Infrastruktur

Warften statt Deiche: Hochwasserschutz in der HafenCity

Hochwassersichere Warften schützen die HafenCity auch im Sturmflutfall vor Überflutung. Verglichen mit der sonst üblichen Eindeichung tief liegender Stadtgebiete bietet diese Lösung viele Vorteile: Unter anderem entsteht so eine ganz neue Stadttopografie, die den Charakter und die Qualität der HafenCity stark prägt

Das Foto zeigt die überflutete Straße Am Sandtorkai

Landunter: Mit Rücksicht auf die historische Speicherstadt (rechts) wurde die Straße Am Sandtorkai, anders als die meisten Straßen im Stadtteil, nicht aufgehöht. Sämtliche Neubauten (links) sind dagegen auf hochwassersicheren Warftsockeln entstanden (© ELBE&FLUT)

Die HafenCity liegt – wie auch die Speicherstadt – südlich der am Zollkanal verlaufenden Hamburger Hauptdeichlinie. Bestehende Deiche bieten dem neuen Stadtteil also keinerlei Schutz und so musste zur Absicherung vor Sturmfluten eine eigene Lösung entwickelt werden.
Eine Eindeichung der HafenCity hätte mehrere entscheidende Nachteile mit sich gebracht: Die großen Wasserflächen des Stadtteils zählen zu seinen wichtigsten Milieugebern. Durch Deiche würden – vor allem im öffentlichen Stadtraum – spannende Blickbezüge aufs Wasser zerstört werden. Außerdem wäre eine komplette Eindeichung der insgesamt 127 ha großen Landfläche bereits Vorbedingung für den Start von Hochbaumaßnahmen gewesen; ein solcher technischer sowie ökonomischer Kraftakt hätte die sukzessive Entwicklung des Stadtteils infrage gestellt.

Warftlösung schützt vor Hochwasser

Dank der bereits realisierten Warftenlösung ist es dagegen möglich, die HafenCity im Anschluss an das bestehende Stadtgebiet schrittweise von West nach Ost und von Nord nach Süd zu entwickeln: Alle Häuser entstehen auf künstlich angelegten Warften, ihr Höhenniveau von 8-9 m über Normalnull erreichen auch extreme Hochwasser nicht. Da die Realisierung dieser Warften den privaten Bauherren der Gebäude obliegt, wachsen Warftsockel sukzessive mit der Anzahl der im Stadtteil entstehenden Hochbauten.
Eine frühzeitige Finanzierung der Maßnahmen zum Hochwasserschutz schon Jahre oder gar Jahrzehnte vor dem Verkauf und der Nutzung entsprechender Flächen entfällt somit. Innerhalb der Sockel entstehen großzügige Tiefgaragen, in denen fast der gesamte ruhende Verkehr untergebracht wird. Die Warftenlösung trägt also auch dazu bei, Belastungen durch den Individualverkehr im Stadtteil deutlich zu reduzieren. Zusätzliche Flächen für oberirdische Parkhäuser werden nicht mehr benötigt; das heißt, die Ressource Boden lässt sich besonders effektiv nutzen.

Straßen und Brücken entstehen ebenfalls auf hochwassersicherem Niveau mindestens 7,50 bzw. 8,3 m über Normalnull, sodass der Verkehr in der HafenCity und zwischen ihr und dem übrigen Stadtgebiet selbst im Sturmflutfall störungsfrei unter Umgehung der niedrig liegenden Speicherstadt fließt. Bauherrin dieser Infrastrukturmaßnahmen ist die HafenCity Hamburg GmbH. Trotz seiner Insellage funktioniert der Stadtteil also im Hochwasserfall nahezu ohne Einschränkungen.
Nur einige Tiefgarageneinfahrten an den Straßen Am Sandtorkai und Brooktorkai direkt gegenüber der Speicherstadt müssen bei Hochwasser durch Flutschutztore gesichert – und somit geschlossen – werden. Denn im Fall der historischen Speicher und der direkt angrenzenden Straßenzüge wurde auf eine nachträgliche Aufhöhung der Straßen Am Sandtorkai und des westlichen Brooktorkais verzichtet, da eine solche Maßnahme Identität und Funktionalität des gesamten Speicherstadt-Ensembles wesentlich eingeschränkt hätte. Die Überflutung ihres Gebiets bei extremem Hochwasser war von den Planern der denkmalgeschützten Speicherstadt in Kauf genommen worden.

Auf dem bestehenden Niveau des HafenCity-Areals von 4,5 bis 5,5 m verbleiben auch die bis zu 15 m breiten Streifen entlang der aufwendig sanierten historischen Kaimauern, insgesamt 10,5 km Uferpromenaden nach vollständiger Fertigstellung der HafenCity. Sie bieten große Flächen für öffentliche Stadträume mit unmittelbaren Wasserbezügen. Viele dieser Plätze und Promenaden werden bereits rege genutzt. Mit der Warftenlösung ist so auch eine vollkommen neue Topografie entstanden, die den Charakter und die Qualität des Stadtteils stark prägt.

Geschützte Verbindungen zur Innenstadt bei Sturmflut

Für die seltenen und zeitlich begrenzten Fälle einer Sturmflut werden neue hochwassergeschützte Zugänge zur HafenCity hergestellt, etwa die Kibbelstegbrücke: Im Normalfall stellen sie eine attraktive Wegeverbindung für Fußgänger und Radfahrer dar, bei Hochwasser sind sie die sichere Zufahrt für Feuerwehr und Rettungsfahrzeuge. Über die Oberbaumbrücke sowie die Straßen Brooktorkai, Shanghaiallee und Überseeallee verläuft die zweite hochwassergeschützte Verkehrsachse zur deichgesicherten Innenstadt – diese ist auch im Hochwasserfall von privatem Verkehr nutzbar. Weitere hochwassergeschützte Verbindungen werden mit der Großmarktbrücke und der Freihafenelbbrücke, die beide an die Versmannstraße anknüpfen, hergestellt.

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