Quartiere

Kleinteilig und lebendig: Das erste Quartier der HafenCity

Mit dem Sandtorkai / Dalmannkai wurde im Nordwesten der HafenCity das erste Quartier komplettiert

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150 Jahre alt und doch so lebendig: Am 11. August 1866 eröffnete mit dem Sandtorhafen das erste künstlich angelegte Hafenbecken der Hansestadt – der Startschuss für Hamburgs modernen Hafen. Doch Stückgut ist hier Geschichte, heutzutage prägt stattdessen eine lebendige urbane Nachbarschaft am Wasser das Herzstück des ersten vollendeten Quartiers der HafenCity. Nach sechs Jahren Bauzeit wurde im Frühjahr 2009 das Quartier Am Sandtorkai/Dalmannkai fertiggestellt. Heute bilden die Pontons des dortigen Traditionsschiffhafens einen schwimmenden Platz, der bis zu 30 historischen Schiffen einen Liegeplatz bietet und von Bewohnern, Besuchern und Beschäftigten zur Erholung und zum Promenieren genutzt wird.

Nördlich des Hafenbeckens liegt der Sandtorkai, an den die denkmalgeschützte Speicherstadt angrenzt. Südlich erstreckt sich die Landzunge des Dalmannkais mit dem Grasbrookhafen. Die acht Gebäude des Sandtorkais und die 15 Gebäude des Dalmannkais gewähren weite Durchblicke bis auf die innere Stadt sowie zur Elbe.

Offene und mehrdimensionale Topografie

Die gesamten Stadträume erstrecken sich vorrangig auf zwei Ebenen. Während alle Hochbauten und Straßen auf künstlich erhöhten, hochwassergeschützten Warftsockeln ca. 8 m ü. NN liegen, entstanden die Uferpromenaden auf 4–5,5 m ü. NN. Besonders klar erkennbar ist der Höhensprung im Norden des Sandtorkais. Dort liegt die Straße Am Sandtorkai aus Rücksicht auf die Speicherstadt ausnahmsweise auf dem niedrigen Niveau der Speicherstadt, die neu entstandenen Gebäudesockel wirken hier wie ein Wall.

Die Pontons des Traditionsschiffhafens bilden auf dem Wasser gewissermaßen noch eine dritte Ebene, die sich mit den Gezeiten zweimal täglich um mehr als 3 Meter hebt und senkt. Und die Plaza der Elbphilharmonie fügt dem ganzen sogar noch eine vierte Ebene hinzu: In 37 Meter Höhe bietet dieser öffentliche Raum des Konzerthauses spektakuläre Ausblicke über die HafenCity und die Elbe.

Unmittelbar davor gelegen, bietet die neue Mahatma-Gandhi-Brücke zwischen den Straßen Sandtorkai und Am Kaiserkai Fußgängern seit Januar 2016 einen fünf Meter breiten Gehweg bei einer Straßenbreite von 8,50 Metern, wodurch Fahrzeuge ausreichend Platz finden, um kurzzeitig zum Ein- und Aussteigevorgang anzuhalten, ohne dabei den fließenden Verkehr zu stören. Gleichzeitig wurde durch den Umbau der durchgängige Fußweg zwischen Landungsbrücken und HafenCity sichtlich attraktiver.

Die Magellan-Terrassen und die Marco-Polo-Terrassen setzen als größte Plätze der gesamten HafenCity deren typische mehrdimensionale Topografie fort: Die 5.600 m2 umfassenden Magellan-Terrassen treppen sich wie ein Amphitheater ans Wasser hinab. Die Stufen der 7.800 m2 großen Marco-Polo-Terrassen laden auf Grasinseln und Holzdecks unter Bäumen zum Verweilen ein. Ergänzend bietet der Vasco-da-Gama-Platz als kleinerer Nachbarschaftsplatz noch eine Basketballspielmöglichkeit.

Während nahezu alle Plätze und Promenaden der gesamten westlichen Hafen-City von EMBT (Barcelona) geplant wurden, war für die Gestaltung des Sockels und der Promenade am Sandtorkai BHF Landschaftsarchitekten (Kiel) verantwortlich. Überhaupt spiegelt sich auch in der Architektur die Vielfalt des Quartiers wider: Allein bei den 15 Gebäuden des Dalmannkais sorgten 27 Bauherren und 26 Architekturbüros für ein hohes Maß an Diversität.

Viele Lebensstile nebeneinander

Ebenso ausdifferenziert wie das Stadtbild ist die Mischung der Lebensstile der Bewohnerschaft. Rund 1.000 Menschen leben im Quartier, darunter junge berufstätige Singles genauso wie Familien oder ältere Paare und Senioren nach Auszug der Kinder. Gemeinsam engagieren sie sich in Sport- oder Kulturvereinen und knüpfen dabei zahlreiche soziale Verbindungen wie den Verein „Netzwerk HafenCity“. Zur Förderung dieser vielschichtigen Sozialstruktur gab es gezielte Interessenbekundungsverfahren. Die Grundstücke für den Wohnungsbau wurden seit 2003 nicht meistbietend verkauft, sondern gingen nach einer Anhandgabephase zu vorab fixierten Festpreisen an den Bauherrn mit dem besten Nutzungskonzept. Somit sind von den Miet- und Eigentumswohnungen viele für Bezieher mittlerer Einkommen finanzierbar, einige entstanden aber auch im Luxussegment. Deutlich preiswerterer Wohnraum wurde durch Wohnungsbaugenossenschaften und drei Baugemeinschaften entwickelt.

Neben den Bewohnern prägen auch die Angestellten der etwa 50 ansässigen Unternehmen das Quartier. Angesiedelt haben sich hier vor allem moderne Dienstleister aus der Medien- und der Logistikbranche. Ständig mischen sich die Beschäftigten mit Bewohnern und Besuchern – u. a. in den Erdgeschossen nahezu aller Gebäude des Quartiers, wo eine große Vielfalt an Gastronomen, Einzelhändlern und kulturellen Nutzungen für ein breites Angebot sorgen. Über insgesamt rund 6.500 m2 erstrecken sich Geschäfte, Cafés, Restaurants, Galerien und Bars. Im Rahmen eines Großprojekts gelang es hier somit erstmalig, publikumsbezogene Nutzungen in größerem Maße funktional in die Erdgeschosse zu integrieren. Die in den Kaufverträgen und Bebauungsplänen verankerte Forderung nach durchweg fünf Meter hohen Erdgeschossen in den Gebäuden, der reduzierte Preis für EG-Geschossbodenwerte und die Verpflichtung der Bauherren, passende Nutzer zu suchen, erzeugen die Voraussetzung für die entstandene und mit der Elbphilharmonie noch deutlich weiter wachsende Lebendigkeit.

Das Prinzip der dichten Nutzungsmischung ist jedoch auch mit Herausforderungen verbunden, für die es innovative Lösungen zu finden galt. Um den Bewohnern geschützte Privaträume zu bieten, gruppieren sich die Ensembles auf dem südlichen Dalmannkai um Innenhöfe, die freie Ausblicke über den Grasbrookhafen und die Elbe bieten, gleichzeitig aber von der tiefer gelegenen Promenade aus schwer einsehbar sind. Privatheit und Öffentlichkeit bilden im Quartier Am Sandtorkai/Dalmannkai somit keinen Widerspruch: Ihr Neben- und Miteinander ist sogar ein entscheidendes Qualitätsmerkmal des Quartiers wie auch der gesamten HafenCity.

Quartiersprofil

  • Größe 10,9 ha
    Gesamt BGF: 261.000 qm

  • Arbeitsplätze und gewerbliche Nutzungen
    Arbeitsplätze: ca. 2.700
    Nutzungen: Unternehmen, Büro, Einzelhandel, Gastronomie

  • Wohnungen
    746 (zzgl. 44 in der Elbphilharmonie)

  • Besondere Einrichtungen
    Elbphilharmonie, Traditionsschiffhafen

  • Entwicklungszeitraum
    2003 bis 2009