Quartiere

Vom Ort industrieller Pioniere zum zentralen grünen Stadtquartier

Auf historischem Industrie- und Bahnhofsgelände entsteht ein familienfreundliches Wohnquartier mit der größten Grünfläche der HafenCity in seiner Mitte - dem Lohsepark

Das Foto zeigt das Areal der Quartiere Am Lohsepark und Elbtorquartier aus der Vogelperspektive

Der grüne "Central Park" der HafenCity wird von Wasserflächen eingerahmt sein. Zurzeit wird die Fläche des zukünftigen Lohseparks noch von einer Spedition genutzt. (© Kuhn / Fotofrizz) Bilderserie starten

Eingerahmt von Wasserflächen, entsteht in der zentralen HafenCity ein attraktiver Stadtraum mit dem Lohsepark als "grüner Seele". Indem sich sämtliche Gebäude westlich und östlich an die Grünanlage anschließen, wird die Tradition hanseatischer Stadtentwicklung weitergeführt, inmitten von Wohn- und Arbeitsquartieren ausgedehnte Parks zu schaffen. Ausgangspunkt der Quartiersentwicklung ist das zum Teil denkmalgeschützte Backsteinensemble am Lohseplatz, u. a. Sitz des privat geführten Automuseums Prototyp und der gemeinnützigen DO School. Das hervorragend sanierte architektonische Schmuckstück ist ein ehemaliges Firmengebäude der Harburger Gummi-Kamm-Compagnie, einem Pionier der Industrialisierung Hamburgs. In unmittelbarer Nachbarschaft wird es durch drei Neubauten ergänzt (67–69).
Grundsätzlich werden in dem Quartier geschlossene Blockstrukturen mit fünf bis sieben Geschossen realisiert, die sich rund um den zentralen Lohsepark herum gruppieren. Die direkte Verbindung über den Brooktorhafen nach Norden sichert die seit Juni 2014 fertig sanierte Ericus-Brücke – eine 1870 erbaute, ehemalige Eisenbahn-Drehbrücke. Alle Gebäude im Quartier auf Grundstücken des Sondervermögens sollen zudem nach den Standards des HafenCity Umweltzeichens in Gold errichtet werden.

Familienfreundliches Wohnen am Park

Das Thema Wohnen nimmt am Lohsepark immer konkretere Formen an. In den zwei jeweils rund 20.000 m2 BGF umfassenden Entwicklungen zwischen Shanghaiallee und Yokohamastraße entsteht ein urbanes Areal aus insgesamt etwa 300 Miet-, Sozial-, Baugemeinschafts- und Eigentumswohnungen sowie vielfältigen öffentlichen Nutzungen direkt am Park.

Im Sommer 2013 hatten die Otto Wulff Projektentwicklung GmbH (OWP), die KOS Wulff Immobilien GmbH und die Gemeinnützige Baugenossenschaft Bergedorf-Bille eG das rund 5.000 Quadratmeter große nördliche Grundstück (70) erworben. Während die KOS GmbH neben Gewerbeflächen und Räumen für Praxen und Büros insgesamt 54 Wohnungen errichtet (teilweise in Zusammenarbeit mit dem Verein Leben mit Behinderung Hamburg e. V. (LmBHH) für körperlich eingeschränkte Bewohner konzipiert), verantwortet Bauherr OWP eine Kindertagesstätte sowie 47 Eigentumswohnungen. Die Baugenossenschaft Bergedorf-Bille realisiert ebenfalls eine Kindertagesstätte sowie 58 zum Teil öffentlich geförderte Wohnungen. Außerdem sind Gemeinschaftsräume als Begegnungsstätten für die Bewohner vorgesehen. Die Bauarbeiten schreiten voran, schon Ende 2015 wird ein Großteil der insgesamt 159 Wohnungen des Gebäudekomplexes bezugsfertig sein.

Das Wohngebäude auf dem Nachbargrundstück (71) errichtet eine von Stattbau Hamburg und der Conplan GmbH betreute große Baugemeinschaftsgruppe sowie das Hamburger Unternehmen Behrendt Wohnungsbau und die Frank-Gruppe. In dem von den Architekten Dinse Feest Zurl (Hamburg), Springer (Berlin) und Siebrecht Münzesheimer/BOF (Hamburg) entworfenen Ensemble entstehen Eigentumswohnungen, Lofts, geförderte Mietwohnungen, gewerbliche Erdgeschossnutzungen und eine Kita. Besonderheiten des Projekts sind unter anderem eine Dachlandschaft mit Terrassen, Gartenlauben, Gewächshäusern und Aussichtspunkten sowie der als grüner Erholungs- und Begegnungsort genutzte Innenhof. Erster Spatenstich für den nördlichen Baugemeinschaftsgebäudeteil war im Sommer 2014.

Das hieran südlich angrenzende, westlich des Parks gelegene Eckgrundstück zur Überseeallee (72) wurde im Mai 2013 an die Harmonia Immobilien GmbH anhandgegeben. Prädestiniert durch die besondere Lage direkt gegenüber der Hafen-City Universität (HCU), entstehen hier auf ca. 19.000 m2 BGF öffentlich geförderte studentische Wohnungen, aber auch frei finanzierter Wohnungsbau, ein Hotel sowie publikumsbezogene Erdgeschossnutzungen. Der Architekturwettbewerb ist mittlerweile entschieden: Während die Wohnanteile nach den Entwürfen der Braunschweiger Architekten KSP Jürgen Engel Architekten GmbH entstehen, wurde der Hotelbereich von der Kister Scheithauer Gross Architekten und Stadtplaner GmbH, Köln, entworfen.

Das ehemalige Zollgrundstück im Norden (66), eines der wenigen nicht im Eigentum des Sondervermögens befindli-chen Grundstücke, kann mit ca. 9.000 m2 BGF für eine gemischte Nutzung mit Wohnanteil bebaut werden. Östlich des Lohseparks wird ab 2017 ein Schulzentrum mit Gymnasium errichtet, das auch als Nachbarschaftszentrum dienen soll. Darüber hinaus sind nicht nur weitere Wohnungen im Zusammenhang mit der Blockschließung beim Automuseum Prototyp vorgesehen, auch der Bereich östlich der Grünanlage ist für eine vielfältige Wohnnutzung, aber auch für gewerbliche Flächen (74–76) vorgesehen. Denkbar ist ein vielseitiges Viertel mit kleinteiligen Mischnutzungen und intensiven Beziehungen zur kreativen Nachbarschaft. Über die Hälfte der Flächen sind für die Schaffung von Wohnraum vorgesehen, darunter ein Drittel gefördert. Entstehen können Eigentumswohnungen, Miet- und Genossenschaftswohnungen, aber auch Studentenwohnungen.

Der größte Park der HafenCity

Basierend auf dem auf der Grundlage des städtebaulichen Masterplans entwickelten Freiraumkonzepts von Vogt Landschaftsarchitekten AG (Zürich) ist der in der Tradition der Hamburger Volksparks stehende Lohsepark mit seinen 4 ha Gesamtfläche die größte zusammenhängende Grünanlage der HafenCity mit weitreichenden stadträumlichen, sozialen und ökologischen Funktionen. Geprägt durch eine freie Sichtachse von der Ericusspitze bis zur Elbe, erstreckt er sich wie ein langes grünes Band von Wasser zu Wasser. Großzügige, von einem lockeren Wegenetz durchzogene Rasenflächen, Sitzgruppen und Spielmöglichkeiten laden künftig junge und alte Bewohner, aber auch Besucher zum Verweilen ein.

Mit der Eröffnung des Lohseplatzes zum Evangelischen Kirchentag wurde im Frühjahr 2013 der erste Parkabschnitt fertiggestellt, anschließend folgte die Einweihung der südlichen Treppenanlage zum Baakenhafen. War die weitere Entwicklung lange durch einen bestehenden Mietvertrag mit dem Eigentümer der ehemaligen Lagerhalle blockiert, erfolgt die Gesamtfertigstellung nun bis Frühjahr 2016 – und damit erheblich früher als vorgesehen. Nach dem vorgezogenen Abriss der Halle läuft derzeit die aufwendige Flächenvorbereitung. Die gestalterischen Arbeiten und Baumpflanzungen im zentralen Parkbereich starten danach, im Frühjahr 2015. Teile des Parks nördlich der Überseeallee werden bereits 2014 fertiggestellt und sind dann ab Frühjahr 2015 nutzbar.

Gedenkort im Zentrum des Parks

Dort, wo heute der Lohsepark in Abschnitten entsteht, stand einst das während des Kriegs stark beschädigte und im Jahr 1955 vollständig gesprengte Gebäude des Hannoverschen Bahnhofs. In Erinnerung an die Vergangenheit des Orts wird im Zuge der Parkgestaltung ein angemessen würdevoller Ort des Gedenkens an die Opfer der Deportationen von Juden, Roma und Sinti aus Hamburg errichtet – an einem authentischen Platz, der gleichzeitig Teil des öffentlichen Alltagsraums der zentralen Innenstadt ist. Eine diagonal den Lohsepark durchziehende Fuge nimmt den Verlauf der ehemaligen Gleisanlagen auf und verbindet den neu entstehenden Gedenkort, der die authentischen Fragmente des Bahnsteigs 2 behutsam integriert, mit dem Ort des einstigen Bahnhofsvorplatzes am Lohseplatz. In unmittelbarer Nähe, in einem Dokumentationszentrum, findet zukünftig die Ausstellung "In den Tod geschickt" mit der Darstellung der Deportationen von Juden sowie Roma und Sinti aus Hamburg von 1940 bis 1945 ihren endgültigen Ort.

Firmen komplettieren urbanen Stadtraum

Neben einem lebendigen Wohnmix und der Grünfläche werden – wie in der mischgenutzten HafenCity insgesamt üblich – auch Unternehmen das Quartiersleben mitprägen. An der Ecke Shanghaiallee/Koreastraße errichtet der Hamburger Mineralölkonzern Marquard & Bahls derzeit seine neue Unternehmenszentrale. Voraussichtlich Anfang 2016 wird das neue Gebäude (65) bezugsfertig sein und auf einer Fläche von 18.000 m2 rund 700 Arbeitsplätze unter einem Dach vereinen. Im Erdgeschoss werden Einzelhandel und Gastronomie angesiedelt.

Außergewöhnlich ist der vorgesehene dreigeschossige Stadtbalkon entlang des Brooktorhafens, der das innere Atrium mit dem Stadtraum verbindet. Die Planung des markanten Neubaus stammt vom Büro Gewers & Pudewill (Berlin). Mit der Ansiedlung weiterer Unternehmen – das nördlichste Grundstück östlich des Lohseparks (73) steht ebenfalls für Firmenansiedlungen zur Verfügung – entsteht auch am Brooktorhafen ein attraktiver Arbeitsort mit Unternehmen verschiedener Größe, die von der direkten Nachbarschaft zu den umliegenden Quartieren, mit Firmen wie den Gebr. Heinemann, dem Spiegel-Verlag oder DNV Germanischer Lloyd, profitieren.

Gleichzeitig nimmt die Shanghaiallee mit ihren breiten Bürgersteigen und einem vergleichsweise höheren Verkehrsaufkommen immer mehr den Charakter einer urbanen Wohn- und Geschäftsstraße an. Als hochwassergeschützte große Achse schon früh gebaut, verläuft dieser Straßenzug der zentralen Hafen-City von der Speicherstadt im Norden bis zur HafenCity Universität im Süden. Den Eindruck eines großstädtischen Boulevards vermitteln schon jetzt die bereits fertigen Gebäude NIDUS, Ökumenisches Forum und Musikerhaus im gegenüberliegenden Elbtorquartier sowie das Automuseum Prototyp. Im Laufe der kommenden Monate und Jahre kommen mit der Entwicklung der weiteren Gebäude noch zusätzliche Läden und andere publi-kumsbezogene Erdgeschossnutzungen mit urbanem Charakter hinzu.

Quartiersprofil

  • Größe 12,5 ha
    Gesamt BGF: 200.000 m²

  • Arbeitsplätze und gewerbliche Nutzungen
    Arbeitsplätze: ca. 3.000
    Nutzungen: Büro, Dienstleistung, Hotel, Gastronomie, Einzelhandel

  • Wohnungen
    750

  • Besondere Einrichtungen
    Dokumentationszentrum und Gedenkort Hannoverscher Bahnhof, Automuseum Prototyp, Gymnasium und Kindergärten

  • Entwicklungszeitraum
    2012 bis 2020

 



Der ehemalige Hannoversche Bahnhof