Quartiere

Überseequartier – ein neues Stück City entsteht

Kommerzielles Herzstück der HafenCity ist das Überseequartier. Während der nördliche Überseeboulevard zunehmend urbane Qualitäten entwickelt, ist der Süden noch eine Baustelle in Warteposition


Das Foto zeigt das Überseequartier aus der Vogelperspektive

Der Norden des Überseequartiers (rechte Fläche) ist seit Herbst 2010 bis auf das Alte Hafenamt fertiggestellt, der Süden (linke Fläche) ist im Nordteil inzwischen auch im Bau. (© Kuhn / Fotofrizz) Bilderserie starten

Im Überseequartier wächst die zukünftige „City“ der HafenCity. In dem rund 13,7 ha großen Stadtraum werden ca. 1.000 Menschen wohnen und bis zu 7.000 Menschen arbeiten. 40.000 bis 50.000 Besucher und Touristen besuchen dann das Quartier – täglich.
2016 sollen die gesamten Projektvorhaben nahezu vollendet sein. Bis dahin entsteht eine besonders anspruchsvolle kommerzielle Nutzungsmischung, deren Realisierung sukzessive von Nord nach Süd erfolgt. Der Nordteil des Boulevards, bisher dichtester Stadtraum der HafenCity mit einer Geschossflächenzahl (GFZ) von über 5,0, wurde bereits im Oktober 2010 mit einem Straßenfest eingeweiht.
Mit den neuen Bewohnern der fertig­gestellten Mietwohnungen richten sich schon jetzt immer mehr Einzelhändler und Gastronomen ein. Ein großer Supermarkt hat ebenso eröffnet wie verschiedene Dienstleistungsbetriebe. Sie sichern nicht nur die Nahversorgung, sondern setzen, genauso wie die hier ebenfalls neuen Galerien und Modedesigner, wichtige Urbanitätsimpulse.
Mehrere große Büronutzer, etwa die Sozietät Esche Schümann Commichau und der Mineralölkonzern BP haben sich für das nördliche Überseequartier entschieden, die Gebäude in diesem Teil sind weitgehend vermietet.
Im Sommer 2011 eröffnete hier mit dem 25hours zudem das erste Projekt des Hoteliers Kai Hollmann in der HafenCity. Unmittelbar gegenüber dem maritime Stilelemente aufgreifenden und an der Überseeallee gelegenen (34/7) Hotel wurde im Dezember 2012 zudem die U-Bahnhaltestelle Überseequartier der neuen Linie U4 eröffnet.

Einkaufen und Genießen

Für die Freiraumgestaltung des Quartiers verwendet Beth Galí mit ihrem Büro BB + GG Arquitectes übergreifende längs- wie quergestreifte Bodenbeläge aus braunem, grauem und rötlichem Granit. Auf der gesamten Fläche spielt die Freiraumarchitektin mit Höhenunterschieden – Rampen, Treppen oder Terrassen verbinden verschiedene Ebenen.
Ebenso beeindruckend sind die einzelnen Bauwerke. Mit seiner dramatisch geneigten Fassade zieht das von Erick van Egeraat entworfene Sumatra-Gebäude (34/6) die Blicke auf sich. Aus dem Kontrast zu dem gegenüberliegenden Alten Hafenamt (34/5) ergibt sich ein einzigartiges Spannungsverhältnis. Rund um das 1885/86 gebaute Alte Hafenamt – dem einzigen noch erhaltenen historischen Backsteingebäude des Areals – liegt der gastronomischer Kern der HafenCity, ergänzt durch einen Markt auf den Außenflächen. Die Pläne für die Sanierung sowie die Erweiterung um einen schlanken Wohnturm wurden durch das Büro Bolles + Wilson entworfen. Der Wohnturm geht im Juni 2013 in Bau und wird das nördliche Überseequartier nach dem denkmalgerechten Umbau des Alten Hafenamtes komplettieren. Das Architekturbüro ist auch für den bereits eröffneten InfoPavillon verantwortlich: Schon seit 2008 geben Modelle und Multimedia-Exponate hier einen Einblick in die Entwicklung des Überseequartiers.
Auf den Baufeldern 34/15 und 34/16 beabsichtigen das Immobilienunternehmen DC Commercial, der Hotelier Kai Hollmann, das Miniatur Wunderland, Schmidt’s Tivoli sowie der Kinounternehmer Hans Joachim Flebbe die gemeinschaftliche Entwicklung einer besonders vielfältigen Nutzungsmischung aus Wohnen, Hotelbetrieb, sowie Kino- und Theaterangeboten. Auf einer Fläche von ca. 6.400 Quadratmetern bietet das Projekt eine Geschossfläche von ca. 31.000 Quadratmetern. Die insgesamt 125 Wohnungen verteilen sich auf ca. 17.400 Quadratmetern. Mindestens ein Drittel der Wohnfläche ist für geförderte Wohnungen vorgesehen, je ein weiteres Drittel sind für den frei finanzierten Mietwohnungsbau und für Eigentumswohnungen geplant. Nachdem Ende 2012 die exklusiven Planungsrechte vergeben wurden, wird nun ein Architekturwettbewerb durchgeführt, das Projekt planerisch ausformuliert und die Finanzierung abschließend geklärt. Ab Sommer 2014 geht es an die Realisierung. Damit schließt sich die letzte Baulücke gegenüber der Speicherstadt mit einem sehr anspruchsvollen Konzept.

Pulsierender Überseeboulevard

Während im nördlichen Quartiersteil bislang vorwiegend Wohnungen, Büroflächen und kleinere Geschäfte realisiert wurden, ist für das Quartier im Süden eine wesentlich stärkere Einzelhandelsorientierung vorgesehen, ohne dass hier ein geschlossenes und klimatisiertes Shoppingcenter entsteht. Vielmehr wird sich der Einzelhandel des gesamten Quartiers in mehrere freistehende Gebäude integrieren und somit die Bildung eines urbanen Zentrums unterstützen, da es auch den lebendigen Charakter des Überseequartiers insgesamt weiter stärkt. Kontrastreiche Freiräume nehmen den dichten Nutzungsmix auf: einladende Promenaden entlang des Wassers, großzügige Boulevards, Plätze und Terrassen, aber auch geschützte Räume – für Besucher ebenso wie für Bewohner.
Mittelpunkt ist der Überseeboulevard: Wie ein mäandrierender Fluss wird er sich von der Speicherstadt bis zur Elbe ziehen und durch geschwungene Laufwege und Fassaden abwechslungsreiche Stadträume entstehen lassen. Es kommt zu einem spannenden Wechselspiel. Einerseits aus einem Guss, verändert sich das Quartier andererseits auf Schritt und Tritt und überrascht immer wieder mit neuen Perspektiven.
Weiter südlich wird der Überseeboulevard bis zu den in mehrerer Hinsicht herausragenden Anziehungspunkten des Areals aus Waterfront Towers (34/13), dem Kreuzfahrtterminal (34/14) sowie dem Science Center (34/12) führen. Vor allem die beiden Turm-Solitäre des Büros UN Studio (Ben van Berkel) bilden unverkennbar den südlichen Abschluss des städtebaulichen Ensembles. Spannend wird zudem das Wechselspiel mit dem voraussichtlich 2014 in Bau gehenden neuen Kreuzfahrtterminal mit großem Hotel, Busbahnhof und unterirdischem Parkhaus.

Neue Strukturen

Die Entwicklung des Überseequartiers begann 2003 mit einem zweistufigen internationalen Investorenwettbewerb, in dessen Anschluss das Areal im Dezember 2005 an ein niederländisch-deutsches Investorenkonsortium (bestehend aus ING Real Estate, SNS Property Finance und Groß + Partner Grundstücksentwicklungsgesellschaft mbH) verkauft wurde. International renommierte Architekten (Trojan Trojan + Partner) entwickelten ein städtebauliches Gesamtkonzept auf Basis eines städtischen Masterplans. Zwei Jahre später, im Herbst 2007, erfolgte im Norden des Quartiers der Auftakt für die Bauarbeiten. Während der Südteil wegen der Finanzkrise zunächst nicht in Bau ging, wurde im Nordteil das Konzept mit einem Investitionsvolumen von rd. 350 Mio Euro und einer anspruchsvollen Nutzungsmischung umgesetzt.
Im Dezember 2012 zog sich die ING Real Estate als eine weitere Folge der Finanzkrise generell aus der Immobilienprojektentwicklung in Europa außerhalb der Niederlande zurück und schied damit auch aus dem Überseequartierkonsortiums aus. Alle Rechte und Pflichten übernahmen daraufhin die beiden verbleibenden Partner SNS sowie G&P. Damit wird der Weg frei für eine konzeptionelle Anpassung hinsichtlich des Einzelhandels, des Wetterschutzes sowie der Obergeschossnutzung, aber auch für die vorgezogene Entwicklung des Alten Hafenamts sowie des südlichen Überseequartiers an der Wasserseite, mit dem Kreuzfahrtterminal und den Waterfront Towers. Außerdem können seither Gespräche über die Ergänzung des Konsortiums geführt werden.

In wenigen Minuten am Jungfernstieg

Seit Dezember 2012 ist das Überseequartier direkt an das Netz der neuen U-Bahnlinie 4 angeschlossen. Die Fahrtzeit vom Jungfernstieg beträgt lediglich vier Minuten. Schon im Juni 2011, als die Platz- und Promenadenflächen am Magdeburger Hafen (auf der Ostseite des nördlichen Überseequartiers) mit einem großen Fest eingeweiht wurden, sind die Binnenalster und die Elbe über die „Domplatz-Achse“ zusammengerückt. Fußgänger benötigen allenfalls zehn Minuten, um vom Rathaus über den Domplatz bis ins Überseequartier zu gelangen. Aber auch mit Pkw ist das Überseequartier gut erreichbar: Unter dem gesamten, nur für Fußgänger zugänglichen Überseequartier entsteht eine große Tiefgarage mit rund 3.400 Stellplätzen, von denen heute bereits 1.200 zur Verfügung stehen und die an das neue, zentral gesteuerte Parkleitsystem angeschlossen ist.

Entwicklung bis an die Elbe

Bereits gegen Ende der Bauphase des nördlichen Überseequartiers nahm das Quartiersmanagement seine Arbeit auf. Übergreifend für alle Eigentümer und Nutzer der Einzelgebäude nimmt es eine Vielzahl von Aufgaben wahr, etwa die Organisation kultureller Nutzungen des Quartiers, Sicherheitsleistungen oder auch die Pflege des Stadtbildes. Damit wird der öffentliche Charakter des Quartiers gestärkt und seine intensive Nutzung erleichtert. Obwohl sich auch die Verkehrsflächen zwischen den Gebäuden in privatem Eigentum befinden, ist durch besondere kaufvertragliche und grundbuchliche Regelungen gesichert, dass es im Überseequartier öffentliche Nutzungsrechte ähnlich denen für Straßen und Plätze gibt. Erlaubt sind etwa Demonstrationen, Straßenmusik oder der Aufbau von Informationsständen.

Zwar bedarf es heute noch etwas an Fantasie, sich das Überseequartier als den zentralen Ort der gesamten HafenCity vorzustellen. Im Zuge der gesamten Fertigstellung des Nordteils, der Eröffnung der U4-Haltestelle im Südteil sowie der vorgezogenen und separaten Entwicklung des Kreuzfahrtterminals erhält das südliche Areal jedoch weiteren Rückenwind. Ziel bleibt es, ein qualitativ hochwertiges und damit auch den hohen internationalen Ansprüchen genügendes Nutzungskonzept für das südliche Überseequartier zu entwickeln. Die dadurch gewonnen Nutzer werden der HafenCity langfristig ihren ganz eigenständigen und attraktiven Charakter verleihen.

Quartiersprofil

  • Größe 13,7 ha
    Gesamt BGF: 303.000 m2 (einschließlich Science Center)

  • Arbeitsplätze und gewerbliche Nutzungen
    Arbeitsplätze: ca. 6.500
    Nutzungen: Wohnen, Büro, Einzelhandel, Gastronomie, Hotel

  • Wohnungen
    350

  • Besondere Einrichtungen
    Kreuzfahrtterminal, Altes Hafenamt, U4-Station Überseequartier

  • Entwicklungszeitraum
    2007 bis 2016

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