Infrastruktur
Stille Stars des städtischen Lebens
Sie müssen verlässlich funktionieren, im Alltag wie im Ausnahmefall: Infrastrukturbauten schaffen die Grundlagen städtischen Lebens. Oft sind sie unsichtbar – zum Beispiel Leitungssysteme und Netze für Wasser, Energie und Medien. Oder sie werden als selbstverständlich hingenommen, wie Straßen. Der Bau und Unterhalt ist jedoch aufwendig und anspruchsvoll. Um Infrastruktur zukunftsgerecht zu gestalten, muss man sie weit voraus denken: Obwohl man es ihr manchmal nicht ansieht, erfüllt sie in einzelnen Bauwerken oft viele Funktionen. Die HafenCity Hamburg GmbH baut und plant selbst Straßen, Brücken, Parks, Plätze und Promenaden unter Berücksichtigung eines modernen Hochwasserschutzes. Die 2001 eröffneten Kibbelstegbrücken waren eine wichtige Voraussetzung dafür, dass in der HafenCity überhaupt Wohnen zulässig wurde. Sie dienen im Normalfall nur dem Fußverkehr, können aber im Notfall aber auch durch Rettungsfahrzeuge befahren werden. 25 Jahre später wird die bisher jüngste Brücke als Fuß- und Radwegeverbindung zwischen dem Quartier Elbbrücken und dem Elbpark Entenwerder eröffnet.
Bauen am Wasser: Pfahlgründung und Drainage
Mit der HafenCity wächst Hamburgs Innenstadt von der Alster bis an die Norderelbe. Gebäude, Verkehrswege und öffentliche Räume müssen in den wenig tragfähigen Böden am Fluss dauerhaft gegründet werden. Zum Glück hat Bauen in Wassernähe in Hamburg lange Tradition. So wird für Gebäude in der HafenCity bis heute meist auf Pfahlgründung zurückgegriffen: Die tief ins Erdreich getriebenen Pfähle führen die Gebäudelast an den oberen Bodenschichten vorbei in die unteren tragfähigeren Schichten ab.
Im Straßenbau kann in der Regel auf die aufwendigen Pfahlgründungen verzichtet werden. Hier wird einige Jahre vor endgültigem Ausbau bis zu 8 m Sand temporär aufgeschüttet. So wird das Wasser aus den oberen Bodenschichten herausgedrückt und der Boden verfestiget sich – auch dank zusätzlicher Drainagen.
Moderner Hochwasserschutz
Von Hamburg bis zur offenen Nordsee sind es rund 100 Kilometer, doch die Elbe ist den Kräften von Ebbe und Flut stark ausgesetzt. Der Stadtkern und viele weitere Bereiche sind daher durch Deichanlagen geschützt. Vor Beginn der HafenCity-Entwicklung musste daher geklärt werden, wie sich das vor dem Hauptdeich liegende ehemalige Industrie- und Hafenareal dauerhaft vor Hochwasser schützen lässt.
Auf eine aufwendige, kostspielige und ökologisch bedenkliche Eindeichung des Gesamtareals wurde bewusst verzichtet. Stattdessen wurde in der HafenCity eine bauliche Tradition an der Nordsee neu interpretiert: Der Hochwasserschutz beruht auf dem Warftmodell. Warften sind aufgeschüttete Hügel, auf denen Häuser und Siedlungen vor steigendem Wasser geschützt liegen. In der HafenCity übernehmen die neuen Straßen diese Funktion: Sie liegen auf 7,8 bis 8,5 m über Normalnull (NHN) im Gegensatz zu den historischen Kais (4,0 – 5,5 m NHN). Die Aufhöhung der Baugrundstücke selbst ist nicht notwendig, sondern diese gewinnen sogar Platz: Wo sonst das Untergeschoss wäre, findet sich das Warftgeschoss, wasserdicht hergestellt und mit Flutschutztoren oder vergleichbare Anlagen ausgerüstet. Zum Wasser hin setzt das Warftgeschoss auf dem historischen Hafenniveau auf. Vor ihm liegt zumeist die neue Promenade, die bei Hochwasser überspült werden kann. Insgesamt rund zehn Kilometer wassernahe Promenaden entstehen so in der HafenCity. Zur Straße hin schließt oberhalb des Warftgeschosses das Erdgeschoss an.
Barrierefreie Zugänge
Mithilfe von Rampen sind die Freiräume der HafenCity trotz des Geländegefälles auch für Menschen mit Kinderwägen, Rollatoren oder Rollstühlen zugänglich. Orientierungshilfen für Menschen mit Sehbehinderung wurden ebenfalls angebracht. Viele Maßnahmen erfolgten in Zusammenarbeit mit Betroffenen-Verbänden.
Zwischen den neuen Straßen und den Promenaden auf dem historischen Hafenniveau entsteht ein abwechslungsreiches Gefälle und prägt das Stadtbild der HafenCity. Größere Parks und Plätze integrieren den Höhenunterschied oftmals direkt in ihrer Anlage. Dies gilt zum Beispiel für den nach Osten ansteigenden, rund einen Hektar großen Amerigo-Vespucci-Platz im Quartier Elbbrücken oder den im Baakenhafen neu aufragenden Baakenpark (1,6 Hektar). Manche Freiräume werden durchgehend höher angelegt, zum Beispiel der neue Sportpark im Oberhafen: Die hier auf 1,2 Hektar entstehenden modernen Anlagen sollen möglichst umfassend vor Hochwasser geschützt werden. In die Gründung flossen mehr Zeit und Mittel als in die spätere Errichtung der eigentlichen Anlagen, die sich aber langfristig rechnet.
Stadt der Brücken
Die HafenCity liegt auf einer Insel in der Norderelbe, die außerdem durch Kanäle und Hafenbecken geprägt ist. Brücken sind für den neuen Stadtteil daher enorm wichtig. Dutzendfach sichern sie die alltäglichen Wege. Als erstes wurden zum Beispiel durch die Kibbelstegbrücken die traditionellen Verbindungen in Richtung der Speicherstadt, Alt- und Neustadt wieder hergestellt. Im Laufe der Jahre kamen viele neue Brücken innerhalb der HafenCity und zu „fernen Nachbarn“ wie der Stadtteil Rothenburgsort dazu.
Brücken sind aber auch innerhalb der HafenCity wichtig, um die verschiedenen Quartiere engmaschig zu vernetzen. Gleich zwei Brücken verbinden etwa das lang gestreckte Quartier Baakenhafen: Die 2013 eröffnete, 170 m lange Baakenhafenbrücke als Straßenbrücke und die Fußwegbrücke zur Halbinsel Baakenpark, die gleichzeitig als Träger von Ver- und Entsorgungsleitungen dient.
Zwischen Mobilität und Wassermanagement
Von der Verkehrsinfrastruktur hängt die Mobilität eines Stadtteils direkt ab – und in der HafenCity sorgt die vielfältige Infrastruktur einschließlich vier neuer U- und S-Bahnstationen für eine Vielzahl an Optionen. An vielen Stellen wurde und wird die Platzaufteilung in den Straßen in der HafenCity zugunsten des Fuß- und Radverkehrs verschoben. Dennoch dienen Straßen weiterhin der Erschließung von Gebäuden etwa für Feuerwehr und Krankenwagen. Zudem behalten Hauptachsen wie etwa die Versmannstraße und die Shanghaiallee eine zentrale Verbindungsfunktion zwischen der Innenstadt und der größeren Metropolregion
Doch auch für das Wassermanagement spielen Straße eine Schlüsselrolle, denn hier verlaufen wichtige Ver- und Entsorgungsleitungen. Ein Trennsystem für Regen- und Schmutzwasser sorgt für den fachgerechten Abtransport von verschmutztem und sauberen Wasser auch im Hochwasserfall. Das Niederschlagwasser auf Straßen und Brücken wird zudem vor Einführung in die Regenentwässerung gereinigt.