Quartiere

Kommerzielles Herzstück der HafenCity

Während das nördliche Überseequartier zunehmend urbane Qualitäten entwickelt, ist für die Entwicklung und Realisierung des südlichen Areals im Herzen der HafenCity der Durchbruch gelungen

Das Foto zeigt das Überseequartier aus der Vogelperspektive

Der Norden des Überseequartiers (rechte Fläche) ist seit Herbst 2010 bis auf das Alte Hafenamt fertiggestellt, der Süden (linke Fläche) ist im Nordteil auch im Bau. (© Kuhn / Fotofrizz) Bilderserie starten

Im Überseequartier wächst das kommerzielle Herzstück der HafenCity. In dem rund 14 ha großen Stadtraum werden ca. 2.000 Menschen wohnen und bis zu 6.000 Menschen arbeiten. 40.000 bis 50.000 Kunden werden das fertige Quartier besuchen – täglich. Es entsteht eine besonders anspruchsvolle kommerzielle Nutzungsmischung, deren räumliche Realisierung von Nord nach Süd erfolgt. Der Nordteil des Quartiers, bisher dichtester Stadtraum der HafenCity mit einer Geschossflächenzahl (GFZ) von über 5,0, zeigt bereits heute einen beeindruckenden großstädtischen Charakter. Die Entwicklung hier wird 2017 erfolgreich abgeschlossen sein.

Wachsende Urbanität 

Über 100.000 m2 oberirdischer Geschossflächen wurden im Norden seit 2007 realisiert. Grundlage ist ein städtebauliches Gesamtkonzept international renommierter Architekten auf Basis des  von Trojan Trojan + Partner entwickelten städtischen Masterplans. Mehr als zwei Dutzend Geschäfte und Gastronomiebetriebe haben sich angesiedelt, über 340 Wohnungen wurden gebaut und vermietet. 32.600 m2 Büroflächen sind entstanden, genutzt von renommierten Unternehmen wie der Anwaltskanzlei Esche Schümann Commichau oder dem Mineralölkonzern BP.

Gegenüber den aus der Hamburger Innenstadt vertrauten Einkaufsformaten aus dem Passagenviertel, der Mönckeberg- und Spitalerstraße zeigt das nördliche Überseequartier mit inhabergeführten Boutiquen, mit Post, Drogerie und Frischemarkt sowie gastronomischen Angeboten und einigen Spezialgeschäften bereits ein eigenes Profil – wenngleich es noch unter der Entwicklungsverzögerung im Süden leidet.

Zu Beginn des Jahres 2015 erwarb ein von der Hines Immobilien GmbH gemanagter deutscher Immobilien Spezialfond mehrerer langfristig agierender Versorgungswerke den Großteil der fertiggestellten Gebäude. Das Sumatrakontor war schon vorher erfolgreich an die Blackstone-Gruppe veräußert worden.

Letzte Baulücken schliessen sich

An der Nordseite des Alten Hafenamts ragt der elegante dreizehnstöckige Wohnturm Cinnamon (34/5) über die übrigen Gebäude in der Nachbarschaft hinaus. Die Architekten Bolles + Wilson (Münster) entwarfen das 57 m hohe Wohngebäude mit zehn Eigentumswohnungen, von denen sich zwei über drei Etagen erstrecken. Im Erdgeschoss gibt es eine öffentlichkeitsbezogene Nutzung.

Das Alte Hafenamt selbst wird nach umfassenden Umbauarbeiten spätestens Anfang 2016 neu eröffnen und sich zu einem eigenständigen gastronomischen Anziehungspunkt entwickeln. Hierzu hat sich der Projektentwickler Groß & Partner mit dem Hamburger Hotelier Kai Hollmann zusammengeschlossen. Der Mitgründer der 25hours- Hotelgruppe und Geschäftsführer der Fortune-Hotels-Gruppe ist Miteigentümer und künftiger Betreiber des Alten Hafenamts. Der interessante Nutzungsmix mit Hotelzimmern, Gastronomie und Einzelhandel in Kombination mit einem klassischen Wochenmarkt auf der Freifläche und einem ungewöhnlichen Wohngebäude unterstreicht den urbanen Charakter des gesamten nördlichen Überseequartiers.

Seit Spätsommer 2015 schließt sich baulich auch die letzte noch freie Fläche des nördlichen Quartierteils. Zwischen Sandtorkai und Tokiostraße (34/15 und 34/16) entsteht eine besonders anspruchsvolle Mischung aus Wohnungen, Hotel sowie einen Entertainmentkomplex mit Premiumkino. Hauptverantwortlich für die Umsetzung sind die Unternehmen DC Commercial und DC Residential. Nalbach + Nalbach Architekten aus Berlin verantwortet den Entwurf des nördlich gelegenenGebäudes (34/15), in dem Kinounternehmer Hans-Joachim Flebbe (Astor Film Lounge) ein Premiumkino betreiben wird. Außerdem realisieren Kai Hollmann, Frederik und Gerrit Braun (Miniatur Wunderland) sowie Prof. Norbert Aust (Schmidts Tivoli) gemeinsam ein Hotel mit Familienbezug. Als Architekten des südlichen Wohn- und Gewerbekomplexes (34/16) setzte sich die blauraum architekten Planungsgesellschaft mbH aus Hamburg durch. Die hier entstehenden 214 Wohnungen sind ausschließlich Mietwohnungen, davon ein Drittel gefördert.

Neustart für das Südliche Überseequartier

Nach den durch die Finanzkrise sowie durch Schwächen in der Konzeption verursachten Bauverzögerungen im südlichen Überseequartier gelang nach langen Verhandlungen im Dezember 2014 der Durchbruch: Europas führendes börsennotiertes Immobilienunternehmen Unibail- Rodamco übernimmt die Entwicklung, die Realisierung und den Betrieb des als Urbanitätstreiber der gesamten HafenCity außerordentlich wichtigen Areals. Dabei wird die Chance genutzt, das ursprüngliche Konzept auf eine neue zukunftsfähige Basis zu stellen, den Einzelhandel wirkungsvoller und attraktiver zu gestalten, den Anteil an Büroflächen zugunsten von Wohnungen zu reduzieren, das Kreuzfahrtterminal städtebaulich besser zu integrieren und für einen Wetter- und Windschutz zu sorgen. Seinen offenen, städtischen Charakter wird das südliche Überseequartier indes behalten. Gleichzeitig wird die neue Waterfront an der Elbe durch ein architektonisch markantes und unverwechselbares Ensemble aus Kreuzfahrtterminal, Waterfront Towers und einem neuen, gut 70 m hohen Gebäude des Architekten und Pritzker- Preisträgers Christian de Portzamparc geprägt sein.

Mischgenutztes und komerzielles Zentrum

Sowohl in seinem Nutzungskonzept als auch in der städtebaulichen Struktur knüpft das neue Konzept für das südliche Überseequartier somit an Themen der ursprünglichen Planung an. Dennoch wird der Neustart genutzt, durch neue Elemente deutlich bessere Voraussetzungen für den langfristig erfolgreichen Betrieb des Überseequartiers als mischgenutztes, kommerzielles Herz der HafenCity zu schaffen. Es entsteht ein offenes und urbanes, nicht klimatisiertes, aber gleichzeitig wettergeschütztes Einkaufsviertel, das durchmischt ist mit gut vernetzten weiteren publikumswirksamen Nutzungen sowie Wohn-, Büro- und Hotelflächen. Nicht zuletzt durch die Verknüpfung mit dem neu entstehenden Kreuzfahrtterminal entsteht ein Gesamtareal, das in dieser Intensität der Nutzung und Größe bislang einzigartig ist.

Neue Konzeptionen

Nach der neuen Konzeption wird sich der Büroflächenanteil im Überseequartier insgesamt deutlich verringern (von 142.000 m2 a uf 9 0.300 m 2 Bruttogeschossfläche), während sich der Anteil des Wohnens fast verdoppelt (von 48.000 m2 auf 92.700 m2 BGF). Erstmals sind jetzt auch im Süden Wohnflächen auf 44.800 m2 geplant. Zugleich wächst der Einzelhandel hier auf 80.500 m2 BGF. Hinzu kommen Flächen für Kultur und Unterhaltung (10.000 bis 12.000 m2), Gastronomie (6.000 m2) und ein Hotel (23.500 m2). Unibail-Rodamco übernimmt nicht nur die Flächen des alten Konsortiums im südlichen Überseequartier, sondern kauft zwei weitere städtische Grundstücke zur Arrondierung hinzu.

Im Zusammenspiel der städtischen Rahmenbedingungen und der Expertise von Unibail-Rodamco haben sich für das südliche Überseequartier damit einige städtebauliche Korrekturen ergeben. Die Gebäude werden südlich der U-Bahn durch ein gläsernes Dach und eine veränderte Ausrichtung stärker vor Wind geschützt. Die Einzelhandelsflächen werden über drei Stockwerke – Warftgeschoss, oberes Erdgeschoss und erstes Obergeschoss –untergebracht, mit einem Lauf auf zwei Ebenen. Dies erlaubt unter anderem einen ansprechenden Größenmix der Läden und großzügige Schaufensterfronten. Die Aufenthaltsqualität wird verbessert und gleichzeitig der offene Straßenraum zwischen den Gebäuden erhalten.

Als Abschluss des Überseequartiers an der Elbe wird Unibail-Rodamco auch die Flächen des Kreuzfahrtterminals in ein Gebäude integrieren und so das provisorische Cruise Center HafenCity ersetzen. Auch dafür wurden die Planung überarbeitet. Mit ca. 5.000 m2 (statt 3.000 m2) BGF soll das neue Cruise Center ebenfalls deutlich leistungsfähiger und mit dem Quartier besser verknüpft werden. Das Gebäude, in dem es untergebracht wird, soll neben einem Hotel weitere Handelsflächen beherbergen, unterirdisch ergänzt durch einen Busbahnhof, Parkflächen und eine Taxivorfahrt. Der Pritzker-Preisträger Christian de Portzamparc hat bereits Entwürfe für ein rund 70 m hohes Bürogebäude am Eingang des Magdeburger  Hafens erstellt, das als Landmarke Teil der architektonischen Gesamtkomposition eines völlig neuen Stadtabschlusses an der Elbe wird.

Für alle anderen Gebäude wurden die Entwürfe im Laufe des Jahres 2015 weiter ausgearbeitet – und ein neuer Bebauungsplan erstellt, auf dessen Basis nun Bauanträge gestellt und Baugenehmigungen erteilt werden. Der Bau kann voraussichtlich 2017 starten. 2021 wird mit der Fertigstellung der zentralen Flächen mit Einzelhandel, Gastronomie, Entertainment, Kreuzfahrtterminal, Hotel und einem Teil der Büroflächen gerechnet.

Verknüpfte Einkaufslagen

Zukünftig gilt es, die etablierten innerstädtischen Einkaufslagen weiter mit der HafenCity zu verknüpfen. Bisher hat das weitere Wachstum des Einzelhandels mit den Business Improvement Districts (BIDs) zu einer Qualitäts- und Angebotsverbesserung geführt, aber noch nicht zum schrittweisen „Aufeinanderzuwachsen“ von City und HafenCity. Mit der Etablierung eines starken Pols wie dem Überseequartier können nun die Voraussetzungen geschaffen werden, mittelfristig eine integrierte Laufbeziehung zwischen Mönckeberg-, Spitalerstraße und HafenCity aufzubauen.


Quartiersprofil

  • Größe 14 ha
    Gesamt BGF: 370.000 qm

  • Arbeitsplätze und gewerbliche Nutzungen
    Arbeitsplätze: ca. 6.000
    Nutzungen: Wohnen, Büro, Einzelhandel, Gastronomie, Hotel

  • Wohnungen
    ca 970

  • Besondere Einrichtungen
    Altes Hafenamt, U4-Station Überseequartier, Krezfahrtterminal

  • Entwicklungszeitraum
    2007 bis 2017 (Nordteil)
    2017 bis 2021 (Südteil)

Quartiers-Homepage