Wohnen

Auf gute Nachbarschaft

Mitten in der quirligen, innerstädtischen HafenCity sind zahlreiche nachbarschaftliche Treffpunkte entstanden. Viele Bewohner werden selbst aktiv: Sie organisieren Bewohnerfeste, Kulturveranstaltungen und virtuelle Begegnungsräume im Internet. Auch eine eigene Zeitung haben sie ins Leben gerufen

Das Foto zeigt einen Stand des Trödelmarktes in der HafenCity

Schnäppchenjagd und Klönschnack: Der von den Anwohnern selbst organisierte Trödelmarkt dient auch dem gegenseitigen Kennenlernen (© HafenCity Hamburg GmbH)

Wo gibt es gute Restaurants in der HafenCity? Wie läuft es hier mit der Kinderbetreuung? Und wo finden spannende Veranstaltungen statt? Wer Fragen zum Leben in dem neuen Stadtteil hat, ist bei dem Internetforum hafencityleben.de genau richtig. "Wenn man wissen will, was in der Umgebung los ist oder Nachbarschaftskontakte aufbauen möchte, wird man hier fündig", erklärt Michael Beyer, der das Forum vor sieben Jahren ins Leben gerufen hat. "Es gibt kaum eine Frage, die noch nicht gestellt und beantwortet wurde." Aber nicht nur im Forum und über persönliche Mitteilungen können sich die Mitglieder austauschen. Jeden zweiten Mittwoch im Monat laden die Organisatoren des Forums zum HafenCity-Stammtisch ein – jeweils in wechselnden Restaurants. Beyer: "Wir sind ein fester Kern, jedes Mal kommen aber auch neue Leute hinzu."

Das Forum hafencityleben zählt über 500 registrierte Mitglieder, täglich rufen zwischen 200 und 500 Leser bis zu 7000 Seiten auf. IT-Vertriebsberater Beyer, der im Jahr 2005 als ungefähr 70. Bewohner der HafenCity an den Sandtorkai gezogen ist, startete die Website aus einer Notwendigkeit heraus: Die ersten Anwohner benötigten ein effizientes Forum, um über die baulichen Veränderungen im Stadtteil zu diskutieren, über die Fahrradwegeführung ebenso wie das Lichtkonzept. Mittlerweile ist aus dieser Initiative ein echter Fundus an HafenCity-Informationen geworden – und ein Stimmungsbarometer der Bewohner, das sogar von Marktforschern und Studenten für Diplomarbeiten genutzt wird.

Nicht zuletzt ist das vielfältig genutzte Forum auch ein Beleg dafür, dass das nachbarschaftliche Netzwerken in der HafenCity besonders gut funktioniert. "Praktisch ist ja jeder neu hier und daher auch besonders aufgeschlossen", beobachtet Michael Beyer. Eine Erfahrung, die auch Susanne Wegener machte, als sie 2006 in die HafenCity kam. "Ich habe schon in vielen Hamburger Bezirken gewohnt, aber eine solch aktive Nachbarschaft hatte ich noch nie um mich herum", erklärt sie und ist dabei selbst eine der engagiertesten Bewohnerinnen. Unter anderem hat sie einen Anwohnertrödelmarkt ins Leben gerufen, der bis heute stattfindet, und auch das erste regelmäßige Treffen für die HafenCity-Bewohner organisiert.

Seit 2009 ist Susanne Wegener zudem Vorsitzende des Vereins "Netzwerk HafenCity", der sich für die Belange der Bewohner einsetzt – wenn es zum Beispiel um den öffentlichen Nahverkehr oder die besonderen Bedürfnisse älterer Bewohner geht. Ebenfalls ein wichtiges Projekt des Vereins, das gerade erfolgreich abgeschlossen wurde: Die hier organisierten Bewohner hatten sich gemeinsam gegen eine aus ihrer Sicht unglückliche Benennung neuer Straßen im Viertel gestemmt und konnten mit dem gemeinsamen Engagement viel bewirken: So wurde ein Arbeitskreis gebildet, dem die HafenCity Hamburg GmbH, das Netzwerk HafenCity, das Bezirksamt Hamburg-Mitte sowie Vertreter der politischen Fraktionen im Bezirk angehörten. In dieser Konstellation wurden neue Namen ausgewählt, die nun für alle Beteiligten passen. Mit der HafenCity Hamburg GmbH und politischen Vertretern arbeitet der Verein Netzwerk HafenCity auch in anderen Fragen zusammen. "Bürgerbeteiligung in der HafenCity ist erwünscht und wird gefördert", freut sich Suanne Wegener.

Auch Michael Klessmann gestaltet die HafenCity aktiv mit. Als Chefredakteur und Herausgeber der HafenCity-Zeitung will er Diskussionen über die Bedürfnisse der Bewohner, aber auch der Gewerbetreibenden anstoßen. Gemeinsam mit mittlerweile acht weiteren ehrenamtlichen Mitstreitern greift er die entsprechenden Themen auf und informiert auch sonst über alles, was im Viertel los ist. Auch die HafenCity-Zeitung war zu Anfang ein rein virtuelles Projekt, seit 2009 jedoch erscheint sie jeden Monat auch gedruckt. Die Auflage stieg seitdem von 2000 auf 15.000 Exemplare. Längst wird sie auch in anderen Stadtteilen gelesen. "Als ich angefangen habe, habe ich mit einer lokalen Website herumgespielt, auf der ich in erster Linie Fotos veröffentlichen wollte", erzählt IT-Berater Klessmann, der am Kaiserkai wohnt. "Doch innerhalb kürzester Zeit ist das Vorhaben explodiert. Ich schwamm in Informationen über die entstehende HafenCity." Und die wollten weitertransportiert werden. Klessmann verfasste zunehmend auch Nachrichten, Reportagen und Porträts.

Auch das schnelle Wachstum der HafenCity-Zeitung zeugt von der Begeisterung der Bewohner für ihren Stadtteil. "Die Nachbarn begegnen sich mit Neugier und Interesse", sagt Michael Klessmann, der sich freut, immer informiert und mittendrin zu sein, wenn in der HafenCity organisiert, diskutiert oder gefeiert wird. Aber auch weitere positive Nebeneffekte bemerkt er bei sich und den anderen ehrenamtlichen Nachbarschaftszeitungsmachern: "Man stärkt seine kommunikativen Fähigkeiten und auch Arbeit- oder Auftraggeber nehmen das Engagement positiv wahr."