Arbeiten

Urbaner Arbeitsplatz am Wasser

Angestellte kleinerer oder größerer Unternehmen, kreative Selbstständige oder Servicekräfte für Einzelhandel und Gastronomie: in der HafenCity entsteht ein differenzierter Mix von Beschäftigungstypologien. Bis zu 45.000 Beschäftigte arbeiten hier künftig – allerdings nicht in einem reinen Büroviertel, sondern inmitten eines sehr urbanen innerstädtischen Stadtteils

Das Foto zeigt Daniela Beckmann in Ihrem Büro in der HafenCity

Daniela Beckmann arbeitet als Marketing-Managerin bei JOM Jäschke Operational Media im neuen Stadtteil – und ist begeistert: "Ich fühle mich hier noch hanseatischer und an die Stadt gebunden" (© Bina Engel)

Auch wenn die HafenCity für Daniela Beckmann längst zur gewöhnlichen Alltagserfahrung gehört – ihre Begeisterung für den neuen Stadtteil hat das nicht schmälern können: "Ich fühle mich hier noch hanseatischer und an die Stadt gebunden", sagt die 26-jährige Marketing-Managerin bei JOM Jäschke Operational Media. Mit seinen 55 Angestellten ist das kreative Unternehmen im Frühjahr 2009 an den Kaiserkai gezogen. "Andernorts nimmt man die Verbindung zum Hafen doch gar nicht mehr wahr", findet Daniela Beckmann und als gebürtige Hamburgerin muss sie es wissen. "Dadurch geht viel Schönes verloren, wofür die Hansestadt eigentlich steht. Die HafenCity dagegen macht dieses maritie und gleichzeitig urbane Feeling sehr authentisch erlebbar."

Eine Einschätzung, die inzwischen fast 6.000 in der neuen HafenCity arbeitende Hamburger teilen können. Neben einigen großen Firmen siedeln sich viele kleinere und mittlere Unternehmen an. Mitarbeiter schätzen neben anderen Qualitäten des innerstädtischen Stadtteils die inzwischen sehr gute Anbindung ans Hamburger Stadtgebiet, beispielsweise durch verschiedene Buslinien und bald auch durch die neue U-Bahn U4.

Daniela Beckmann kennt die HafenCity sogar noch aus ihrer frühen Pionierzeit, da sie bereits 2007 hier gearbeitet hat, und findet es jetzt "enorm zu sehen, was sich seitdem alles verändert hat." Ihre Mittagspause verbringt sie, wann immer möglich, am Wasser, "damit der Kopf freigepustet wird. Der Blick schweift weit übers Wasser, das entspannt." Ihr Lieblingsziel ist – zumindest bei Sonnenschein – das kleine Lokal "Feinkost HafenCity" am Vasco-da-Gama-Platz zwischen Sandtorhafen und Grasbrookhafen.

Seit 2007 versorgt "Feinkost HafenCity" Beschäftigte wie Bewohner und Besucher und gehört bereits zu den alteingesessenen Betrieben. Hier arbeitet auch die Italienerin Nora Lazaro, 47, als Köchin und Bedienung. Schon die gute Erreichbarkeit ihres Arbeitsplatzes schätzt sie; für den Weg von ihrer Wohnung auf der Veddel und zurück schwingt sie sich täglich aufs Fahrrad.

"Wir haben jetzt immer mehr zu tun. Anfangs, vor zwei Jahren, hatten wir vier oder fünf Gerichte auf der Karte. Inzwischen sind es doppelt so viele", erzählt Nora Lazaro. Vor allem mittags steht sie unter Hochdruck; zwar ist mit dem Bürostandort HafenCity auch das gastronomische Angebot im Stadtteil stark gewachsen, doch zum Lunch wollen jetzt die Mitarbeiter von mittlerweile rund 270 Firmen fast gleichzeitig verpflegt werden.

Dabei geht es um mehr als nur um eine funktionale Essensaufnahme. Für die Beschäftigten stellen die Bistros, Cafés und Restaurants auch beliebte Treffpunkte dar; sie sind Orte des Austauschs und der Begegnung. Aufgrund der differenzierten Branchenstruktur in der HafenCity – vor allem sind Bau-, Medien-, Logistik-, Handel-, Finanz- und IT-Branche vertreten – kommen Menschen mit ganz unterschiedlichen Ausbildungen, Erfahrungen und Hintergründen zusammen.

So trifft Nora Lazaro aus der Veddel möglicherweise auf Melf Diedrichsen aus Winterhude: Sein Arbeitsweg – mit dem Fahrrad oder der Vespa vorbei am Alsterufer bis fast zur Elbe – gleicht einer Aneinanderreihung von Postkartenmotiven. Der 33-jährige Referent in der Personalentwicklung bei Kühne + Nagel arbeitet seit zwei Jahren im Stadtteil. "Es gefällt mir hier immer besser, weil es immer mehr Möglichkeiten gibt, mittags mal rauszugehen oder abends noch auf einen Drink zu bleiben."

Bereits jetzt freut er sich auf weitere Freizeit- und Kulturnutzungen, die in der Nachbarschaft seines Arbeitsplatzes entstehen werden, etwa auf die Elbphilharmonie an der Westspitze des Dalmannkais oder auf vielfältige Einkaufsmöglichkeiten im Überseequartier. "Es ist atemberaubend, wie schnell sich die HafenCity entwickelt hat, seit ich hier arbeite", staunt Diedrichsen. "Den nächsten zwei Jahren sehe ich wirklich gespannt entgegen."