ausstellungs- und Veranstaltungsräume. Kernelement wird eine dauerhafte Ausstellung zum Schicksal der deportierten Norddeutschen und Hamburger Bürger, angelehnt an die von Dr. Linde Apel konzipierte temporäre Dokumentation „In den Tod geschickt“, die schon in kleiner Form seit September 2013 im InfoPavillon Hannoverscher Bahnhof zu sehen ist. Für die neuen und endgültigen Räumlichkeiten wird die Ausstellung überarbeitet und erweitert, betrieben wird sie dann unter der Leitung der KZ-Gedenkstätte Neuengamme. Im Juli 2016 ist die Eröffnung der Fuge, der zentrale Gedenkort wird im Frühjahr 2017 fertiggestellt.

Firmen komplettieren urbanen Stadteraum 

Neben einem lebendigen Wohnungsmix und der Grünfläche werden – wie in der mischgenutzten HafenCity insgesamt üblich – auch Unternehmen das Quartiersleben mitprägen. An der Ecke Shanghaiallee/Koreastraße stellt der Hamburger Mineralölkonzern Marquard & Bahls derzeit seine neue Unternehmenszentrale fertig. Im Frühjahr 2016 ist das neue Gebäude (65) bezugsfertig und wird auf einer Fläche von 18.000 m2 rund 700 Arbeitsplätze unter einem Dach vereinen. Im Erdgeschoss sind Einzelhandel und Gastronomie angesiedelt. Außergewöhnlich ist der dreigeschossige Stadtbalkon entlang des Brooktorhafens, der das innere Atrium mit dem Stadtraum verbindet. Die Planung des markanten Neubaus stammt vom Büro Gewers & Pudewill (Berlin). Im siebten Obergeschoss entsteht neben den Vorstandsbüros und weiteren Büros ein weiträumiger Fitnessbereich für alle Mitarbeiter des Hauses. In der zweigeschossigen Tiefgarage wird es nicht nur zahlreiche Stellplätze für Fahrräder geben, sondern auch Duschen und Umkleideräume für Mitarbeiter. Auch für eine Ladestation für ein E-Bike wird gesorgt. Eine weitere Besonderheit ist der Außenaufzug, der bis zu 20 Personen vom Erdgeschoss direkt zum eigenen Anleger im Brooktorhafen befördern kann.

Mit der Ansiedlung weiterer Unternehmen entsteht auch am Brooktorhafen ein attraktiver Arbeitsort mit Unternehmen verschiedener Größe, die von der direkten Nachbarschaft zu den umliegenden Quartieren, mit Firmen wie den Gebr. Heinemann, dem Spiegel-Verlag oder DNV Germanischer Lloyd, profitieren.

Auch mit dem Ende der Umbauarbeiten bis Herbst 2016 nimmt die Shanghai-allee mit ihren breiten Bürgersteigen und einem vergleichsweise höheren Verkehrs-aufkommen immer mehr den Charakter einer urbanen Geschäfts- und Wohnstraße an. Als hochwassergeschützte große Achse schon früh angelegt, verläuft dieser Straßenzug der zentralen HafenCity von der Speicherstadt im Norden bis zur HafenCity Universität an der Übersee-allee im Süden. Den Eindruck eines großstädtischen Boulevards vermitteln schon jetzt die bereits fertigen Gebäude NIDUS, Ökumenisches Forum und Musikerhaus im gegenüberliegenden Elbtorquartier sowie das Automuseum Prototyp und das erste fertiggestellte große Wohngebäude direkt am Lohsepark. Im Laufe der kommenden Monate und Jahre kommen mit der Entwicklung der weiteren Gebäude noch zusätzliche Läden und andere publikumsbezogene Erdgeschossnutzungen mit urbanem Charakter hinzu.

Quartiersprofil

  • Größe 12,5 ha
    Gesamt BGF: 215.000 qm

  • Arbeitsplätze und gewerbliche Nutzungen
    Arbeitsplätze: ca. 3.000
    Nutzungen: Büro, Dienstleistung, Hotel, Gastronomie, Einzelhandel

  • Wohnungen
    730

  • Besondere Einrichtungen
    Dokumentationszentrum und Gedenkort Hannoverscher Bahnhof, Automuseum Prototyp, Gymnasium und Kindergärten

  • Entwicklungszeitraum
    2012 bis 2020

 



Der ehemalige Hannoversche Bahnhof