Quartiere

Kleinteilig und lebendig: Das erste Quartier der HafenCity

Mit dem Sandtorkai / Dalmannkai wurde im Nordwesten der HafenCity das erste Quartier komplettiert

Das Foto zeigt eine Luftaufnahme des Quartiers Am Sandtorkai/Dalmannkai

Der Traditionsschiffhafen - eine schwimmende Flaniermeile - stellt das Zentrum des städtebaulichen Ensembles Am Sandtorkai / Dalmannkai dar. Äußerst beliebt sind vor allem die beiden Terrassen (Marco-Polo-Terrassen und Magellan-Terrassen) mit ihren vielfältigen gastronomischen Angeboten. (© Kuhn / Fotofrizz) Bilderserie starten

Es ist ein Nebeneinander von Nachbarschaft und Urbanität am Wasser, das hier das Flair entscheidend prägt: Im Frühjahr 2009 wurde nach sechs Jahren Bauzeit das Quartier Am Sandtorkai/-Dalmannkai als erstes Quartier der HafenCity fertiggestellt. Im seinem Zentrum erstreckt sich der Sandtorhafen. Die Pontons des darin eingebetteten Traditionsschiffhafens bilden einen schwimmenden Platz, der bis zu 30 historischen Segelschiffen einen Liegeplatz bietet.

Nördlich des Hafenbeckens liegt der Sandtorkai, auf dessen anderer Seite sich die denkmalgeschützte Speicherstadt anschließt; südlich erstreckt sich die Landzunge des Dalmannkais mit dem Grasbrookhafen. Die acht Gebäude des Sandtorkais und die 15 Gebäude des Dalmannkais gewähren weite Durchblicke bis auf die innere Stadt sowie zur Elbe.

Offene und mehrdimensionale Topografie

Die Stadträume erstrecken sich zunächst auf zwei Ebenen. Während sich alle Hochbauten und Straßen auf künstlich erhöhten, hochwassersicheren Warftsockeln ca. 8 m ü. NN befinden, verbleiben die Uferpromenaden auf 4–5,5 m ü. NN. Besonders klar erkennbar ist der Höhensprung im Norden des Sandtorkais. Dort liegt die Straße Am Sandtorkai aus Rücksicht auf die Speicherstadt ausnahmsweise auf niedrigem Niveau, neue Gebäudesockel wirken hier wie ein Wall. Die Pontons des Traditionsschiffhafens bilden eine dritte Ebene auf dem Wasser, die sich mit den Gezeiten zweimal täglich um mehr als 3 m hebt und senkt. Mit der Elbphilharmonie wird es künftig an der Spitze des Dalmannkais sogar noch eine vierte Ebene geben: In 37 m Höhe bietet eine öffentliche Plaza in dem Konzerthaus spektakuläre Ausblicke über die HafenCity und die Elbe. Bis zu ihrer Fertigstellung 2017 ist die Elbphilharmonie das einzige noch im Bau befindliche Gebäude des Quartiers.

Ab Sommer 2014 wird zudem die Mahatma-Gandhi-Brücke über den Sandtorhafen erneuert. Mit 5 m auf der westlichen und 3 m auf der östlichen Seite ist die neue Querung wesentlich breiter und großzügiger als die alte Klappbrücke und stellt damit für Fußgänger sowie Fahrgäste der U-Bahn-Linie U3 eine komfortable Verbindung nicht nur zur Elbphilharmonie, sondern in die HafenCity generell dar. Gleichzeitig wird der durchgängige Fußweg zwischen Landungsbrücken und HafenCity sichtbar attraktiver.

Die Magellan-Terrassen und die Marco-Polo-Terrassen, die beiden größten Plätze des Quartiers und der gesamten HafenCity, setzen die mehrdimensionale Topografie fort: Die 5.600 m2 großen Magellan-Terrassen treppen sich wie ein Amphitheater ans Wasser hinab. Die Stufen der 7.800 m2 großen Marco-Polo-Terrassen laden auf Grasinseln und Holzdecks unter Bäumen zum Verweilen ein. Ergänzend bietet der Vasco-da-Gama-Platz als kleinerer Nachbarschaftsplatz eine Basketballspielmöglichkeit.

Fast alle Plätze und Promenaden des Quartiers und der gesamten westlichen HafenCity plante das Büro EMBT aus Barcelona. Sockel und Promenade am Sandtorkai gestalteten indes BHF Landschaftsarchitekten. Hierfür erhielten die Kieler 2008 den Preis „Beste Projekte 1989–2008“ des Jahrbuchs „Architektur in Hamburg“. Überhaupt spiegelt sich in der Architektur die Vielfalt des Quartiers wider: Allein auf dem Dalmannkai wurden die 15 Gebäude von 27 Bauherren und 26 Architekturbüros geplant, um eine ausreichende Diversität auszubilden.

Viele Lebensstile nebeneinander

Ebenso ausdifferenziert wie das Stadtbild ist die Mischung der Lebensstile in unmittelbarer Nachbarschaft: Rund 1.500 Menschen leben und arbeiten im Quartier. Junge, berufstätige Singles und Familien wohnen neben sogenannten Empty Nesters (Paare nach Auszug der Kinder) und Senioren. Gemeinsam engagieren sie sich in Sport- oder Kulturvereinen und knüpfen dabei zahlreiche Netzwerke wie den Verein HafenCity Netzwerk e. V.

Zur Förderung dieser äußerst vielschichtigen Sozialstruktur gab es gezielte Ausschreibungs- und Vergabeverfahren. Die Grundstücke für den Wohnungsbau wurden seit 2003 nicht meistbietend verkauft, sondern zu vorab fixierten Festpreisen demjenigen Bauherrn mit dem besten Nutzungskonzept anhandgegeben. Von den Miet- und Eigentumswohnungen sind viele für mittlere Einkommen finanzierbar, einige entstanden im Luxussegment. Deutlich preiswerterer Wohnraum konnte durch Wohnungsbaugenossenschaften und drei Baugemeinschaften entwickelt werden.

Neben den Bewohnern prägen die Angestellten von etwa 50 Unternehmen das Quartier. Vor allem moderne Dienstleister haben sich angesiedelt. Am stärksten vertreten sind die Medien- und Logistikbranchen und, solange in der HafenCity gebaut wird, auch die Baudienstleister. Bewohner, Beschäftigte und Besucher treffen sich in den Geschäften, Bistros, Cafés, Restaurants, Galerien und Bars, die in den Erdgeschossen der meisten Gebäude auf insgesamt fast 6.500 m2 BGF eröffnet haben.

In diesem Quartier ist es erstmals in einem neuen Großprojekt gelungen, publikumsbezogene Nutzungen in größerem Maße in die Erdgeschosse zu integrieren. Die Forderung nach 5 m hohen Erdgeschossen in Kaufverträgen und Bebauungsplänen, der reduzierte Preis für EG-Geschossbodenwerte und die Verpflichtung der Investoren, solche Nutzer zu suchen, erzeugen die Voraussetzung für die entstehende, mit der Elbphilharmonie noch deutlich weiter wachsende Lebendigkeit.

Das Prinzip der dichten Nutzungsmischung ist allerdings auch mit Herausforderungen verbunden, für die es innovative Lösungen zu finden galt. Da die Bewohner auch geschützte Privaträume benötigen, gruppieren sich die Ensembles auf dem südlichen Dalmannkai um Innenhöfe, die freie Ausblicke über den Grasbrookhafen und die Elbe bieten, gleichzeitig aber von der tiefer gelegenen Promenade aus schwer einsehbar sind. Privatheit und Öffentlichkeit bilden im Quartier Am Sandtorkai/Dalmannkai somit keinen Widerspruch: Ihr Neben- und Miteinander ist ein entscheidendes Qualitätsmerkmal des Quartiers und der gesamten HafenCity.

 Quartiersprofil

  • Größe 10,9 ha
    Gesamt BGF: 261.000 m2

  • Arbeitsplätze und gewerbliche Nutzungen
    Arbeitsplätze: ca. 2.700
    Nutzungen: Unternehmen, Büro, Einzelhandel, Gastronomie

  • Wohnungen
    746 (ohne Elbphilharmonie)

  • Besondere Einrichtungen
    Elbphilharmonie, Traditionsschiffhafen

  • Entwicklungszeitraum
    2003 bis 2009