Presse

Jahrespressekonferenz 2021

10.03.2021
Eine „Tiefenkrise“, wie es der Zukunftsforscher Matthias Horx nennt, hat mit der COVID 19-Pandemie unsere inneren Städte erfasst. Das Urbane und die Begegnungsfähigkeit an sich scheinen in Frage zu stehen. Gerade die HafenCity Hamburg GmbH, die vier große Stadtentwicklungsvorhaben in Hamburg verantwortet, die im Wesentlichen auf Neubau ausgerichtet sind, muss sich der Frage nach den Konsequenzen stellen. Wie kann die Post-Pandemie-Ausrichtung der inneren Stadt aussehen? Können die Leitbilder der gesunden Stadt zur Orientierung dienen? Oder ist, etwas weiter gefasst, die Resilienz der Stadt das neue Paradigma? Müssen andere Leitbilder wie die „kompakte Stadt“ zu den Akten gelegt werden? Stadtentwicklung muss sich jedenfalls neu positionieren, gleichzeitig aber weiterhin zur Antwort auf die großen sozialen und umweltbezogenen Fragen unserer Zeit beitragen: Wie geht man mit Ressourcenverbrauch und Klimawandel um? Was macht eine lebenswerte soziale Stadt aus?
Die großen Leitlinien der Stadtentwicklung müssen daher neu benannt, vor dem Hintergrund der Krise diskutiert und Leitplanken für Vorhaben neu entwickelt werden: In Experimentalprojekten der Nachhaltigkeit und dem Ausbau der sozialen Infrastruktur in der HafenCity, in Form einer mehrdimensionalen Integrationsstrategie für alle wesentlichen Innovationsmaßnahmen im Grasbrook, fortgeschrieben in der Science City Hamburg Bahrenfeld mit dem Fokus auf Wissenschaft und der Generierung von wissenschaftlicher Innovation (auch außerhalb der Stadtentwicklung) und schließlich im Billebogen, verbunden mit innerstädtischen Arbeitsorten in kompakter und grüner Form.

Prof. Jürgen Bruns-Berentelg, Vorsitzender der Geschäftsführung der HafenCity Hamburg GmbH: „Am Beispiel des Themas Verdichtung (mehr Stadt in der Stadt) lässt sich die Weiterentwicklung der Leitbilder unter dieser These skizzieren: Die kompakte Stadt muss in der Post-Corona-Stadt nicht aufgegeben werden, sondern bildet weiterhin ein zentrales Ziel der Nachhaltigkeitstransformation. Aber sie verändert sich: Sie muss doppelt kompakt werden, zum einen im Sinne baulicher Strukturen mit Null-Emissionsgebäuden und Infrastrukturen, zum anderen durch eine Verdichtung des Grüns nicht nur durch das Schaffen neuer Flächen, sondern auch vieler neuer Straßenräume, grüner Fassaden und Dächer sowie allgemein neuer „nature based solutions“.“

Dr. Andreas Kleinau, Geschäftsführer der HafenCity Hamburg GmbH, knüpft an die Zukunftsstrategien an und verweist auf die vorbildlichen technologischen und sozio-ökonomischen Innovationen, die die HafenCity in ihrer 20jährigen Entwicklung geschaffen hat: „Durch die strategische Innovationsentwicklung und viele mutige Experimente von Bauherrinnen und Bauherren sowie weiteren Akteuren hat die HafenCity in vielen Bereichen neue Standards gesetzt. Das gilt für das HafenCity Umweltzeichen als erstes Zertifizierungsverfahren ebenso wie für den Aufbau zivilgesellschaftlicher Strukturen oder die Entwicklung von neuen integrierten Wettbewerbs- und Planungsprozessen. Diese Innovationskraft wollen wir nun weiter ausbauen und noch stärker mit den Chancen der Digitalisierung verknüpfen. Mit unserem neuen Unternehmenssitz im ‚Null Emissionshaus‘ sind wir dabei nun selbst ein Teil dieses ständig lernenden Innovationsprozesses.“

Auch wenn die vier Stadtentwicklungsvorhaben eine jeweils sehr eigene Standort- und Entwicklungslogik aufweisen, so spiegeln sich – ausgehend von den Stadtentwicklungskompetenzen der HafenCity Hamburg GmbH – diese Leitperspektiven einer zukunftsgerichteten Stadtentwicklung in allen vier Arealen gleichermaßen wider.