Projekt HafenCity

HafenCity – die Genese einer Idee

Kurz nach dem Fall von Mauer und Eisernem Vorhang entstand die Idee für den neuen innerstädtischen Stadtteil. Bevor mit dem Masterplan (2000) das Schnittmuster für die HafenCity vorlag, wurden bereits im Lauf der 1990er-Jahre wichtige Grundlagen geschaffen

Das Gebiet der HafenCity in den 80er Jahren aus der Vogelperspektive

Der Hafenrand war jahrzehntelang ein ungenutztes Hafenareal und durch einen Zollzaun bis 2003 von der Stadt abgetrennt (© Quelle: HafenCity Hamburg GmbH) Bilderserie starten

Am 29. Februar 2000 schrieb der Hamburger Senat ein Stück Stadtgeschichte. Spätestens mit dem an diesem Tag verabschiedeten Masterplan für einen neuen innerstädtischen Stadtteil war die fast zehnjährige Vorgeschichte des Projekts HafenCity abgeschlossen und somit eine entscheidende Grundlage für dessen Realisierung gelegt worden.

Die Chance für eine Umwandlung des innerstädtischen Hafenrands war zum Teil bereits Anfang der 1990er-Jahre wahrgenommen worden. Durch den Fall von Berliner Mauer und Eisernem Vorhang hatte sich auch die Rolle Hamburgs in Europa grundsätzlich verbessert: Aus einer Stadt am Ostrand der westlichen Welt war eine Metropole im Herzen eines wieder zusammenwachsenden Kontinents und damit eines beeindruckenden Potenzialraumes geworden. Für die Hansestadt eröffnete sich so die Möglichkeit, zu einer wichtigen Schnittstelle in Zentraleuropa zu werden. Auch die Verbindungen nach Nordeuropa wurden zunehmend intensiviert und der gesamte Ostseeraum gewann stark an Bedeutung. Hamburg gewann durch diesen Prozess ein enormes Entwicklungspotenzial, das es dringend zu nutzen galt, um nicht von anderen Wettbewerbsregionen überholt zu werden.

Bereits 1991 erteilte der damalige Erste Bürgermeister Henning Voscherau inoffiziell den Auftrag, die Umwandlung des innerstädtischen Hafenrands zu prüfen. Nachdem die Hafenkapazitäten verstärkt südlich der Elbe ausgebaut wurden, fielen zentrale Lagen am Nordufer des Flusses vermehrt brach oder wurden untergenutzt, da sie für den Containerbetrieb ungeeignet waren. Nur wenige Persönlichkeiten wurden zunächst in das Vorhaben eingebunden: Wäre Voscheraus Plan frühzeitig bekannt geworden, hätte dies den Widerstand der Hafenwirtschaft und Widerstand beim Erwerb von Gebäuden oder Firmen  - und somit höhere Kosten - bedeutet.
Aufgrund der gewahrten Diskretion konnte die Stadt die Kontrolle über wesentliche Gebietsteile gewinnen, denn der Großteil der Flächen war zwar Hamburger Eigentum, nicht aber die meisten Gebäude, die überwiegend Privatfirmen gehörten. So wurden Gebäude und Firmen erworben: dies geschah durch die damals  zu 100 % stadteigene Hamburger Hafen und Lagerhausgesellschaft mbH (heute HHHLA Hafen und Logistik AG) und die 1995 gegründete, 100 %ige städtische Tochterfirma Gesellschaft für Hafen- und Standortentwicklung (GHS; seit 2004: HafenCity Hamburg GmbH). Eine zentrale Rolle spielte dabei vor allem der damalige HHLA-Vorstandsvorsitzende Peter Dietrich.

Mit einer ersten noch vertraulichen Studie über die städtebauliche Entwicklung des Hafenrands wurde der bekannte Hamburger Architekt Prof. Volkwin Marg beauftragt. Seine im Dezember 1996 vorgelegte Studie formulierte bereits viele der jetzt im neuen Stadtteil zum Tragen kommenden Entwicklungsprinzipien (zum Beispiel die städtebaulichen Strukturen und das Prinzip der Nutzungsmischung).

Am 7. Mai 1997 stellte Henning Voscherau schließlich die zu diesem Zeitpunkt entwickelte "Vision HafenCity" der Öffentlichkeit vor. In einer Rede vor dem renommierten Übersee-Club propagierte er die Rückkehr der Innenstadt ans Wasser, die bislang nur in Form einzelner Abschnitte (vor allem am Altonaer Elbufer zwischen Fischmarkt und Museumshafen) unter Federführung des damaligen Oberbaudirektors Prof. Kossak begonnen hatte. Bisher hatte es sich aber stets nur um vergleichsweise schmale Streifen in unmittelbarer Ufernähe gehandelt. Mit der HafenCity sollte jetzt eine Fläche von rund 157 ha als hochwertiger innerstädtischer Stadtteil mit gemischter Wohn-, Arbeits-, Kultur- und Freizeitnutzung entwickelt werden.

Die Herausnahme des Gebiets der HafenCity aus dem Hafen erfuhr eine besondere politische Legitimation dadurch, dass gleichzeitig das "Sondervermögen Stadt und Hafen" gegründet wurde, in das die öffentlichen, sich im Besitz der Freien und Hansestadt Hamburg befindlichen Grundstücke eingebracht wurden.  Dem Sondervermögen Stadt und Hafen wurde auch die Last der Finanzierung des modernen neuen Containerterminals in Altenwerder übertragen; diese sollte sich – so die Intention – ebenfalls aus dem Verkaufserlös der Grundstücke finanzieren. Mit der HafenCity-Entwicklung und dem Sondervermögen sollten demnach nicht nur die Innenstadtentwicklung HafenCity mit seiner Infrastruktur, sondern auch die moderne Hafenentwickung Altenwerder finanziert werden, für die im Haushalt keine Mittel vorgesehen waren. Damit war gleichzeitig die politische Legitimation geschaffen, das HafenCity-Areal aus dem Hafengebiet herauszunehmen, ohne Konflikte mit der Hafenwirtschaft herauszubeschwören.

Der städtebauliche Ideenwettbewerb (Masterplanentwurf) für die HafenCity wurde Ende April 1999 ausgelobt und am 2. Oktober 1999, nach intensiven Vorstudien der Hamburger Behörden und der GHS (Gesellschaft für Hafen und Standortentwicklung) 1997 und 1998, entschieden. Eine international besetzte Jury erklärte das niederländisch-deutsche Team Hamburgplan mit Kees Christiaanse | ASTOC zum Sieger. Am 29. Februar 2000 verabschiedete der Hamburger Senat den Masterplan und formulierte damit das städtebauliche Entwicklungskonzept der HafenCity. Anschließend wurde der Masterplan im Rahmen von Ausstellungen und Veranstaltungsreihen intensiv öffentlich diskutiert. 

Die intensive Beziehungen zwischen bestehender und neuer Bebauung und zum Wasser, die Warftenlösung als Hochwasserschutzkonzept, der öffentliche Charakter vieler Erdgeschossnutzungen und die feinkörnige Nutzungsmischung waren bereits im Masterplan angelegt. Die Entwicklung verschiedener Quartiere innerhalb der HafenCity und ihre schrittweise Realisierung bis in die 2020er- Jahre waren ebenfalls Thema. Der Masterplan formulierte auch das Ziel, die HafenCity für einen ökonomischen, sozialen, kulturellen und stadtökonomischen Aufbruch zu nutzen: Was in der HafenCity entstehen sollte, würde Hamburgs Zentrum für viele Jahrzehnte, sogar das kommende Jahrhundert prägen. Der neue Stadtteil musste daher nicht nur besonders zukunftsfähig sein, sondern auch ein Modell für die europäische Innenstadt des 21. Jahrhunderts entwickeln; gleichzeitig wurde durch die Flexibilität des Masterplans sichergestellt, dass es eine hohe Anpassungsfähigkeit an zukünftige Änderungen der Rahmenbedingungen für den Entwicklungsprozess gibt.