Stadträume

Stadträume am Wasser im Quartier Brooktorkai/Ericus

Das Quartier Brooktorkai / Ericus ist durch seine besondere Lage an der Schnittstelle zu Speicherstadt geprägt. Spannende Freiräume bietet es mit einem großzügigen Platzensemble auf der Ericusspitze und mit der Shanghaibrücke

Die Illustration zeigt die Ericusspitze im Quartier Brooktorkai/Ericusspitze

Auf der Ericusspitze besteht neben sowie zwischen den beiden markanten Bürogebäuden ein Ensemble spannungsvoller Freiräume (© Marco A. Arellano HCH) Bilderserie starten

Auf drei Seiten wird das Quartier von schmalen Hafenbecken eingerahmt. Vor allem dieser Wasserbezug prägt, zusammen mit der angrenzenden Speicherstadt, das städtebauliche Ensemble. So verwundert es nicht, dass sich einer seiner spannendsten Freiräume direkt über dem Wasser befindet: Fast so breit wie lang, erinnert die Shanghaibrücke eher an einen Platz, der nur zufällig zur Querung des Brooktorhafens dient; zudem versteckt sie sämtliche tragenden Strukturen unter den Fahrbahnen.

Neben vier Spuren für den Autoverkehr befinden sich zu beiden Seiten Fußgänger- und Fahrradbereiche, deren äußere Streifen abgesenkt sind. Diese Nebenflächen gliedern sich somit in zwei Zonen: neben der "Promenade" steht ein mit Sitzbänken möblierter "Balkon" zur Verfügung. Die von Architekt Dietmar Feichtinger sowie dem Ingenieursbüro WTM entwickelte Shanghaibrücke wurde vom Hamburger Architekten- und Ingenieurverein (AIV) als Hamburger "Bauwerk des Jahres 2006" ausgezeichnet.

Als "Bauwerk des Jahres 2007" zeichnete der AIV die ebenfalls von Feichtinger entworfene Museumsbrücke aus. Diese schlanke Fußgängerquerung über den Brooktorhafen führt direkt in die öffentliche Passage des Internationalen Maritimen Museums Hamburg im Kaispeicher B. In ihrer Mitte weist sie einen horizontalen 25°-Winkel auf, da die Brücke bei einer geraden Führung nördlich des Hafenbeckens direkt über einem Siel aufgesetzt hätte. Dietmar Feichtinger ist es hier gelungen, nicht nur eine Lösung für diese topografische Besonderheit zu finden, sondern daraus gleichzeitig ein charakteristisches Gestaltungsmerkmal abzuleiten.

Mit der Gestaltung größerer Freiräume auf dem Brooktorkai und auf der Ericusspitze wurde das Hamburger Büro WES & Partner Landschaftsarchitekten beauftragt. Südlich des am Brooktorkai entstehenden Mäanders gestaltete es die Kaipromenade am Brooktorhafen. Diese Promenade führt auch unter der Shanghaibrücke hindurch.

Ein weiteres außergewöhnliches Freiraumensemble steht im Osten des Quartiers. Auf der Ericusspitze teilen sich die Eingänge des SPIEGEL-Verlagshauses und des Bürohauses Ericus-Contor einen Vorplatz zum Brooktorkai. Zwischen den beiden Gebäuden führt ein großzügiger Boulevard zu einer zweiten, im Südosten gelegenen Plaza. Mit Blick auf den Ericusgraben lädt dort eine Freitreppe unter Bäumen zum Verweilen ein.

Die Freiräume des Quartiers spielen auch eine zentrale Rolle bei der fußläufigen Erschließung der angrenzenden Flächen. Über Ericusspitze, Brooktorkai und zwei Fußgängerbrücken beim St. Annen Platz wurde eine Verbindung zum Internationalen Maritimen Museum Hamburg im Elbtorquartier hergestellt. Durch dessen öffentlichen Weg und weitere wasserbegleitende Stadträume im Elbtorquartier gelangen Fußgänger und Fahrradfahrer bis zur Elbe, ohne jemals einem Fahrzeug zu begegnen.