Quartiere

Das neue Wissensquartier der HafenCity

Östlich des Magdeburger Hafens wächst mit der HafenCity Universität und den Elbarkaden ein abwechslungsreiches Wissensquartier mit weiteren zukunftsweisenden Projekten, wie dem Ökumenischen Forum und dem Musikerhaus

Das Foto zeigt das Areal rund um den Magdebruger Hafen aus der Vogelperspektive

Zwischen Magdeburger Hafen im Westen, Brooktorhafen im Norden und dem Lohsepark im Osten entsteht ein ökologisch besonders nachhaltiges Wissensquartier. (© Kuhn / Fotofrizz) Bilderserie starten

Zwischen dem Magdeburger Hafen, dem Brooktorhafen und dem Quartier Am Lohsepark entsteht ein belebtes und abwechslungsreiches Quartier, dem die neue HafenCity Universität (HCU) mit 2.500 Studierenden und weitere zukunftsweisende Vorhaben ein ganz besonderes Flair verleihen. Mit seiner städtebaulichen Konzeption greift das Elbtorquartier unterschiedliche Typologien auf. Während im Süden bis zu 70 m hoch gebaut wird, entsteht im Osten, anknüpfend an den Bestand an der Hongkongstraße, eine rund 170 m lange Blockstruktur, die auch am Magdeburger Hafen aufgenommen wird.

Markante Brücke verbindetWest und Ost

Von der Speicherstadt führt ein Fußweg über die von dem österreichischen Architekten Dietmar Feichtinger und dem Hamburger Ingenieurbüro WTM Engineers entworfene León-Brücke direkt in den denkmalgeschützten Kaispeicher B (40) hinein. Der älteste Bau der HafenCity, 1879 nach den Entwürfen von Wilhelm Emil Meerwein und Bernhard Hanssen errichtet, wurde umfassend nach den Plänen von MRLV Markovic Ronai Voss Architekten (Hamburg) umgebaut und beherbergt seit Sommer 2008 das Internationale Maritime Museum Hamburg.

Folgt man der durch das Museum führenden Passage, so gelangt man auf einen Vorplatz, an dessen Wasserkante im Sommer 2012 der erste Barkassenanleger in der zentralen HafenCity eingeweiht wurde. Die daran anschließende Elbtorpromenade auf der Pier vor den Elbarkaden entlang des Magdeburger Hafens unterquert seit Herbst 2014 die Magdeburger Brücke und führt über den Buenos-Aires-Kai vorbei an der HCU bis ins Quartier Baakenhafen.Fußgänger und Radfahrer haben seitdem eine vollständig barrierefreie Verbindung  zwischen dem Elbufer am Baakenhafen und der Binnenalster.

Dabei passiert man mit der historischen, mittlerweile in Busanbrücke umbenannten Querung über den Magdeburger Hafen auch die für Fußgänger und Radfahrer bedeutendste Ost-West-Verbindung in der zentralen HafenCity. Sie verknüpft die westlichen und zentralen Quartiere mit der östlichen HafenCity. Wie die umliegenden Promenaden ist auch hier der von Beth Galí entworfene Freiraum mit streifenförmigem Naturstein gepflastert und großzügig nutzbar.

Einzigartige Elbarkaden

Im nördlichen Bereich des Quartiers bezog 2011 das Hauptzollamt Hamburg- Stadt, Zollamt HafenCity seinen von Winking Froh Architekten (Hamburg/Berlin) entworfenen Standort (46). Für den Erweiterungsneubau der Unternehmenszentrale der Gebr. Heinemann direkt gegenüber (42) laufen noch bis Sommer 2016 die Bauarbeiten. Nach dem Entwurf von gmp Architekten von Gerkan, Marg und Partner (Hamburg) dockt ein gläserner Verbindungsbau das neue Gebäude mit Tiefgarage, sechs Bürogeschossen und zwei Staffelgeschossen nach den Anforderungen des Umweltzeichens HafenCity in Gold an den bestehenden „Heinemann-Speicher“.

Südlich der Busanbrücke, am gesamten Ostufer des Magdeburger Hafens, eröffneten Ende 2013 die nach einem Entwurf von Bob Gysin + Partner BGP Architekten (Zürich) entstandenen Elbarkaden (43– 45), eines der innovativsten und nachhaltigsten Gebäude Europas. Statt einer einfachen Promenade bietet der nach den Anforderungen des HafenCity Umweltzeichens in Gold entstandene Gebäudekomplex eine hochwassergeschützte Arkade, 170 m lang, 8 m hoch und 10 m tief in das Gebäude integriert, sowie, dem vorgelagert, eine öffentliche Pier den Magdeburger Hafen entlang – die Elbtorpromenade. Auf dem Dach befinden sich Gärten und Spielgeräte für die Bewohner.

Die insgesamt 130 entstandenen Wohnungen ermöglichen unterschiedlichste Nutzungen – von Mehrgenerationenwohnungen über Wohn- und Arbeitslofts sowie Maisonetten bis hin zu barrierefreien Seniorenwohnungen. Einige Wohnungen greifen durch integrierte Ateliers zudem den Charakter der Elbarkaden als zentrale Hamburger Designstätte auf.

Den Designaspekt treiben insbesondere zwei Nutzer weiter voran: Mit designxport, dem wichtigsten Netzwerk der Hamburger Designszene, sowie der iF International Forum Design GmbH, die unter anderem den jährlichen Designwettbewerb iF Award veranstaltet, haben zwei herausragende Kreativakteure die Elbarkaden als Standort gewählt. Sukzessive entsteht somit ein öffentliches Schaufenster für die lokale, regionale, aber auch internationale Designbranche sowie ein multifunktionaler Umschlagplatz für Ideen.

Der Südteil des Neubaus (45) mit den weithin sichtbaren Windrädern ist Greenpeace vorbehalten. Die  Umweltschutzorganisation vereint hier gleich mehrere lokale und überregionale Einrichtungen unter einem Dach. Im Eingangsbereich informiert Greenpeace in einer öffentlichen Ausstellung über Arbeitsthemen und Kampagnen. Highlight ist ein sechs m hoher Totempfahl – ein Geschenk der Nuxalk-Indianer als Dank für den Einsatz für ihre Heimat.

Das Energiekonzept auch dieses Gebäudeteils ist vorbildlich: Es besticht durch hohe Effizienz, geringen Verbrauch und sehr hohen Einsatz regenerativer Energien; dazu zählen Geothermie, Photovoltaik und die Windräder auf dem Dach. Der Bedarf an Strom und Wärme (sogenannter Primärenergiebedarf) liegt nach derzeitigem Stand 50 Prozent unter den geltenden gesetzlichen Vorgaben für energieeffiziente Gebäude.

Universität mit Elbblick

Prägend für den Wissenschaftsstandort Elbtorquartier und Impuls für intensives neues Leben ist die im April 2014 eröffnete HafenCity Universität eingangs des Baakenhafens. Der ästhetisch überzeugende Neubau (54) öffnet sich nach dem Entwurf des Architektenbüros Code Unique (Dresden) gleichzeitig zum Vorplatz, zum Baakenhafen sowie zum Lohsepark. Das ökologische Gesamtkonzept des Gebäudes wurde ebenfalls mit dem Umweltzeichen HafenCity in Gold vorzertifiziert.


Zwischen der HCU und dem Magdeburger Hafen haben das Hamburger ECE und Strabag Real Estate im Januar 2015 auf einem 9.100 m2 großen Grundstück mit den Bauarbeiten für das Gebäudeensemble Watermark, Freeport und Shipyard begonnen. Nach Entwürfen von Störmer Murphy and Partners (Hamburg) erhält die HafenCity hier als stilprägende Landmarke einen rund 70 m hohen Büroturm am Wasser (52). Hinzu kommen zwei weitere Gebäude, die unter anderem Raum für 46 Wohnungen und publikumsbezogene Nutzungen im Erdgeschoss bieten. Zusammen mit der HCU entsteht so auch ein öffentlicher Platz. Grundsteinlegung war im September 2015, die Fertigstellung ist für 2017 vorgesehen.

Ökumenisches Forum neben Musikerhaus

Herausragende soziale und spirituelle Prägung entsteht im Quartier durch weitere hervorragende Projekte, wie das im Sommer 2012 eröffnete Ökumenische Forum (49a) an der Shanghaiallee. 19 christliche Kirchen tragen dieses deutschlandweit einzigartige religiöse Gemeinschaftsprojekt mit Begegnungs- Die Shanghaiallee nimmt schrittweise den Charakter einer urbanen Geschäfts- und Wohnstraße an und wird derzeit mit Fahrradstreifen, Lieferzonen, behindertengerechten Stellplätzen, breiten Fußwegen und einer dreireihigen Baumbepflanzung abschließend gestaltet stätte und Café im öffentlichen Erdgeschoss sowie einer Kapelle als stillem Rückzugsort. Neben dem Laurentiuskonvent lebt in den oberen Etagen eine ökumenische Hausgemeinschaft.

Direkt nebenan wurde im Herbst 2014 das Musikerhaus (50) erfolgreich fertiggestellt. Künstler und Kreative aus zwölf Nationen verwirklichen hier in zum Teil schallentkoppelten Privaträumen und flexibel nutzbaren Gemeinschaftsräumen ihren Traum vom kreativen Austausch und Musizieren in den eigenen vier Wänden.

Mit dem Stadthaushotel (48) entsteht im Elbtorquartier zudem Europas größtes integratives Hotel. 40 der 60 Arbeitsplätze werden von Menschen mit Behinderungen besetzt. Vor allem für Gäste mit Mobilitätseinschränkungen bieten die rund 200 Zimmer und das Restaurant des Drei-Sterne-Hotels besonderen Komfort. Träger ist der Verein Jugend hilft Jugend e. V., unterstützt durch private Förderer und durch die Stadt Hamburg. Den Architekturwettbewerb haben die Architekten Huke-Schubert Berge aus Hamburg für sich entschieden. Bislang fehlt es für den Baubeginn aber noch an der Finanzierung und auch die Größe wird nochmals überdacht. Längst fertig ist indes das erste mit dem Umweltzeichen HafenCity in Gold prämierte Wohngebäude der HafenCity, die private Baugemeinschaft NIDUS an der Shanghaiallee (49).

Auch an den ÖPNV ist das Elbtorquartier hervorragend angebunden. Während im nördlich angrenzenden Kontorhausviertel die U-Bahnstation Meßberg der Linie U1 liegt, nahm im August 2013 die neue Linie U4 ihren regulären Betrieb an der für ihr Lichtkonzept prämierten Haltestelle HafenCity Universität auf

Quartiersprofil

  • Größe 9 ha
    Gesamt BGF: 200.000 qm

  • Arbeitsplätze und gewerbliche Nutzungen
    Arbeitsplätze: ca. 3.700
    Nutzungen: Büro, Einzelhandel, Gastronomie, Dienstleistungen, Hotel, Wissenschaft
  • Wohnungen
    370

  • Besondere Einrichtungen
    Elbarkaden, HafenCity Universität, Internationales Maritimes Museum Hamburg, Ökumenisches Forum, designxport hamburg

  • Entwicklungszeitraum
    2007 bis 2018