Luftbild des HafenCity-Gebietes

Quartiere

Kreativ- und Kulturquartier Oberhafen

Südlich des Oberhafens entsteht in zentraler Lage ein vielseitiges Kultur- und Kreativquartier mit neuen Potenzialen für die Stadt Hamburg

(© Kuhn / Fotofrizz) Bilderserie starten

Nukleus Oberhafen: Obwohl das Quartier lange Zeit überwiegend aus gewidmeter Bahnfläche bestand und die Lagerhallen größtenteils Logistikzwecken dienten, gibt es hier schon seit über zehn Jahren abwechslungsreiche Kreativnutzungen und es finden immer wieder kulturelle Veranstaltungen in unterschiedlichsten Formaten statt. Ob Kurzfilmfestival, Tanzperformances, kreative Co-Working-Spaces oder Orte wie die Halle 424, ein Hallenabschnitt, der Produktionsort für Kulissenbau, Fotostudio und coole Jazz- und Klassiklocation in einem ist – die örtlichen Gegebenheiten bieten besondere Voraussetzungen für die Entstehung eines lebendigen Kunst- und Kulturstandorts mit Impulswirkung, vernetzt mit der übrigen HafenCity, der Kunstmeile, aber auch mit Rothenburgsort, der City Süd und den dort neu entwickelten Kulturaktivitäten. Hierfür wird der „normale“ Entwicklungsprozess der HafenCity allerdings auf den Kopf gestellt. Statt einer städtebaulichen Neukonzeption ist die neue und intensivierte Nutzung der Bestandsgebäude Ausgangspunkt einer Neupositionierung, die in einem schrittweisen Transformationsprozess unter Einbindung der Mieter erfolgt. Die Grundstücke mit den überwiegend eingeschossigen Güterhallen werden nicht verkauft, sondern verbleiben im Eigentum des Sondervermögens Stadt und Hafen (HafenCity Hamburg GmbH), auch um die Entwicklung im Interesse Hamburgs zu gestalten und die wirtschaftliche Basis für die Entwicklung gewährleisten zu können.

Dialogorientierte Entwicklung

Die möglichen Entwicklungsoptionen für das Quartier werden laufend und im Rahmen eines intensiven Dialogprozesses erarbeitet. Ein langer zeitlicher Entwicklungsrahmen von bis zu einem Jahrzehnt bildet die Grundlage dafür. Während der gesamten Phase arbeitet die HafenCity Hamburg GmbH eng mit der Hamburg Kreativ Gesellschaft mbH zusammen. Gleichzeitig findet ein reger Ideenaustausch mit Kreativunternehmen, Kulturschaffenden und unterschiedlichen anderen Beteiligten statt. So sind seit den ersten Impulsen des internationalen Auftaktsymposiums im Frühjahr 2011 bis heute viele Veranstaltungen, Diskussionen und Entwicklungsschritte gefolgt, in deren Rahmen sich unterschiedliche Akteure wie der Oberhafen e. V. für eine behutsame und nachhaltige Entwicklung des Quartiers zu einem lebendigen Kunst-, Kultur- und Kreativstandort einsetzen.

Chancen für Kultur und Kreativwirtschaft

Das Erscheinungsbild des Oberhafenquartiers wird durch lang gestreckte Lagergebäude, die früher überwiegend durch Logistikunternehmen genutzt wurden, und mehrstöckige Kopfbauten geprägt. Durch die Umnutzung erhalten die Bauten einen stark öffentlichen Charakter. 2015 gelang es schließlich, die Flächen als Bahnhof „zu entwidmen“, sodass die Umgestaltung zum Kreativquartier nun erfolgen kann. Allerdings sind für die neuen, kreativwirtschaftlichen Produktionsflächen auch neue Nutzungsgenehmigungen und erhebliche Modernisierungen sowie objektbezogene Hochwasserschutzmaßnahmen erforderlich. Mittelfristig können möglicherweise sogar privatwirtschaftliche oder genossenschaftliche Bauvorhaben die bestehenden Altbauten ergänzen, sofern sie kulturellen und kreativwirtschaftlichen Zwecken dienen und wie die Altbauten relativ preisgünstig weitervermietet werden.

So oder so, durch die Mischung von Neu und Alt sollen im Oberhafenquartier langfristig bis zu 500 Arbeitsplätze in verschiedenen Kultur- und Kreativwirtschaftsbranchen entstehen – als Basis eines dauerhaften kreativen Milieus, das später das östlich gelegene Großmarktareal mit einbezieht. Gleichzeitig werden kleine gastronomische sowie Ausstellungs- und Präsentationsflächen die öffentliche Funktion des Quartiers stärken und dessen Integration in die weitere HafenCity befördern.

Wegen der komplexen Ausgangsbedingungen wurde erstmals Anfang 2012 mittels eines Interessenbekundungsverfahrens ein temporäres Nutzungskonzept für eine freie Fläche gesucht. Aus 15 eingereichten Konzeptvorschlägen wählte eine interdisziplinäre Jury die „Hanseatische Materialverwaltung“ aus. Das erfolgreiche Konzept stattet Hamburger Kultureinrichtungen, öffentliche Schulen, Universitäten, Vereine, aber auch engagierte Bürger mit Requisiten und Kulissen für soziale, ökologische oder kreative Projekte aus.

Im September 2013 startete eine weitere Auslobung der Hamburg Kreativ Gesellschaft und der HafenCity Hamburg GmbH. Diesmal wurden für verschieden große Flächeneinheiten mit insgesamt ca. 6.000 m2 neue Kreativnutzer ausgewählt, die ab Anfang 2017 einziehen werden. Zuvor werden die Räumlichkeiten noch modernisiert. Die ursprünglich ebenfalls einbezogene Suche nach Betreibern für eine Gastronomie- und eine Ausstellungsfläche wird derzeit in getrennten Verfahren weiterverfolgt.

Sportplatz direkt am Wasser

Neben der schwerpunktmäßigen kulturellen und kreativen Nutzung bietet das Quartier dort, wo es nicht bebaut ist, zudem hervorragende Möglichkeiten für Sport- und Freizeitaktivitäten. Direkt am Ufer des Oberhafens entsteht daher ab 2017 auf ehemaligen Gleisflächen ein wettkampfgeeignetes „9er-Fußballfeld“, das insbesondere Kindern und Jugendlichen aus der Innenstadt und der HafenCity zur Verfügung steht und auch von Vereinen genutzt werden kann. Dem Gymnasium, der Stadtteilschule und den beiden Grundschulen der HafenCity steht das Areal mit seinen Leichtathletikflächen zudem für den Schulsport zur Verfügung.

Energiezentrale Oberhafen

Auch bei der Energieversorgung der östlichen HafenCity spielt das Quartier eine große Rolle. Von außen lediglich durch einen Schornstein erkennbar, wird in einem Teilbereich der Güterhalle 4 die Wärmeenergie für die gesamte östliche HafenCity durch das Unternehmen Enercity erzeugt. Hinter der Backsteinfassade produziert eine Kraft-Wärme-Kopplungsanlage eine Gesamtwärmeleistung von 10 Megawatt. Auf kleinstem Raum befindet sich modernste Technik: u. a. ein Blockheizkraftwerk, zwei mit Erdgas (bilanzielles Biomethan) betriebene Heizkessel, eine Wärmespeicheranlage sowie eine Umspannstation für die Strom-einspeisung in das örtliche Stromnetz – mit 92 Prozent wird nahezu die gesamte eingesetzte Energie regenerativ erzeugt. Lediglich die Spitzenlast wird noch konventionell produziert.

Quartiersprofil

  • Größe 8,9 ha
    Gesamt BGF: 25.000 qm (Bestand)

  • Arbeitsplätze und gewerbliche Nutzungen
    Arbeitsplätze: ca. 500
    Nutzungen: Kreativ- und Kulturwirtschaft, Gastronomie

  • Besondere Einrichtungen
    Sportflächen im Osten, Energiezentrale

  • Entwicklungszeitraum
    Entwicklung ausgehend von den Bestandsbauten mit eventuell hinzukommenden Neubauten, detaillierte Konzeption im Rahmen eines intensiven Dialogprozesses

  • Fertigstellung
    Umsetzung erfolgt schrittweise