Kunst und Kultur

Die besondere Bedeutung der Kultur für die Stadtentwicklung

Sommertango am Buenos-Aires-Kai oder Dancefloor auf der MS Stubnitz? Internationale Topstars in der Elbphilharmonie oder lieber kleine, feine Jazzkonzerte in der Halle 424? Afrikanische Skulpturen oder Virtual-Reality-Kunst? All dies findet sich heute in der HafenCity auf engstem Raum. Das Veranstaltungsangebot erstreckt sich quer durch alle kulturellen Sparten von kuratierten Kunstprojekten des HafenCity-Kulturprogramms „Imagine the City“ über den Sommer in der HafenCity mit Tanz, Poetry Slam und Lesebühnen bis zu bedeutenden internationalen Festivals wie dem jährlichen Harbour Front Literaturfestival, dem Elbjazz Festival oder dem Festival Theater der Welt im Jahr 2017. Große, für die Kultur wichtige bauliche Ikonen wie die Elbphilharmonie und das Internationale Maritime Museum Hamburg werden ergänzt durch vielfältige kulturnahe oder kreativwirtschaftliche Nutzungen wie Galerien und Medienhäuser, Designateliers und nicht zuletzt Hamburgs größtes Kreativquartier, das Quartier Oberhafen.

Für die HafenCity ist die kulturelle Aneignung des Ortes von besonderer Bedeutung. Das Gebiet der heutigen HafenCity war als Teil des Hamburger Freihafens lange Zeit ein weißer Fleck auf der mentalen Landkarte vieler Menschen in Hamburg. Der Freihafen und das Hamburger Hafenentwicklungsgesetz schlossen hafenfremde Nutzungen praktisch aus. Zwischen Hafenbehörde und Industrieanlagen, alten Speichern und Schuppen war somit lange Zeit kein Platz für ein soziales und kulturelles Zusammenleben. Umso drängender stellten sich zu Beginn der HafenCity-Entwicklung Grundfragen: Wie entwickelt man einen neuen Stadtraum ohne Bestandsnutzung? Wie schafft man einen sozialen und kulturellen Begegnungsort, der über viele Jahre seine Strahlkraft und einen Mehrwert für die Innenstadt entfaltet? Und wie lässt sich ein Stadtteil dauerhaft lebendig gestalten? Zentrale Antworten auf diese Fragen geben das städtebauliche Konzept der Mischnutzung, das eine große Breite an gesellschaftlichen Gruppen ansprechende Wohnraumkonzept und die intensive Begleitung sozialer Prozesse in den Quartieren. Einen wichtigen Beitrag leisten jedoch auch erste wegbereitende Personen aus Kunst und Kultur, die durch eine kulturelle Aneignung des Ortes die Entwicklung der HafenCity erst ins breite öffentliche Interesse rückten. Dies stellt eine wichtige Voraussetzung für eine gesellschaftlich relevante, städtebauliche Entwicklung dar. Zum anderen sorgt die direkte Förderung von Kunst und Kultur dafür, dass Stadtentwicklung nicht nur die physischen Voraussetzungen für einen lebendigen Stadtteil in Zukunft schafft, sondern den über längeren Zeitraum noch durch Bauaktivitäten geprägten Stadtteil bereits frühzeitig besonders lebenswert macht.

Kulturelles Netzwerk

Ab 2001, mit Beginn der HafenCity-Entwicklung betraten die ersten wegbereitenden Kulturschaffenden das noch unbekannte Terrain, improvisierten mit ihren Instrumenten auf Baustellen und Brachflächen („Musikalische LandArt – Tune“), schufen Installationen, Bodenzeichnungen und temporäre Kunstkolonien („Artgenda“) oder gingen im Rahmen des Hamburger Architektursommers auf „Hafensafari“, auf Entdeckungstour zu temporären Kunstinstallationen mit begleitenden Ausstellungen. Mit Entlassung aus dem Freihafengebiet 2003 wurde der Weg frei für eine größere Zahl kultureller Projekte städtischer Beteiligter. Gemeinsam ebneten die HafenCity Hamburg GmbH und die Kulturbehörde 2005 den Weg für eine finanzielle Förderung und institutionelle Verankerung der kulturellen Aktivitäten in der HafenCity. Einerseits gründete sich die Kooperation „Kunst und Kultur in der HafenCity“ aus HafenCity Hamburg GmbH, Hamburgischer Kulturstiftung und Körber Stiftung als Fördereinrichtung, um Kunstprojekte im öffentlichen Stadtraum zu initiieren und finanziell zu unterstützen. Andererseits konstituierte sich auf Initiative der früheren Kultursenatorin Karin von Welck der Koordinierungskreis Kultur als Fachbeirat der HafenCity Hamburg GmbH, um die Qualität extern eingereichter Kultur- und Kunstkonzepte zu prüfen und die Entwicklung der HafenCity strategisch zu begleiten.

In der Folge wurden nicht nur hochkarätige künstlerische Projekte wie der „Jahrmarkt des Abschieds“ (2005/2006) und das internationale Off-Kunst-Festival „Subvision“ (2009) realisiert. Die Kooperation Kunst und Kultur in der HafenCity beauftragte 2011 auch die Kuration von drei Projekten durch Kampnagel, die Deichtorhallen und den Kunstverein: die multimediale Musikperformance „Global Design“ von Christian von Borries an Bord der MS Bleichen, die Skulptur „The Bronze House“ von Plamen Dejanoff am Strandkai und die Filmproduktion „Ein neues Produkt“ von Harun Farocki, die sich mit der Rolle des Individuums in neuen Arbeits- und Lebenswelten auseinandersetzte.

Seit August 2017 bereichern die Arbeiten der HafenCity-Kuratorin Ellen Blumenstein in Trägerschaft des gemeinnützigen Vereins Kunst und Kultur in der HafenCity e. V. unter dem Motto Imagine the City die kulturellen Aktivitäten der HafenCity. In einem fünf Jahre laufenden Kulturprogramm loten die initiierten Projekte an der Schnittstelle von Kunst und Stadtentwicklung das Verhältnis zwischen Individuum, gebauter urbaner Umwelt und neuen Techniken aus. Den Auftakt machte von 2018 bis 2020 die Neonröhreninstallation „Public Face“ der Künstler Julius von Bismarck, Richard Wilhelmer und Benjamin Maus auf der Kibbelstegbrücke, ein Smiley mit über 5 m Durchmesser, der per Kamera erfasste, anonymisierte Mimikmarker aus Gesichtern von vorbeigehenden Menschen zu einer „kollektiven Stimmungslage“ des Stadtteils umrechnete. Die verwunschene Garteninstallation „Bee Chapel“ (2019) von Terence Koh, einem ehemaligen Enfant terrible der New Yorker Kunstszene, die Airbrush-Arbeit „Backdrops“ des jungen Hamburger Künstlers Gerrit Frohne-Brinkmann (2020/21) in der Tiefgarage des nördlichen Überseequartiers, und die Web-App „Botboot“ von Sebastian Quack, die bis Februar 2021 per Handy mit Chats und Geocaching spielerisch durch die HafenCity führte, gehören ebenfalls zum Programm. Die Verankerung von erstmals kuratierter, zeitgenössischer Kunst im Stadtraum zeigt: Längst ist aus dem teils zufälligen, teils initiierten künstlerischen „Herantasten“ der Anfangsjahre in der HafenCity ein komplexer Kulturcluster geworden. Kooperationen und neue Nutzungen wurden auf den Weg gebracht, moderne Gebäude und öffentliche Räume zur Bühne für Kunst und Kultur, alte Hallen und interaktive Digitalformate vereint. Sie alle bieten Platz und Raum für Neues und Bewährtes, für Unterhaltsames und Nachdenkliches.

Kulturelle Bauwerke

Doch es waren nicht nur Fragen der strategischen Impulse und der Anschubförderung, welche die kulturelle Entwicklung der HafenCity maßgeblich vorantrieben. Es war vor allem die gezielte Einbindung kultureller und kulturnaher Beteiligter vor Ort, die im Rahmen der Grundstücksentwicklung über Ideenkonzepte und Grundstücksausschreibungen in der HafenCity ihre Heimat fanden und sich bis heute engagieren: die Hamburger Designplattform designxport mit Ausstellungen und Diskussionsformaten; das Kulturschiff MS Stubnitz am Kirchenpauerkai, ein denkmalgeschütztes ehemaliges Fangschiff der DDR-Fischereiflotte und heute Ort für Techno, Weltmusik, Jazz oder Performances; außerdem Galerien verschiedenster künstlerischer Stilrichtungen; die Halle 424 im Oberhafen, eine sanierte Güterhalle mit eigenem Residenzorchester und kuratiertem Jazzprogramm; die Hafenbühne; das Premiumkino Astor Film Lounge und der Club 20457 im Überseequartier; Start-up-Unternehmen in der Hongkongstraße und hybride Konzepte aus Gastronomien bzw. Hotels mit Konzertbühnen, u. a. im Carls an der Elbphilharmonie und im Hotel 25hours HafenCity. Während diese stationären Ankernutzenden die HafenCity dauerhaft als Kulturort stärken, sorgen die temporären Veranstaltungen für das kulturelle „Sahnehäubchen“ im Jahresverlauf: allen voran die Zelttheater-Inszenierungen, mit denen das Thalia Theater viele Jahre lang auf dem Strandkai und dem Baakenhöft zu Gast war, das jährliche Elbjazz Festival, das Harbour Front Literaturfestival an verschiedenen Orten im Stadtteil und das NDR Elbphilharmonie Orchester, das mit Open-Air-Konzerten und Videoübertragungen auch vor der Elbphilharmonie immer wieder ein Großpublikum begeistert.

Apropos Elbphilharmonie: Auch wenn der Weg lang und steinig war, mit dem spektakulären Konzerthaus von Herzog & de Meuron, aufgesetzt auf den entkernten Kaispeicher A des Architekten Werner Kallmorgen aus den 1960er-Jahren, katapultierte sich nicht nur Hamburg in die erste Musik-Liga. Auch die HafenCity erhielt eine Kultur- und Architekturikone von Weltrang. Gemeinsam mit dem künftigen Elbtower von David Chipperfield Architects an den Elbbrücken und dem gläsernen Spiegel-Ensemble von Henning Larsen Architects auf der Ericus-Spitze ist sie Teil des bereits im HafenCity-Masterplan angeregten äußeren maritimen Dreiecks herausragender Gebäude und Standorte an den „Eckpunkten“ der HafenCity. Weithin begrüßt die Glasfassade der Elbphilharmonie mit dem markanten wellenförmigen Dach ihr Publikum. Im Inneren entstand ein einmaliger Hybrid aus backsteinernem Zweckbau und zeitgenössischer Baukunst mit zwei Konzertsälen für 2.150 und 550 Personen, einem Hotel mit 244 Zimmern, einem Parkhaus mit rund 500 Stellplätzen, 44 Wohnungen, musikpädagogischen Angeboten, Restaurants und Bars. Von der öffentlichen Plaza auf 37 m Höhe genießt man einen Rundumblick auf den Hafen, die Elbe, die HafenCity und die innere Stadt, während in den Konzertsälen die internationale Musik-Elite für eindrucksvolle Konzerterlebnisse sorgt. Ausverkaufte Veranstaltungen und mehr Gäste als im Schloss Neuschwanstein oder im Berliner Reichstag sprechen für sich: Die Elbphilharmonie ist der neue Star am Platz.

Museen und Kreativorte

Doch es sind auch die weniger bekannten Kulturorte, die die HafenCity prägen: Orte wie das Internationale Maritimen Museum Hamburg. Im Kaispeicher B am Magdeburger Hafen fand die Privatsammlung des 2016 verstorbenen Verlagsmanagers Peter Tamm auf 11.500 m² und zehn Speicherböden ihren Raum, eine akribisch zusammengetragene Sammlung aus zehntausenden Schiffsmodellen, Uniformen, Marinebildern und anderem maritimen Stücken. Ab Mitte 2005 wurde der Speicher unter Federführung der Architektin Mirjana Markovic aufwendig saniert und zum Museum umgebaut, wobei die charakteristische Architektur vom Wilhelm Emil Meerwein und Bernhard Hanssen aus dem Jahr 1879 erhalten blieb. Ebenfalls 2008 öffnete das Automuseum Prototyp im denkmalgeschützten ehemaligen Firmengebäude der Harburger Gummi-Kamm-Compagnie an der Shanghaiallee. Die private Sammlung der Museumsgründer Oliver Schmidt und Thomas König zeigt seltene Automobilikonen und legendäre Rennwagen sowie spektakuläre temporäre Ausstellungen, wie 2017 die BMW Art Cars mit Modellen von Andy Warhol, Roy Lichtenstein, A. R. Penck oder Jeff Koons. Nur wenige hundert Meter weiter Richtung Osten, versteckt hinter der zum Hauptbahnhof führenden Fernbahntrasse, öffnet sich eine ganz andere Welt: das Quartier Oberhafen. Ehemalige Güterhallen mit Laderampen werden ergänzt durch mehrgeschossige Verwaltungsbauten wie die Alte Bahnmeisterei und ein ehemaliges Zollgebäude. Sie alle zeugen von der früheren Nutzung als Güterbahnhof und Warenumschlagplatz vom Hafen auf die Schiene. Heute ist der Oberhafen einer der hamburgweit angesagtesten Hotspots für Kreative und hat wegen seiner niedrigschwelligen Flächenangebote und der interdisziplinären und partizipativen Ausrichtung sogar bundesweit Modellcharakter.

Seit 2011 durchläuft das Quartier einen langjährigen Transformationsprozess zum neuen Kultur- und Kreativquartier. Nach ersten fortschrittsorientierten Nutzenden aus der Zeit als Bahn- und Logistikstandort kamen in den vergangenen Jahren Konzepte und Beteiligte aus verschiedensten Branchen hinzu: In den großen Hallenabschnitten sind es hybride Werkstattkonzepte, eine Gemeinschaft von Architekturschaffenden, eine Galerie und eine Filmproduktion. In den Bürotrakten findet man u. a. kleinere Schmuckateliers, den Coworkingspace FilmFabrique und ein junges Verlagshaus, außerdem die Klassik- und Jazzlocation Halle 424, das Kindertanz- und Musikangebot Lukulule e. V., den Parkour Creation e. V. und die Hanseatische Materialverwaltung mit ihrem Upcycling-Fundus für gebrauchte Requisiten. Auch der Gängeviertel e. V., u. a. mit dem Club Moloch, war von 2015 bis 2020 Interimsnutzer im Oberhafenquartier. Was zunächst nur als Zwischenlösung während der eigenen Sanierungsarbeiten geplant war, wurde zu einem fruchtbaren, mehrjährigen Miteinander. Auch Festivals und Ausstellungen sind regelmäßig zu Gast und setzen künstlerische Impulse, so die Triennale der Photographie und das im Oberhafen gegründete Festival „VRHAM!“, das international erste Festival für Virtual-Reality-Kunst. Weitere attraktive Kulturorte und -angebote werden in den kommenden Jahren hinzukommen, etwa das Kinderarchitekturzentrum „Hochform“ am Strandkai, neue digitale Konzepte und das sich im Bau befindende Dokumentationszentrum denk.mal Hannoverscher Bahnhof, welches die Deportationen von über 8.000 jüdischen Menschen sowie Sinti und Roma zwischen 1940 und 1945 vom Hannoverschen Bahnhof erstmals umfassend dokumentiert. Mit dem geplanten Digital Art Museum (teamLab) kommt ein weiteres Kulturhighlight von international bedeutsamem Rang an den Amerigo-Vespucci-Platz.

Quartiere

Oberhafen

Nur einen Steinwurf vom Lohsepark, den Deichtorhallen und dem Großmarkt entfernt entsteht ein innovativer Mix aus Kultur-, Kreativwirtschafts- und Sportangeboten
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Nutzung Freiflächen

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