Quartiere

Wohnen, Freizeit und Arbeiten in doppelter Wasserlage

Am größten Hafenbecken der HafenCity entsteht eine dichte Mischung aus intensiver Wohn- und Freizeitnutzung, grünen Freiräumen und Arbeitsplätzen


Das Luftbild zeigt das Quartier Baakenhafen

Auf dem mehr als einen Kilometer langen Areal entsteht eine dichte Mischung aus intensiver Wohn- und Freizeitnutzung, grünen Freiräumen und Arbeitsplätzen (© Kuhn / Fotofrizz) Bilderserie starten

In den kommenden Jahren entsteht auf beiden Seiten des längsten Hafenbeckens der HafenCity ein nachhaltiges „urbanes Dorf“ inmitten der Großstadt. Rund um den Baakenhafen entwickelt sich ein grünes Wohn- und Freizeitquartier mit einem differenzierten, teilweise geförderten Wohnangebot für Familien, Studenten und Senioren, aber auch mit vielen Arbeitsplätzen. Topografisches Zentrum wird der Baakenpark, eine 1,6 ha große, künstlich angelegte Halbinsel im Wasser, die weitreichende Funktionen erfüllt: einerseits als Grünfläche und Erholungsgebiet, andererseits als Verbindung zwischen dem nördlichen und dem südlichen Quartiersteil. Während im Norden seit Frühsommer 2015 die ersten Baumaschinen rollen, stehen seit Sommer 2015 die ersten Architekten für das Kernareal des südlichen Teils fest. Hier werden 2016 die Bauarbeiten beginnen. Voraussichtlich bis 2021 wird das gesamte Quartier bis auf Einzelvorhaben im Nordosten fertiggestellt sein.

Grosse Höfe zum Wasser

Den städtebaulichen Wettbewerb für das Quartier entschied im August 2011 das Büro APB Architekten (Hamburg) für sich. Der Entwurf überzeugt insbesondere mit der moderaten Höhenstaffelung der geplanten Gebäude. Durchweg sind vier bis sieben Geschosse, halb offene Blockstrukturen sowie einige kleinere, offene Varianten vorgesehen. Das südliche Teilareal erhält zur Elbseite hin eine Bebauungsstruktur mit großzügigen Höfen, die sich zur Elbe hin öffnen und dennoch eine prägnante Stadtkante ausbilden.

Die rhythmisierte Blockbebauung der nördlich, zwischen Hafen und Versmannstraße, gelegenen Grundstücke mit ihren unterschiedlich genutzten Gebäuden gewährleistet einen deutlichen Schutz vor Lärmemissionen der Versmannstraße und der Bahntrasse: Zur Straße einen Riegel bildend, öffnen sich die Gebäude zum Baakenhafen hin. Dank dieser städtebaulichen Konzeption werden die zum Wasser ausgerichteten Höfe vom Lärm abgeschirmt. Damit erhalten auch die zur Straße gelegenen Wohnungen eine lärmgeschützte Seite im Süden, da kleine, nur nach Norden ausgerichtete Wohnungen nicht möglich sind, sondern Wohnungen „durchgestochen“ werden, sie also immer auch eine Südlage besitzen.

Erster Baubeginn

Einen wichtigen Schritt in der Quartiersentwicklung markierte die Eröffnung der vielfach prämierten Baakenhafenbrücke im August 2013. Die 170 m lange Querung ist weit mehr als eine Quartiersbrücke. Sie sichert die Erschließung der östlichen HafenCity und zeitweise – während des Neubaus der Versmannstraße und der Verlängerung der U4 – die Verkehrsführung von und nach Hamburgs Süden. Das Mittelstück der damit beispielsweise ein großes Museumsschiff weiterhin in den Baakenhafen gelangen kann.

Für die beiden Grundstücke am nordwestlichen „Eingang“ des Quartiers schreiten die Entwicklungen derweil weiter voran. An der Kreuzung Versmannstraße/ Grandeswerderstraße, direkt gegenüber der HafenCity Universität, wurde im Dezember 2014 der Architekturwettbewerb für das Projekt „Campustower“ entschieden (80). Es entstehen ein 15-geschossiger Büroturm mit Riegel sowie ein südlicher, ruhig am Wasser gelegener Baukörper, in dem ein Drittel geförderte Mietwohnungen und Eigentumswohnungen entstehen. Nach Entwürfen von Delugan Meissl Associated Architects (Wien) und sop architekten (Düsseldorf)  entwickelt die GARBE Immobilien-Projekte GmbH rund 22.000 m2 Geschossfläche. Der Baubeginn erfolgt 2016.

Gleich nebenan laufen seit Frühsommer 2015 die ersten Bautätigkeiten. Während DS-Bauconcept hier ein Familienhotel für die Jufa-Gruppe mit 220 Zimmern und gezielten Angeboten für Kinder und Jugendliche baut, verantwortet die Justus Grosse Projektentwicklung GmbH rund 150 öffentlich geförderte und frei finanzierte Wohnungen zwischen Versmannstraße und Hafenbecken (81a/b). Die Planungen stammen von KBNK Architekten und PFP Architekten (beide Hamburg). Das östlich am Gerda-Gmelin-Platz gelegene Grundstück (83a) wurde im Juni 2015 für eine ganz besondere Sportnutzung an die P&B SportsDome Management GmbH anhandgegeben. Nach einem erfolgreichen Architekturwettbewerb kann die Bebauung auf dem Grundstück ab 2016/17 erfolgen.

Urbanes Dorf

Auf dem südlichen Quartiersteil entsteht rund um den Lola-Rogge-Platz ein „urbaner Dorfkern“, der einen attraktiven Markplatz mit allen wichtigen Funktionen für die östliche HafenCity umfasst. Neben einem Frischemarkt sind in den Lauflagen kleinere Läden, eine Drogerie und weitere Dienstleistungen, darunter Ärzte und eine Apotheke, vorgesehen. Östlich anschließend, zwischen Baakenallee und Baakenpark, eröffnet 2018 zudem ein Bildungs- und Freizeitzentrum mit einer Grundschule und einer Kita mit 200 Plätzen. Mit 75 Prozent ist der Flächenanteil der Wohnungen im Quartier etwa so hoch wie am Dalmannkai, doch bereits in den ersten Gebäuden des südlichen Quartierteils zeichnet sich eine erheblich größere Vielfalt und stärkere Durchmischung ab: 44 Prozent der Wohnflächen entstehen im Segment des geförderten Wohnungsbaus (1. und 2. Förderweg). Rund um den Lola-Rogge-Platz übernimmt ein Wohnungsbauunternehmen überdies die konzeptionell vielfältige Bebauung mit Mietangeboten unter anderem für Menschen mit Behinderung, für Pflegebedürftige und für Studierende.

Nach den ersten Anhandgaben von insgesamt acht Grundstücken – darunter auch vier der von Shigeru Ban entworfenen Wasserhäuser – an elf Anhandnehmer Ende 2014 (siehe Grafik S. 41), stehen seit Juli 2015 weitere Architekturen fest. Aus dem ersten Architekturwettbewerb für Kerngebiete (91–93) gingen die Büros Lorenzen (Hamburg), Max Dudler (Berlin), KPW (Hamburg), Meck (München), Schenk + Waiblinger (Hamburg) sowie 6a (London) siegreich hervor. Ein zweiter Wettbewerb endete im Herbst 2015. Kurz zuvor, im Herbst 2015, begann die nächste Auslobungsphase mit gut 600 weiteren Wohneinheiten für das Quartier Baakenhafen.

Grüne Insel im Hafenbecken

Im April 2012 entschied das Atelier Loidl (Berlin) den international ausgelobten Freiraumwettbewerb für sich. Der Siegerentwurf verbindet die abwechslungsreich geplanten Freizeitnutzungen geschickt mit der besonderen Hafenatmosphäre des Baakenhafenquartiers. Herzstück ist die 1,6 ha große Halbinsel Baakenpark, die ab 2017 mit Spielplatz, Spiel- und Gemeinschaftshaus, Bäumen und Wiesen zur aktiven Freizeitgestaltung und zum Erholen einlädt. Mit dem erfolgreichen Abschluss der Aufschüttarbeiten hat im Sommer 2015 die umfangreiche Freiraumgestaltung begonnen. Eine Fußgängerbrücke nach Norden nach dem Siegerentwurf der Hamburger Architekten von Gerkan, Marg und Partner (gmp) sowie Knippers Helbig Advanced Engineering aus Stuttgart schafft zukünftig eine weitere räumliche Integration zwischen den beiden Landlagen. An der Elbe entsteht darüber hinaus nach Nutzungsaufnahme der Versmannstraße ab 2018 schrittweise eine 30 m breite Elbpromenade, die entlang des Stroms bis nach Entenwerder führt und den Elberadweg integriert.

Häuser im Wasser

Wegweisend für den anspruchsvollen Gesamtcharakter des Quartiers ist die Architektur der im Hafenbecken entstehenden nachhaltigen Wohntürme „Wasserhäuser HafenCity“. Die Jury des Wettbewerbs, bestehend u. a. aus politischen Vertretern und Bewohnern der HafenCity, vergab im Juli 2012 insgesamt drei Preise. Während der 1. Preis an Shigeru Ban Architects Europe (Paris) ging, erhielt das Studio Gang Architects (Chicago) den 2. Preis. Szyszkowitz-Kowalski + Partner (Graz) wurde mit dem 3. Preis ausgezeichnet. Vier Wasserhäuser werden im zentralen Baakenhafenbecken nach den Shigeru-Ban-Entwürfen entstehen und wurden bereits anhandgegeben. An der Baakenhafenbrücke ist hingegen der Entwurf von Szyszkowitz- Kowalski + Partner für zwei Gebäude vorgesehen. Da die Wettbewerbsideen von Studio Gang konzeptionell nicht zu den anderen Gebäudeentwürfen passen, wird überlegt, die Konzeption später an einem anderen Ort zu verwirklichen.

Verkehrlich perfekt angebunden 

Verkehrlich wird das Quartier Baakenhafen hervorragend erschlossen sein. Bereits 2011 wurde mit dem Bau der Erschließungsstraßen und mit der Sanierung der historischen Kaimauern begonnen. Bis 2017 wird die zentrale Versmannstraße auf das flutgeschützte Niveau von mehr als 8 m ü. NN. aufgehöht und für zukünftige Verkehrsanforderungen ausgelegt. Zeitgleich zum Straßenbau erfolgt derzeit die Verlängerung der U4 von der Haltestelle HafenCity Universität bis zur Haltestelle Elbbrücken. Die Bauarbeiten schreiten voran, im Sommer 2015 wurde die aufwendige Kehr- und Abstellanlage im Rohbau fertiggestellt. Geplant ist die Fertigstellung der Strecke bis Ende 2018. Dann soll die U4 auch die östlichen Quartiere der HafenCity an das Hamburger U-Bahnnetz anbinden und einen Übergang zur S-Bahn bieten. Die Strecke zwischen den Haltestellen HafenCity Universität und Elbbrücken ist etwa 1,3 Kilometer lang, die Fahrzeit dauert rund zwei Minuten. Bis zur Baakenwerder Straße befindet sich die Bahn unterhalb der dann hochgelegten Versmannstraße und taucht in Richtung der Elbbrücken bis auf Brückenhöhe auf.

Nachhaltige Mobilität

Eine zukunftsweisende Verkehrsinfrastruktur soll den hoch verdichteten urbanen Raum der östlichen HafenCity prägen. Daher entsteht in den Quartieren Baakenhafen und Elbbrücken nicht nur ein attraktives ÖPNV-Angebot aus U-Bahn und Bussen, die Areale werden überdies zu einem flächendeckenden Labor für emissionsarme Mobilität. Hierfür erfüllen die Bauherren ein umfassendes Bündel nachhaltiger Kriterien: Sie verpflichten sich unter anderem, in allen Tiefgaragen 30 Prozent der Stellplätze mit Ladeinfrastrukturen für Elektromobile auszustatten und sich an der Entwicklung von Carsharing-Systemen mit hohem Elektrofahrzeuganteil zu beteiligen. Dabei sollen auch E-Bikes, Pedelecs und andere elektrische Kleinstfahrzeuge integriert werden. Während die Stadt Hamburg den bisher geltenden Stellplatzschlüssel von 0,6 Plätzen pro Wohneinheit abgeschafft hat, wird den Bauherren im Baakenhafen von vornherein eine neue Herangehensweise vorgegeben: Es wird nicht nach der Mindestanzahl von Stellplätzen gefragt, sondern nach möglichen Formen einer sehr flexiblen und bedarfsgerechten Mobilitätsversorgung, basierend auf einer reduzierten Zahl an Stellplätzen (0,4 pro Wohnung), um u. a. die Kosten des Wohnungsbaus zu reduzieren.

Quartiersprofil

  • Größe 24 ha
    Gesamt BGF: 395.000 qm

  • Arbeitsplätze und gewerbliche Nutzungen
    Arbeitsplätze: ca. 4.500 (inklusive Baakenhöft)
    Nutzungen: Büro, Freizeiteinrichtungen, Hotel, Einzelhandel, Gastronomie, Dienstleistungen

  • Wohnungen
    ca. 2.000

  • Besondere Einrichtungen
    1,6 ha große, künstlich aufgeschüttetes Grünareal für Spiel- und Freizeitangebote im Baakenhafen, Grundschule, Kita

  • Entwicklungszeitraum
    ab 2012 bis 2021 (bis auf Einzelvorhaben im Nordosten)