Soziale Entwicklung

Urbanität im 

sozialen Kontext

Die HafenCity hat sich innerhalb weniger Jahre aus einem ehemals rauen Hafenmilieu in einen urbanen Stadtraum mit vielfältigen sozialen, kulturellen und politischen Entfaltungsmöglichkeiten entwickelt. Jedes Jahr verzeichnet die HafenCity ein stetiges Wachstum an Beschäftigten und Bewohnerinnen und Bewohner. Mittlerweile leben rund 5.000 Menschen in 2.000 Haushalten in der HafenCity. 15.000 Beschäftigte arbeiten in 750 Unternehmen. Nach Fertigstellung des Stadtteils werden hier 15.000 Menschen wohnen und 45.000 Menschen ihren Arbeitsplatz haben. Bemerkenswert ist der hohe Anteil der Haushalte mit Kindern der mit 22,6 Prozent deutlich über dem Hamburger Durchschnitt von 18 Prozent liegt. Der Alltag in der HafenCity ist lebendig und die öffentlichen Räume sind zu verschiedenen Tageszeiten von unterschiedlichsten Personengruppen und Nutzungen geprägt: Neben Bewohnerinnen und Bewohnern, Gewerbetreibenden, Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern sind es vor allem Studierende und Gäste aus aller Welt und den unterschiedlichsten Orten Deutschlands. Auch viele Hamburgerinnen und Hamburger haben die HafenCity für sich entdeckt und nutzen die attraktiven Kultur- und Freizeitangebote.

Für einen funktionierenden urbanen Stadtteil ist es wichtig, dass ein Miteinander von Menschen aus unterschiedlichen sozialen und kulturellen Milieus entsteht und gemeinschaftsbildende Strukturen mitgedacht und umgesetzt werden. Voraussetzung dafür sind ein diversifiziertes Wohnraumangebot für unterschiedliche Bevölkerungsgruppen, soziale Infrastrukturen, die den Bedürfnissen von Jung und Alt gerecht werden, aber auch ein die verschiedenen Gruppen berücksichtigender Beteiligungs- und Teilhabeprozess.

Wohnen

Lange Zeit galt Wohnen in der Innenstadt als wenig attraktiv. Heute steigen hingegen in innerstädtischen Lagen die Miet- und Kaufpreise von Wohnraum besonders stark an. Innerstädtisches Wohnen ermöglicht nachhaltige Lebensmodelle, bei denen Bewohnerinnen und Bewohner von kurzen Wegen zur Arbeit, zur Schule, zum Einkauf oder zu Freizeitorten profitieren. Dies ist nicht nur gut für die Umwelt, sondern entlastet auch das Haushaltsbudget durch spürbar niedrigere Mobilitätsausgaben und ermöglicht für viele durch Zeitgewinne auch das bessere Kombinieren von Familie, Freunden und Arbeit.  Um den verschiedensten Bevölkerungsgruppen den Zugang zum innerstädtischen Wohnungsmarkt in Hamburg sowohl aus sozialen als auch ökologischen Gründen zu ermöglichen, werden in der HafenCity von kommerziellen und gemeinnützigen Bauherren Miet- und Eigentumswohnungen auf unterschiedlichem Preisniveau realisiert.

Baugenossenschaften und Baugemeinschaften tragen zu einem diversifizierten Wohnungsangebot seit Beginn der Entwicklung bei und leisten zusätzlich durch eine Vielzahl von Gemeinschaftseinrichtungen wichtige Impulse für ein nachbarschaftliches Miteinander. Seit 2010 sind mindestens 20 % und seit 2011 mindestens ein Drittel aller Wohnungen öffentlich gefördert. Die Diversität des Wohnungsangebots wird durch den sogenannten Drittelmix nochmals deutlich erhöht. Wohnungen des 1. und 2. Förderwegs kosten monatlich 6,60 Euro/m² beziehungsweise 8,70 Euro/m². Neben der preislichen Differenzierung trägt aber auch die Auswahl der Bauherren zu einer Diversität der Wohnkonzepte bei. Im Quartier Baakenhafen in der östlichen HafenCity entsteht eine ganz besondere Konzeptvielfalt, die das Quartier zum Wohn- und Begegnungsort unterschiedlichster Alters- und Sozialgruppen macht. Die Wohnbauvorhaben umfassen unter anderem Mehr-Generationen-Wohnen für Familien, Studierende, Senioren sowie Menschen mit Behinderung. Neben einer Vielzahl privater Bauherren, Baugemeinschaften und Baugenossenschaften errichten verschiedenste soziale Träger ein äußerst vielfältiges und sozial gemischtes Wohnungsangebot. Ermöglicht wird das diversifizierte Wohnangebot durch eine die öffentlichen Grundstücke betreffende Vergabepraxis, die das Konzept (70 %) stärker als den Preis (30 %) gewichtet.

Mehr-Generationen-Stadtteil

Die Vielfalt an Konzepten, Preisniveaus und Architekturen im Wohnungsbau trägt zu einer bunten Mischung an Bewohnerinnen und Bewohnern bei. Anders als in vielen beliebten innerstädtischen Quartieren dominieren nicht die Ein-Personen-Haushalte. Stattdessen gibt es eine die Nachbarschaft fördernde Mischung, bei der Familien und Senioren, aber auch andere Gruppen wie Studierende eine besondere Bedeutung haben. Der Anteil der in der HafenCity gemeldeten Haushalte mit Kindern liegt mittlerweile bei 22,6 Prozent – deutlich über anderen beliebten Stadtteilen wie Eimsbüttel (13,1), Eppendorf (14,8), Winterhude (13,2), Neustadt (11,8) und auch deutlich über dem Hamburger Durchschnitt von 18 Prozent. Gleichzeitig ist die HafenCity der einzige innerstädtische oder innenstadtnahe Stadtteil, der überwiegend aus Mehrpersonen-Haushalten besteht (63,4 Prozent gegenüber 45,7 Prozent in Hamburg insgesamt). Die durchschnittliche HafenCity-Haushaltsgröße beträgt 2,1 Personen. In Eimsbüttel, St. Pauli, der Neustadt oder in St. Georg liegt dieser Wert bei 1,5. Mit der Fertigstellung weiterer besonderer Wohnkonzepte im Bereich der östlichen HafenCity wird der Familienanteil, aber auch der Anteil von Senioren, anderer Gruppen, die auf Betreuung und Pflege angewiesen sind, und auch von Studierenden nochmals deutlich steigen. Viele ältere Menschen haben sich nach dem Auszug ihrer Kinder gezielt für die HafenCity als Wohnsitz entschieden. Sie wählen einen Lebensmittelpunkt, der Kulturangebote, ein sozial lebendiges Umfeld und die direkte Nachbarschaft zu jungen und berufsorientierten Paaren und Singles bietet. Besonders reizvoll sind für die Bewohner zudem die emotional positiv besetzte Wasserlage, die individuellen Wohntypologien sowie die gute Verkehrsinfrastruktur und attraktive Fuß- und Radwegbeziehungen in der HafenCity

Die HafenCity vernetzt zudem die in den verschiedenen Bauvorhaben integrierten sozialen Träger, die im Bereich Betreuung und Pflege tätig sind. Ziel ist es, Kooperation zwischen Trägern zu ermöglichen, um Synergieeffekte für ein Versorgungsangebot zu nutzen und selbstbestimmtes Wohnen von Menschen im Quartier bis ins hohe Alter zu ermöglichen. Dieses soll sich nicht nur an Bewohner einzelner Gebäudekomplexe richten, sondern für alle Bewohner der HafenCity zugänglich sein. Um den vielfältigen Ansprüchen von Kindern, Jugendlichen, Erwachsenen und Senioren gerecht zu werden, entsteht zudem eine vielfältige soziale Infrastruktur. Zur sogenannten „harten“ Infrastruktur zählen die Bildungs- und Sportinfrastruktur, Grün- und Freizeitanlagen, sowie die drei in Planung befindlichen Gemeinschaftshäuser. Mit voraussichtlich zwölf Kindertagesstätten (derzeit sechs), zwei Grundschulen (derzeit einer), der in Planung befindlichen weiterführenden Schule (Stadtteilschule und Gymnasium), drei Hochschulen und zwei Hochschulniederlassungen verfügt die HafenCity über ein hervorragendes Bildungsangebot. Die Sportinfrastruktur besteht aus einer Vielzahl multifunktional nutzbarer Grünanlagen, Plätzen und Promenaden, sowie spezieller Sporteinrichtungen. Aktuell bestehen unter anderem mehrere Streetball-Anlagen, eine Skateanlage und ein temporärer Bolzplatz. Im Quartier Oberhafen entsteht ein wettkampftauglicher Fußballplatz und verschiedenen Leichtathletik-Anlagen. Drei große Spielplatzanlagen ziehen auch Familien aus anderen Stadtteilen in die HafenCity. Die sogenannte „weiche“ Infrastruktur bestehend aus zahlreichen zivilgesellschaftlichen Einrichtungen wie Initiativen, Vereine und dem Ökumenischen Forum (Zusammenschluss aus 21 Kirchen aus der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Hamburg) füllt die harte Infrastruktur mit einem großen Programm sozialer Angebote.

Nachbarschaft

Eine besondere Bedeutung kommt den drei geplanten Spiel- und Gemeinschaftshäusern im Grasbrookpark, im Lohsepark und im Baakenpark. Sie dienen als Knotenpunkt für soziales, nicht-kommerzielles Engagement und als Raum für nachbarschaftliches Miteinander – etwa durch Bildungs-, Spiel und Kreativangebote, Beratungs- und Informationsleistungen, Organisation von Workshops und Kursen und als Treffpunkt. Jeweils etwa die Hälfte der Grundfläche wird der gemeinschaftlichen Nutzung mit Mehrzweckräumen, Büros, Küchen und Co-Working-Spaces zur Verfügung stehen. Die andere Hälfte wird Kiosk, öffentliche Toiletten und Lagerfläche für Leihgeräte. Das Netzwerk HafenCity e. V. hat bei der Nutzungskonzeption und der Vorprüfung des 2019 ausgeschriebenen Architekturwettbewerbs mitgewirkt. 2021 sollen die Bauarbeiten beginnen. Betreiber der Gemeinschaftshäuser wird das Quartiersmanagement. Dieses finanziert sich aus einer Stiftung, dessen Stiftungsmittel aus kaufvertraglich gesicherten, jährlichen Abgaben der Grundstückseigentümer stammen. 

Das Quartiersmanagement wird neben dem Betrieb der drei nachbarschaftlichen Treffpunkte weitere Dienstleistungen anbieten, dessen Leistungsbild durch die Bewohnerinnen und Bewohner sowie die Gewerbetreibenden selbst im Rahmen eines partizipativen Prozesses definiert werden. Eine nachbarschaftliche Bindungswirkung geht auch von den öffentlichen Räumen aus. Plätze, Parks und Promenaden sind Begegnungsorte, dessen multifunktionale Gestaltung den Ansprüchen unterschiedlichster Gruppen genügt. Durch die Aktivierung der Erdgeschosslagen durch publikumsbezogene Nutzungen – also Nutzungen mit kleinem oder größerem Besucherstrom – erfährt der öffentliche Raum eine zusätzliche Qualitätssteigerung. Dies fördert die zufälligen Begegnungen von ansonsten wenig in Kontakt stehenden Bevölkerungsgruppen und sorgt somit niederschwellig für einen verstärkten Austausch innerhalb der Quartiere.

Beteiligung

Eine besondere Herausforderung bei der Entwicklung der HafenCity war zu Beginn deren Lage auf ehemaligen Hafen- und Industrieflächen – nicht nur infrastrukturell, sondern auch in Bezug auf die soziale Entwicklung. Anders als bei anderen städtebaulichen Projekten gab es auf dem Gebiet der HafenCity praktisch keine Bewohnerschaft. Die Nachbarquartiere der Innenstadt umfassen nur in sehr geringem Maße Wohnraum. Die durch die ehemalige Zollgrenze fast 125 Jahre lang andauernde Trennung vom Rest der Stadt sorgte dafür, dass nur wenige Hamburgerinnen und Hamburger einen Bezug zur werdenden HafenCity hatten. Erst mit Einzug der ersten Bewohnerinnen und Bewohner sowie Gewerbetreibenden entwickelte sich ein verstärktes zivilgesellschaftliches Interesse an der konkreten Ausgestaltung der Entwicklung. Der Stadtteilverein Netzwerk HafenCity e. V.  bietet eine Plattform für das wachsende nachbarschaftliche Interesse. Dieses kommt auch in weiteren Initiativen und Vereinen wie dem Sportverein Störtebeker SV, dem Spielhaus HafenCity e. V., der Initiative Freunde des Lohseparks, der Initiative Schulcampus Lohsepark und dem Verein Flüchtlingshilfe HafenCity e. V. zum Ausdruck. Die HafenCity Hamburg GmbH steht im regelmäßigen Austausch zu diesen und anderen zivilgesellschaftlichen Akteuren des Stadtteils.

Auf diesem Wege werden Bewohnerinnen und Bewohner regelmäßig in die Planungen miteinbezogen, sei es durch Einbindung in die architektonischen Wettbewerbsverfahren oder durch eine Integration in die konkreten Planungsprozesse. Beispielhaft sind etwa die Spielplatzplanungsprozesse: Von Beginn an wurden Akteure aus der HafenCity in die Planungen miteingebunden. Bei der Realisierung von Grasbrook- und Lohsepark wurden zahlreiche Ideen und Anregungen eines Schülerbeirats der Katharinenschule berücksichtigt und der Freiraum des Quartiers Baakenhafen würde ohne die einzigartigen Ideen der vielen beteiligten Vor- und Grundschüler, die im Rahmen eines großen Beteiligungscamps ihre Gestaltungswünsche geltend machten, anders aussehen. Regelmäßige Informations- und Diskussionsveranstaltungen stehen zudem allen Bewohnerinnen und Bewohnern sowie Gewerbetreibenden der HafenCity offen. Die Selbstorganisation der in der HafenCity Wohnenden und Arbeitenden und die Entwicklung attraktiver Angebote, die sich an den Bedürfnissen des Stadtteils orientieren sollen, wird zukünftig durch das entstehende Quartiersmanagement weiter gefördert. Über in den Grundstückskaufverträgen vereinbarte Zahlungen der Grundeigentümerinnen und Grundeigentümern von Wohn- und Gewerbeflächen wird eine finanziell nachhaltige institutionelle Trägerstruktur (Stiftung bürgerlichen Rechts) ins Leben gerufen, die zivilgesellschaftliches Engagement, gemeinschaftsfördernde Ideen, Aktivitäten und Projekte im Stadtteil unterstützen wird sowie für das Management der drei Gemeinschaftshäuser verantwortlich sein wird.

Weblink

Beteiligung in der HafenCity

Gemeinsam einen lebendigen Stadtteil gestalten: Über die Plattform Adhocracy+ können sich Bürgerinnen und Bürger aktiv beteiligen.

Stadtentwicklung

Urbanes Arbeiten

Vom rauen Hafen zum mordernen Arbeitsort

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